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Verbraucherschützer kritisieren: So tricksen Flugbuchungsportale bei Preisangaben

Bei Flugbuchungsseiten haben Verbraucherschützer erneut festgestellt: Versicherungen sind voreingestellt, und Endpreise werden zu spät angezeigt. Gegen sechs Webseiten wurde ein Verfahren eingeleitet.

Wer einen günstigen Flug im Internet sucht, kennt das Problem: Die zunächst preiswerteste Flugverbindung verteuert sich im Laufe des Buchungsvorgangs erheblich. Dabei hat der Gesetzgeber die Darstellung von Flugpreisen klar geregelt. Zusatzkosten wie zum Beispiel für das Gepäck und eine Reiseversicherung müssen am Anfang des Buchungsvorgangs angegeben werden. Voreinstellungen sind laut Artikel 23 der EU-Verordnung 1008/2008 gänzlich untersagt.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hat im Rahmen der jährlichen "Sweep"-Aktion zwölf Websites überprüft und sechs Verfahren eingeleitet, weil die tatsächlichen Ticket-Endpreise dem Verbraucher zu spät angezeigt werden.

Das Zusatzgeschäft mit Versicherungen

In mehreren Fällen verklagte der VZBV die Unternehmen, darunter auch den Ferienflieger Condor. "Die Kunden konnten dort den Buchungsschritt, in dem eine Reiseversicherung angeboten wurde, nicht verlassen, ohne eine Auswahl getroffen zu haben", teilte der VZBV mit.

Bei Tuifly werden Verbraucher gewarnt, dass 18.000 Euro Krankenrücktransportkosten auf sie zukommen können, wenn sie keine Reiseversicherung abschließen. Auch gegen diese Praxis hat der VZBV beim Landgericht Hannover Klage eingereicht.

Endpreise erst auf den letzten Drücker

"Gerade das Verbot der Voreinstellung umgehen viele Anbieter äußerst einfallsreich", sagt Kerstin Hoppe, die Referentin im Team Rechtsdurchsetzung beim VZBV. "Es darf nicht sein, dass Verbraucherinnen und Verbraucher erst auf den letzten Drücker erfahren, wie hoch die Kosten wirklich sind“, so Hoppe.

So werden bei der Fluggesellschaft Germania die Zusatzkosten für einen Sitzplatz erst im vierten Buchungsschritt angegeben. Die Klage gegen Germania scheiterte laut VZBV in erster Instanz. Es werde aber Berufung eingelegt.

Klage auch gegen die Unister GmbH

Gegen das Portal fluege.de, ein Unternehmen der Unister GmbH, klagte der VZBV vor dem Landgereicht Leipzig, weil Zusatzkosten zu spät und die Reiseversicherung unzulässig dargestellt wurden. In zwei Fällen konnten die Verfahren außergerichtlich durch Abgabe einer Unterlassungserklärung abgeschlossen werden.

Für die "Sweep"-Aktion überprüfte auch das Bundesamt für Verbraucherschutz weitere Anbieter, deren Sitz im europäischen Ausland liegt. Dabei seien bei "nahezu allen" untersuchten Seiten Verbraucherschutz-Verstöße festgestellt worden, teilte die Behörde mit.

So seien Zusatzkosten nicht korrekt angegeben worden oder die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) nur sehr schwer erreichbar gewesen. Das Amt habe die jeweils zuständigen ausländischen Partnerbehörden informiert und diese aufgefordert, für Abhilfe zu sorgen.

tib/AFP / AFP

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