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Reisebranche und Corona: Viele Urlaube wurden abgesagt, doch ihr Geld sehen Kunden bis heute nicht

Wegen Corona wurden viele Reisen abgesagt - doch ihr Geld sehen Tausende Kunden bis heute nicht wieder. Auf Nachfrage stellen sich viele Reiseanbieter tot. Eine Verbraucherzentrale wirft den Airlines gar Rechtsbruch vor. 

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Flugzeuge blieben wochenlang am Boden, Kreuzfahrtschiffe in den Häfen, Koffer unausgepackt: Die Coronakrise hat die Reisepläne von Millionen Deutschen durcheinandergwirbelt. Doch als wäre der abgesagte Urlaub nicht schon ärgerlich genug, müssen sich viele nun im Nachgang auch noch mit den Reiseanbietern und Airlines herumärgern.

Denn obwohl Lufthansa und Co. Tickets für stornierte Flüge eigentlich innerhalb von sieben Tagen ersetzen müssen - tun sie es nicht. Und nicht nur das: Viele Airlines stellen sich auf Kundennachfrage tot. In den Hotlines ist angeblich niemand für die Probleme zuständig, E-Mails bleiben unbeantwortet.

Beschwerden über Airlines stapeln sich

Bei der Verbraucherzentrale Hessen häufen sich inzwischen die Beschwerden über Fluggesellschaften. Das anfängliche Verständnis der Verbraucher sei mittlerweile überstrapaziert. Angesichts der Verzögerungstaktiken der Reiseanbieter fühlen sich viele Kunden ohnmächtig und frustriert. "Dabei sind gerade jetzt - angesichts von Kurzarbeit und Auftragsrückgängen - viele auf das Geld angewiesen", so die Verbraucherzentrale. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) geht es allein in Deutschland um Flugtickets im Wert von rund vier Milliarden Euro.

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Für Peter Lassek, Rechtsanwalt bei der Verbraucherzentrale Hessen, hat das System Methode: "Wir beobachten aktuell einen systematischen Rechtsbruch quer durch die Luftverkehrsbranche", so Lassek. "Eine Rückzahlung bieten Airlines entweder gar nicht oder nur sehr versteckt als eine von vielen Möglichkeiten an, wie etwa Umbuchung oder Gutschein. Kunden, die auf ihren Zahlungsanspruch bestehen, brauchen einen langen Atem. Das ist besonders unverständlich, wenn Unternehmen gleichzeitig massive staatliche Unterstützung erhalten." Wen Lassek damit meint, ist klar: die deutsche Airline Lufthansa.

Dass die Rückerstattung schleppend läuft, hatte kürzlich auch Lufthansa-Chef Carsten Spohr zugegeben. Seinen Aussagen zufolge soll der Rückzahlungsstau jedoch in den nächsten sechs bis acht Wochen  abgearbeitet sein.

cf

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