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Skating: Tanz im Schnee

Skating ist die anspruchsvolle Variante des Langlaufs und "sieht besser aus" - sagen die Fans. Vorausgesetzt, der Rhythmus stimmt. Im Südosten Frankreichs gibt es rund um Serre Chevalier ein ideales Übungsgelände.

Von Stéphanie Souron

Als es losgehen soll, haben sich die Riesen versteckt. Am Morgen noch schien die Sonne zwischen den Gipfeln, und die Loipen lagen wie ein glitzernder Teppich neben den verschneiten Tannen. Doch als Yves die ersten Schritte zum Col d’Izoard hinaufgleitet, sind die Berge hinter einem Vorhang aus dichten Schneeflocken verschwunden. Wer auf Skiern tanzen will, hatte Yves gesagt, braucht ein bewegliches Becken. Zwei Tage lang mussten seine Schüler üben, das Gleichgewicht auf den schmalen Langlaufskiern zu halten. Jetzt sollen sie beim Abstoßen die Hüfte strecken, um die Bewegungen dynamischer zu machen. Und damit niemand schummeln kann, hat Yves für diesen Nachmittag einen Ausflug zum Col d’Izoard angesetzt, auf den im Sommer manchmal die Tour de France hinaufstrampelt. Wer sich hier beim Anstieg nicht aus den Beinen herausdrückt, bleibt auf der Stelle stehen.

Yves ist 48 Jahre alt und Skilehrer bei UCPA, der "Union Nationale des Centres Sportifs de Plein Air". Übersetzt bedeutet das so viel wie "Vereinigung der Freiluftzentren". Seit 1965 kann man bei dieser französischen Organisation so ziemlich alle Outdoor-Sportarten lernen. Langlauf in Serre Chevalier hat bei den meisten aus der Gruppe praktische Gründe. Als Radler, Läufer oder Triathleten suchen sie nach einer Möglichkeit, auch im Winter Ausdauer zu trainieren, andere haben das eintönige Rechts-Links des klassischen Skilanglaufs satt. "Der Skating-Stil sieht einfach besser aus", findet Thierry, der sonst auf Inlinern durch Paris kurvt. "Beim Skaten habt ihr drei Geschwindigkeiten. Erster Gang, zweiter Gang und zweiter Gang mit Beschleunigung." Auf den ersten Blick sieht die Skatingtechnik einfach aus: gleiten rechts, absetzen, Gewicht verlagern, gleiten links, alles irgendwie schon mal gemacht. Doch um so elegant über die Loipe zu fliegen wie die Profis im Fernsehen, braucht es die Stöcke, und genau da beginnt das Problem: Je nach Geschwindigkeit und Gelände ändert sich der Rhythmus des Stockeinsatzes, und wer anfängt, über seine Arme nachzudenken, stolpert schnell beim nächsten Schritt über die eigenen Füße.

Fernseher auf dem Zimmer ist tabu

Die Region um Briançon liegt kurz vor der italienischen Grenze. Bevor die Alpen weiter südlich vom Vorland geplättet werden, zeigen sie sich hier noch einmal in ihrer ganzen Schönheit. Doch weil die Berge ewig stehen und Yves nur sechs Tage Zeit hat, einer Gruppe von mittelmäßig begabten Schülern die Skatingtechnik beizubringen, gilt die Aufmerksamkeit jetzt wieder seinen Instruktionen. Zumindest so lange, bis es Zeit fürs Mittagessen ist. Für gewöhnlich kosten Pommes auf einer Berghütte fast so viel wie ein Menü beim Italiener um die Ecke. Weil aber UCPA Hütten am Rand der Pisten gebaut hat, geht der Einkehrschwung am Mittag direkt in den hauseigenen Skikeller und von dort ans Büfett. Die Auswahl von Suppe, Entrée, Hauptgang, Käseplatte und Dessert variiert jeden Tag. Alles ist im Preis drin, nur der Kaffee an der Bar kostet extra. Nach dem Skikurs gibt es Tee und Kekse. Früher kamen fast ausschließlich französische Sportler zu UCPA. Seit das Publikum internationaler geworden ist, hat die Küche den Menüplan angepasst. "Für die Gäste aus Skandinavien ist immer ein Fischgericht dabei", sagt Chefkoch Christian, außerdem soll demnächst zum Frühstück neben französischem Baguette auch dunkles Brot gereicht werden.

Als die Organisation gegründet wurde, herrschten in den Zentren fast militärische Zustände. Niedere Küchenarbeit wurde von den Teilnehmern erledigt. Wer das Skifahren lernen wollte, musste eine Woche lang die Berge hochkraxeln und sein Gepäck selbst zur Hütte schaffen. Der 60-jährige Valdo im Büro Serre Chevalier arbeitet seit 25 Jahren bei UCPA. Erst als Skilehrer in Chamonix, später als Chef des Hauses in Serre Chevalier. Mit Nachtskirennen kann man heute keinen mehr auf die Piste locken, weiß er: "Die Leute sind gemütlicher geworden." Also hat er fürs Après-Ski einen beheizten Pool im Schnee bauen lassen und organisiert bunte Abende. Fernseher auf dem Zimmer sind aber bis heute tabu. Die Vier- und Sechsbetträume werden in der Reihenfolge der Anreise belegt, und so kann es passieren, dass sich Menschen Zimmer und Bad teilen, die sich vorher noch nie begegnet sind - wie zum Beispiel in Zimmer 226. Sabrina, Nicolas, Manuel, Céline und Cécile sind allein in die Ferien gereist, weil Freunde keine Zeit hatten. Bereits nach zwei Tagen ist der Umgangston untereinander sehr vertraut. "Nicolas, du hast letzte Nacht entsetzlich geschnarcht. Ich hab kein Auge zugetan", schimpft Sabrina. "Oh, tut mir leid", sagt Nicolas. "Ich hab ganz vergessen, euch vorzuwarnen." Er kramt vier kleine, bunte Pakete hervor - "Ohrstöpsel für alle, ein Geschenk des Hauses", sagt er und grinst.

"Ihr müsst eurem inneren Rhythmus folgen"

Für den nächsten Tag hat Yves einen Ausflug mit Picknick im Schnee geplant. Laurent, der Radrennfahrer, ist begeistert. Anne nickt eher unsicher, und Thierry zweifelt, ob er dafür seine Ski richtig gewachst hat. Jeder packt sich am Büfett im Speisesaal einen Mittagssnack in den Rucksack - und los geht es. Die Strecke soll mit möglichst wenigen Bewegungen gemeistert werden. "Ihr müsst eurem inneren Rhythmus folgen", sagt Yves. Die Sonne strahlt, der Neuschnee ist frisch gewalzt. Anne, Thierry und die anderen sind die Ersten, die durch das Gelände streifen. Nach drei Tagen Training haben sich die Bewegungen schon ein wenig automatisiert. Nur von Muskelkraft angetrieben, gleiten die Schüler durch die Landschaft. Klassische Langläufer werden von links überholt, und als Yves nach knapp drei Stunden auf dem Hochplateau zur Mittagspause stoppt, ist das Sandwich verdient. "Gutes Essen ist wichtig", sagt Yves und zieht eine Flasche Rotwein aus dem Rucksack. "Damit ihr nachher noch besser auf den Skiern tanzen könnt."

Viel Sport für wenig Geld

Ob Skilaufen oder Reiten - bei der französischen Organisation UCPA sind sportliche Aktivitäten bezahlbar

Internet: www.ucpa.com

Auf der Startseite kann man die Sportart, die man im Urlaub lernen möchte, in eine Suchmaske eingeben, dazu die gewünschten Reisedaten. Das System spuckt umgehend aus, wo sich das Vorhaben am besten realisieren lässt. Anfänger und Fortgeschrittene werden vor Ort eingeteilt.

Wer darf mit?

Das Angebot richtet sich an alle sportlich Interessierten zwischen 18 und 39 Jahren.

Anreise

Für das Zentrum in Serre Chevalier liegt der Flughafen von Turin am günstigsten, etwa 120 Kilometer entfernt. Andere Wintersportzentren sind leichter über den Flughafen Grenoble, Lyon oder Chambéry zu erreichen. Auf den Internetseiten von UCPA sind für jedes Zentrum auch die nächstgelegenen Bahnhöfe sowie ein Routenplan für die Anreise mit dem Auto angezeigt.

Kosten

UCPA will keinen Profit machen. Eine Woche kostet inklusive Unterbringung, Leihski, Kurs, Liftpass und Vollpension rund 500 Euro. Unterbringung: Vier- bis Sechsbettzimmer. Gegen geringen Aufpreis haben die meisten Zentren auch Zweibettzimmer. Verpflegung: Vollpension mit Büfett

Wie und wo?

Allein in Frankreich gibt es 90 Sportzentren, in denen man nahezu jede Outdoor-Sportart vom Skilanglauf übers Rafting bis zum Fallschirmspringen erlernen kann. Im Winter sind die geführten Skitouren und die Tiefschneekurse seit Jahren ein guter Tipp. Außerhalb von Europa bietet UCPA auf den französischen Antillen und in Nordafrika auch Wassersportkurse an.

Tipps

Wer nahe der französischen oder belgischen Grenze wohnt, kann für etwa 130 Euro gleich einen Bus- Transfer mitbuchen. Wer Französisch spricht, ist bei UCPA im Vorteil. Zu bestimmten Zeiten werden die Kurse auch in englischer Sprache angeboten. Für internationale Angebote auf der Startseite den "Englisch"-Button anklicken.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(