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Griechenland Tierschützer retten Straßenhunde und sammeln 250.000 Euro in vier Tagen

Links ein Bild der Helfer, rechts Malte Zierden mit Hund
Zum Bau eines Tierheims konnte das Team in vier Tagen 250.000 Euro Spenden sammeln
© Screenshot Instagram/maltezierden
Ein Team von ehrenamtlichen Helfern reiste nach Griechenland, um über die desolate Situation der dort lebenden Straßenhunde zu berichten. Ein deutscher Tierschutzverein braucht dringend Unterstützung.

"Schon 20 Minuten, nachdem ich im Tierheim in Griechenland angekommen war, hatte ich einen blutenden Hund auf dem Arm", erzählt Malte Zierden im Gespräch mit dem stern. Der Niedersachse, der im vergangenen Jahr durch seine, wie er es nennt, "schonungslose Dokumentation einer Gaumenspaltung" zur Instagram-Berühmtheit wurde, war mit vier weiteren Personen nach Griechenland geflogen. Ziel war, in Zentralmakedonien den deutschen Verein Hundegarten Serres zu unterstützen. Auf die Idee hatte Zierden seine Begleitung gebracht: Vanessa Tamkan, 2019 als GNTM-Abbrecherin durch die Presse gegangen, hatte ihn gefragt, ob er dabei sein wolle. Sie und ihr Mann sowie Jessica Schröder, die "Bachelor"-Fans als ehemalige Kandidatin kennen, und Gatte wollten helfen. In Griechenland erwarteten das Gespann weitere Unterstützer.

Ein "Promi" zu sein und schon ein paar Fans in den sozialen Medien zu haben, ist keine schlechte Voraussetzung, wenn man etwas Gutes tun will. Die fünf möchten den Hundegarten Serres dabei unterstützen, auf griechischem Boden ein Tierheim nach deutschen Standards zu bauen. Da hilft es, wenn man gemeinsam mehrere hunderttausend Follower auf Instagram hat, denen man über die grausame Situation vor Ort berichten kann. Acht Tage lang war das Team unterwegs: Kaum war ein Tier von der Straße geholt, ging es weiter zum nächsten herrenlosen Vierbeiner. Gemeinsam mit den anderen kümmerten sich die fünf bis tief in die Nacht um verletzte Hunde und protokollierten ihre Arbeit mit Bildern und Videos auf Instagram. Sie wollten nicht nur durch ihre aktive Mitarbeit helfen, sondern auch medienwirksam, denn um die Situation der Tiere vor Ort zu verbessern, braucht der Verein Geld.  

"Hunde sind nichts wert"

"Straßenhunde haben in Griechenland keinen Stellenwert. Das haben wir an den Reaktionen der Menschen gemerkt", sagt Zierden. Der derbe Umgang mit den Tieren zeigte sich etwa in Situationen wie dieser: "Ein Mann brachte uns einen Hund, hielt ihn an einem Hinterbein vor unsere Nase und zog ihn immer wieder zurück. Als wir ihn entgegennehmen wollten, ließ er das Tier einfach fallen. Das war pure Provokation. Der Hund war anschließend so traumatisiert, dass es nun schwierig ist, sich ihm zu nähern. So etwas erschwert die Vermittlung eines Tieres." 

Denn ein Zuhause für die wild lebenden Hunde zu finden, ist eines der Hauptanliegen des Hundegarten Serres. Viele Griechen seien dort der Überzeugung, so Zierden, dass sich die Deutschen an ihren Problemen bereichern wollten: indem sie die Straßenhunde retten, gesund pflegen und gegen Geld in deutsche Familien vermitteln. "Ich weiß nicht, wieso sie das denken, aber dadurch werden den Helfern viele Steine in den Weg gelegt", bedauert Zierden. 

500 bis 600 Hunde in einem Tierheim

Die Anzahl an Streunern schwankt in Griechenland jährlich, doch es sind Millionen. Kastrationen, wie der Verein sie durchführt, um die Fortpflanzung der Hunde zu verringern, werden selten vorgenommen, da sie privat bezahlt werden müssen. "Von der Politik gibt es da leider wenig Unterstützung. Es werden zwar Tierheime gebaut, aber dort werden 500 bis 600 Hunde zusammen eingesperrt. "In den Heimen herrschen katastrophale Zustände, überall lag Hundekot, alles war verdreckt, dort leben Ratten", berichtet Zierden.

Nur wenige Zäune und Abgrenzungen trennen die Tiere voneinander, sodass mehrere Rudel auf einer Fläche zusammenleben. "Klar, dass die Hunde sich nicht immer wohlgesonnen sind." Zierden berichtet von Teßi, einer Hündin, die er gleich zu Beginn seines Aufenthaltes gefunden hatte: Hunde eines anderen Rudels hatten sie angegriffen und ihr am Rücken eine schwere Verletzung zugefügt. "Für die Menschen dort ist das leider Alltag. Sie können nicht verstehen, dass wir Deutschen bei so etwas panisch reagieren."  

250.000 Euro Spenden in vier Tagen

Durch ihre Berichterstattung auf Instagram konnte das Team in vier Tagen 250.000 Euro Spenden sammeln. "Ich hätte nie gedacht, dass wir das so schnell schaffen!", sagt Zierden, den begeistert, welch starken Zusammenhalt das Team in der kurzen Zeit entwickelte. "Aber es geht ja noch weiter. Wenn das Tierheim fertig gebaut ist, fallen laufende Kosten an. Vor Ort gibt es ebenfalls noch viel zu tun. Wir wollen die Menschen aufklären und uns darum kümmern, dass Straßenhunde kostenlos kastriert werden. Und natürlich wollen wir für die herrenlosen Streuner ein neues Zuhause finden."

Am Ende der Reise konnten 13 Hunde nach Deutschland vermittelt werden. In Transportboxen reisten sie im Bauch des Reisefliegers an. "Zu sehen, wie die geretteten Tiere in Deutschland an ihre zukünftigen Familien übergeben wurden, war ein schönes Erlebnis", schwärmt Zierden. 

Der Hundegarten Serres e.V. freut sich über Spenden, auf Betterplace.org wurde eine Seite dafür eingerichtet.


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