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Böser Verdacht in Erfurt Anti-Dopingagentur prüft weitere Fälle


Insgesamt sollen sich 30 Sportler beim Erfurter Sportarzt Andreas Franke der unzulässigen UV-Bestrahlung ihres Blutes unterzogen haben. Es fallen die Namen bekannter Sportler: Eisschnellläuferin Claudia Pechstein, 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann. Die Nationale Anti-Doping-Agentur prüft nun neue Fälle.

Die Blutdoping-Affäre um den Erfurter Sportmediziner Andreas Franke nimmt immer größere Dimensionen an. Wie die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) am Montag mitteilte, wird in 28 weiteren Fällen die Einleitung sportgerichtlicher Verfahren geprüft. Gegen eine Eisschnellläuferin und einen Radsportler laufen bereits Verfahren vor der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS). "Selbstverständlich prüfen wir mit aller Gewissenhaftigkeit in jedem einzelnen Fall die mögliche Anwendung verbotener Methoden, ganz gleich, ob es sich dabei um Olympiasieger oder Nachwuchssportler handelt", erklärte die Nada-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann.

Sportarzt Franke soll in seinen Praxisräumen das Blut von Athleten einer UV-Behandlung unterzogen haben. Unter den Sportlern aus dem Eisschnelllauf, Radsport und der Leichtathletik sollen auch Topathleten gewesen sein, berichtete die ARD am Sonntag. Die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt seit Frühjahr 2011 gegen den Mediziner wegen des Verdachts, zu Dopingzwecken gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen zu haben. Nach dem Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ist Athleten jede Manipulation oder Transfusion ihres Blutes verboten. Franke selbst behauptet, seine Methode sei als präventive Infektbehandlung zulässig.

Olympiasieger Schumann in Verdacht

Zu den Sportlern, die in Verdacht geraten sind, gehören laut ARD-Informationen neben der Eisschnellläuferin Claudia Pechstein auch der 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann. Der 33-Jährige distanzierte sich generell von allen verbotenen Behandlungsmethoden. Zu dem Bericht der ARD-Sportschau wollte der Erfurter nicht direkt Stellung nehmen. "Ich halte das Ganze für Humbug."

"Wenn sich Jahre nach meiner Sportlerkarriere irgendwelche Dopingstatuten verändern, dann kann und will ich das aus heutiger Sicht nicht weiter bewerten. Ich selbst habe niemals verbotene oder auch fragwürdige Behandlungsmethoden genossen und distanziere mich davon ausdrücklich", erklärte der Thüringer Leichtathlet, der 2000 in Sydney überraschend Gold über 800 Meter gewonnen hatte.

Er habe Dr. Franke, der früher am Erfurter Olympiastützpunkt tätig war, "stets als integren Sportarzt erlebt, den ich persönlich niemals in Zusammenhang mit Doping gebracht habe".

Nada will weitere Verfahren anstoßen

Die Nada hat inzwischen weitere Akteneinsicht im Fall Franke - er war von 2006 bis 2011 Vertragsarzt am Olympiastützpunkt (OSP) Erfurt - von der Staatsanwaltschaft Erfurt erhalten. Damit ist für die Bonner Agentur die Voraussetzung geschaffen, um auf sportgerichtlicher Ebene weitere Verfahren wegen des Verdachts von Verstößen gegen die Anti-Doping-Bestimmungen auf den Weg zu bringen. "Wir erhoffen uns aus den neuen Unterlagen weitere Anhaltspunkte, um entscheiden zu können, bei welchen Sportlern wir weiter vorgehen", sagte Andrea Gotzmann.

Vorwürfe, seit Jahren von den mutmaßlichen Verstößen in Erfurt gewusst und nichts unternommen zu haben, weist die Nada zurück. Seit Aufnahme der behördlichen Ermittlungen Ende November 2009 arbeite die Nada kontinuierlich mit den staatlichen Behörden zusammen, heißt es in der Nada-Mitteilung. Seit der Hausdurchsuchung in der Praxis des Arztes im April 2011 "treibt die Nada die Aufklärung möglicher Dopingverstöße in diesem Zusammenhang so intensiv und schnell voran, wie es ihr juristisch möglich ist".

Unterdessen hat die SPD-Politikerin Dagmar Freitag den Entzug der Approbation für Mediziner bei der Beihilfe zum Doping gefordert. "Das wäre ein scharfes Schwert, wenn einem Arzt dafür die berufliche Grundlage entzogen würde", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Außerdem kündigte sie an, die Doping-Affäre am Erfurter Olympiastützpunkt am 21. März auf die Tagesordnung des Sportausschusses in Berlin zu setzen. "Das Thema wird eine große Rolle spielen", sagte Freitag.

Andreas Schirmer, DPA DPA

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