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Formel-1-Comeback von Michael Schumacher?: Rasend vor Ehrgeiz

Michael Schumacher denkt über einen Wiedereinstieg in die Formel 1 nach. Der Rennzirkus lechzt nach einem Schumi-Comeback im neuen Mercedes-Team. Aber täte sich Schumacher mit einer Rückkehr auf die Piste auch selbst einen Gefallen?

Von Elmar Brümmer

Auszuschließen ist nichts mehr. Das ist der offizielle Sprachgebrauch im Hause Schumacher, seit das Comeback im letzten Jahr angestrebt war und dann aus medizinischen Gründen in Raten wieder abgesagt wurde. Auszuschließen ist deshalb auch die Rückkehr des Rekordweltmeisters in den neuen Mercedes-Werksrennstall nicht. Sie ist sogar anzunehmen, wenn es sich nicht um eine große PR-Blase handeln sollte.

Das hatten die Berufsunker auch im Sommer angenommen, als sich Schumacher spontan als Ersatz für Ferrari-Pilot Felipe Massa angedient hatte. Was er wirklich wollte, war auf der Pressekonferenz in Genf nicht an seinen Worten, sondern an seinen Mundwinkeln abzulesen, und die Gesichtsfarbe hatte zeitweise die seines weißen Hemdes angenommen. Etwas hinzuwerfen, bevor er überhaupt angekommen ist, das ist nicht Schumacher. Selbst wenn die Rückkehr aus der Not geboren war, er wollte eins: das perfekte Comeback.

Das hat sich als fixe Idee festgesetzt, so nah wie jetzt war er damals nicht an einer dauerhaften Formel-1-Beziehung. Der frustrierte Renn-Frührentner hat sie weiter verfolgt, so wie die Ärzte die Genesung der Wirbel. Das Motiv Dankbarkeit, dass ihn im August fast wieder ins Ferrari-Cockpit gebracht hätte, spielt auch jetzt eine Rolle: Norbert Haug und Mercedes waren einst die Wegbereiter für seine Karriere, dass sie mit Ross Brawn jetzt auch den wichtigsten Vertrauensmann an der Rennstrecke ins Silberkleid stecken konnten – was soll gegen eine Wiedervereinigung sprechen? Vielleicht nur die entscheidende Frage, die er sich selbst stellen muss: Der Rennnation, der Formel 1 überhaupt, tut er mit einem Comeback einen Gefallen - aber sich selbst?

Gehaltsvorstellungen spielen untergeordnete Rolle


Abgesehen von anderen zu klärenden Details sind die Gehaltsvorstellungen - bis hin zu den kolportierten sieben Millionen Euro (für jeden bisherigen Titel eine?) für den Ein-Jahresvertrag - nicht unbedingt eine entscheidende Frage. Schumacher weiß, was er wert ist, aber er fährt längst nicht mehr um des schnöden Mammons wegen. Der sportliche Ehrgeiz, das ist seine eigentliche Eitelkeit. Zu besichtigen gerade erst wieder beim Winter-Kartpokal in seiner Heimatgemeinde Kerpen. Er kann es nicht lassen, und er braucht den Wettbewerb. Den richtigen. Den hätte er bei Mercedes: Inklusive des Ausscheidungsfahrens mit der nächsten Generation, schon intern gegen Nico Rosberg. Traum oder Alptraum?

Schumacher reicht es nicht, zu ahnen oder zu spüren, dass er fit genug für die Herausforderung ist. Er braucht den Beweis, aber den gibt es nur auf der Piste. Sollte sich ein altes Rennauto finden, mit dem er schon vorab in den nächsten Wochen mal eine Probefahrt machen kann, dann haben die Arbeitsmediziner ihren Beweis. Der rasende Härtetest geht dann in 19 Läufen um die Welt: Es ist das Risiko der zweiten sportlichen Traumehe seines Lebens - Mercedes und er müssen gewinnen, sonst stehen sie blamiert da. Aber die Idee ist wohl zu reizvoll. Rennfahrer leben am Limit, und genau das ist es, was ihm mit fast 41 Jahren im Leben offensichtlich gerade fehlt.

Wären die Nebenerscheinungen - Sponsorentermine, Pressekonferenzen, Starrummel - nicht, dann wäre Auto-Deutschland bereits reicher um dieses Weihnachtsgeschenk. Aber die Begleitgeräusche einer Formel-1-Karriere waren es, die ihn schon vor drei Jahren müde gemacht hatten. Diesmal ist es nicht nur der Druck, ein Team zu retten, diesmal soll er Heilsbringer einer wirtschaftlich kriselnden Sportart sein. Für den PS-Artisten selbst ist es ein Drahtseilakt - der zwischen Clown oder Held. Er kann es sich beweisen. Er will es wohl. Vielleicht muss er auch.

Bleibt nur eine Frage noch: Mit was fährt er selbst besser? Die Antwort liegt irgendwo da draußen.

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