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FORMEL 1: Kampf um den zweiten Platz

Coulthard, Barrichello und Ralf Schumacher. Alle drei sind heiß auf die Vizeweltmeisterschaft.

Im Schatten des Weltmeisters ist der Kampf um Platz zwei entbrannt, doch Michael Schumacher kann auch im Rennen um die »Vize-Meisterschaft« als prominenter Hilfsarbeiter eine entscheidende Rolle spielen. Drei Kandidaten streiten um den Rang hinter dem Champion. David Coulthard will sich für die verlorene WM ein bisschen entschädigen. Ferrari möchte das rote Glück mit Rubens Barrichello perfekt machen. Und Ralf Schumacher will ganz ohne die Hilfe seines Bruders beim Großen Preis von Belgien glänzen. »Die WM ist für den Weltmeister gelaufen, aber nicht für uns«, sagte BMW-Sportdirektor Gerhard Berger Ferrari und McLaren-Mercedes noch einmal den Kampf an.

Ganz verwunden scheint McLaren-Chef Ron Dennis die erneute Titel- Niederlage noch nicht zu haben. Die »Gazzetta dello Sport« zitierte den Briten am Donnerstag mit erneuten Sticheleien: »Ich hoffe, Ferrari genießt den Sieg, der über jeden Verdacht erhaben ist. Auch wenn ein gewisser Zweifel bleibt, vor allem über die Traktions- Kontrolle in den ersten Rennen.«

Für Coulthard und das Silberpfeil-Team ist die restliche Saison trotz der vorzeitigen WM-Entscheidung mehr als Schaulaufen. Nach dem Frust sollen Erfolge im Endspurt Image und Selbstbewusstsein wieder aufmöbeln. »Mein Ziel besteht darin, die vier letzten Rennen zu gewinnen und mich in eine gute Position für 2002 zu bringen«, kündigte der Schotte vor dem 14. Grand Prix (Sonntag, 14.00 Uhr/live in RTL und Premiere World) an. Nur sieben Punkte trennen Coulthard (51), Barrichello (46) und »Schumi II« (44), Spa-Vorjahressieger Mika Häkkinen liegt als Fünfter mit 21 Zählern schon weit zurück.

»Wir werden aus unseren Fehlern lernen«, meinte Dennis. Auch Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug gab sich kämpferisch: »Wir wollen gewinnen.« Wahrscheinlich fällt eine andere Entscheidung schon vor dem Rennen: Allgemein wird erwartet, dass McLaren-Mercedes endlich die Fahrerkombination für 2002 bekannt gibt und dabei weiter auf das bewährte Duo Coulthard und Mika Häkkinen setzt.

Ferrari und Michael Schumacher setzen erstmals auf Barrichello. Der Kerpener hat bereits angekündigt, dass er - wenn nötig - nicht seinem Bruder Ralf (»So gern ich ihn auch habe«), sondern dem Brasilianer Schützenhilfe leisten wolle. Allerdings: Verzichtet er tatsächlich auf einen Rekord-Sieg? Sollte der Weltmeister in Spa gewinnen, wäre er mit 52 Erfolgen in der ewigen Rangliste der Sieger der alleinige Spitzenreiter. Haug glaubt nicht an einen freiwilligen Verzicht des Superstars. »Michael würde nie im Leben einen Sieg abgeben, warum sollte er?« Hingegen ist Berger von einer deutsch-brasilianischen Kooperation überzeugt: »Ferrari und Michael werden alle Tricks anwenden, um Rubens auf Platz zwei zu bringen.«

Abgesehen von einem guten Saisonabschluss haben die Top-Teams schon die WM 2002 im Visier. Wegen des Test-Verbots von Mitte Oktober bis Jahresende nutzen Ferrari, McLaren-Mercedes und Williams-BMW die restlichen Rennen, um bereits Elemente für die nächstjährigen Autos zu testen. »Für dieses Jahr ist alles fertig, für Spa haben wir ein neues Aerodynamik-Paket«, sagte Ferrari-Technikchef Ross Brawn und verriet, dass die »Scuderia« seit acht Wochen verstärkt Kapazitäten für das kommende Auto abstellt. Dennis meinte, man bereite sich seit vielen Monaten auf 2002 vor. Williams bringt ein modifiziertes Auto nach Spa. Ralf Schumachers Team hofft, damit auftrumpfen zu können. Berger: Die vier Strecken, die jetzt kommen, liegen uns.

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