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Großer Preis von Europa: Ein Sieger und seine rasende Stellenanzeige

Comeback eines Formel-1-Veteranen: Rubens Barrichello hat die Hafenrunfdfahrt in Valencia gewonnen - und liegt nur noch 18 Punkte hinter seinem Brawn-Teamkollegen Jenson Button in der WM-Wertung. Dem Titelrennen tut das gut.

Von Elmar Brümmer, Valencia

Es gibt auch noch Formel-1-Comebacks von Veteranen, die gut ausgehen können. So wie in Valencia hat man Rubens Barrichello das letzte Mal erlebt, als er ganz in Rot steckte und noch Ferrari-Beifahrer bei Michael Schumacher war. Knapp fünf Jahre ist das her. Mit dem glücklichen Sieg beim Großen Preis von Europa hat der Brasilianer seinem ewigen Trauma namens "Schumi" etwas voraus. Der Rekordweltmeister gratulierte dem Brawn-Piloten vom Ferrari-Kommandostand aus: "Ich freue mich für Rubens und für Ross. Sie zeigen, dass sie weiterhin spitze sind." Und das es auch bei einer Rennprozession ungeahnte Überraschungsmomente gibt. Dem Titelrennen kann das nur gut tun.

Plötzlich drehen sich auch die teaminternen Präferenzen beim britischen Überraschungsteam. Teamkollege Jenson Button, der WM-Spitzenreiter, konnte nur zwei Pünktchen einheimsen. Jetzt ist Barrichello nur noch 18 Zähler hinter dem Briten, das wird noch ziemlich spaßig mit den beiden. Jedenfalls für alle Außenstehenden. Intern werden sich die Verhältnisse zuspitzen, Barrichello hat das Zeug dazu. Nach 282 Großen Preisen wittert er mit seinem erst zehnten Sieg, dem 100. Erfolg eines Brasilianers in der Formel 1, Morgenluft. Eigentlich war er ja schon vor dieser Saison aussortiert. "Heute habe ich gezeigt, dass das eine falsche Annahme war", sagt der 37-Jährige, der von den etatmäßigen Piloten der Älteste in der Branche ist, "ich hoffe, dass ich jetzt noch viel mehr Rennen gewinnen kann."

Wenigstens verfiel er dank des Erfolges bei der Hafenrundfahrt an der Costa Blanca nicht gleich wieder in seinen üblichen Jammer-Modus. Der Erfolg war für ihn wichtig, weil er damit die jüngere Vergangenheit - von seinem Auto war die Aufhängungsfeder weggesprungen, die Landsmann Felipe Massa ausknockte - bewältigt hat, und auch wieder eine Zukunft sieht: "Ich will weitermachen, und bin offen für Angebote. Ich spreche mit jedem." Ein Sieger und seine rasende Stellenanzeige.

Auf dem Podium hatte er noch den Hampelmann gegeben, lebte alle aufgestauten Emotionen aus, inklusive seinem ewigen Gefühl der Benachteiligung: "Dieses Wochenende werde ich nie vergessen, denn davor lagen fünf so harte Jahre." Teamchef Ross Brawn lobte seinen Schützling, mit der er zuletzt öfter mal über Kreuz lag, auch: "Jenson hatte auch ein schnelles Auto, aber Rubens hat es besser verstanden als Jenson." Button fiel gleich am Start zurück, Barrichello hielt sich auf Rang drei. Der zweite Sieg für den noch amtierenden Weltmeister Lewis Hamilton schien über weite Strecken sicher. Bis zum zweiten Boxenstopp, als die Crew von McLaren-Mercedes das rechte Vorderrad nicht rechtzeitig aus der Heizdecke bekam. Hamilton blieb nur der zweite Rang.

Der zweite große Rivale, der die Segel streichen musste, war der deutsche WM-Rivale Sebastian Vettel. Auch den traf das technische Pech: Erst floss beim ersten Boxenstopp kein Sprit in den Red Bull, weshalb er nochmal an die Tankstelle musste, dann verabschiedete sich in der 24. Runde rauchend der Renault-Motor - zum zweiten Mal an diesem Wochenende. Sechs von acht Motoren, die jedem Fahrer für das Jahr zustehen, hat der Heppenheimer in elf von 17 Rennen schon verbraucht, für den Mehrverbrauch drohen Rückversetzungen. Der Frust ist groß, mit dem Titelgewinn wird es wohl nichts mehr - 25 Punkte beträgt der Rückstand des WM-Vierten auf Button. "Das darf nicht passieren, aber da kann man nichts machen. Jetzt muss man abwarten, wie es weitergeht", sagt der 22-Jährige desillusioniert, "die WM wird schwieriger." Beobachter und Freund Michael Schumacher korrigiert leicht: "Schwer."

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