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Formel-1-Neuling Nico Hülkenberg: "Weltmeister, das ist das endgültige Ziel"

Den Aufstieg in die Formel 1 hat er nach dem Gewinn des GP2-Titels planmäßig geschafft, doch nur Dabeisein zählt für Nico Hülkenberg nicht. "Ich komme nicht in die Formel 1, um Zehnter zu werden", sagt der 22 Jahre alte Williams-Pilot im Interview.

Als Willi Weber vor ein paar Jahren zu Ihnen kam und mit Ihnen arbeiten wollte, hatten Sie da geglaubt, dass Sie es wirklich bis in die Formel 1 schaffen?
Das war Ende 2006. Da war es noch ziemlich weit weg und alles noch ein bisschen schwammig. 2006 war ein schwieriges Jahr in der Formel 3, und Willi war damals so ein bisschen die Rettung. Ich hatte immer die Hoffnung und den Glauben an mich, dass ich es schaffen kann.

War es für Sie eine Ehre, dass ein Manager wie Willi Weber, der Michael und Ralf Schumacher in die Formel 1 gebracht hat und eigentlich schon auf dem "Altenteil" war, gesagt hat: Für diesen Jungen mache ich es noch einmal?"
Das war schon eine kleine Ehre und für mich super.

Willi Weber hat einmal gesagt, Nico erinnert mich in vielen Dingen an Michael Schumacher, in der Art zu arbeiten, mit seinem Ehrgeiz, mit der Einstellung, sich lange mit dem Team und dem Auto zu beschäftigen. Das hätte ihm imponiert. Waren Sie schon immer jemand, der alles hinterfragt hat und alles wissen wollte?
Ich war schon immer an der Technik interessiert. Auf der einen Seite, weil man wissen sollte, mit seinem Arbeitsgerät umzugehen, und auch die Zusammenhänge verstehen sollte. Zum Beispiel was sich verändert, wenn man an einer Schraube dreht. Auf der anderen Seite, weil es mich persönlich interessiert und ich Spaß daran habe, auch mitreden zu können, wenn die Ingenieure in den Briefings diskutieren.

Das war sicher auch einer der Gründe, dass Sie bei Williams auch schon auf eigenen Wunsch in verschiedenen Abteilungen der Fabrik mitgearbeitet haben. Gibt es irgendein Teil am Auto, das Sie auch alleine bauen könnten?
Ich habe schon Karbonteile gebaut, auch wenn es nur kleine waren, die nicht ganz so wichtig sind.

Wenn man weiß, wie viel Arbeit der Mechaniker in solchen Teilen steckt, geht man dann vielleicht umso vorsichtiger mit dem Auto um?
Wenn man fährt, denkt man nicht an solche Sachen. Aber man muss natürlich immer mit einer gewissen Verantwortung mit dem Auto umgehen. Aber wenn es an die Rennen geht, dann denkt man ans racen.

Sie wohnen seit einiger Zeit schon in England, in Oxford. Haben Sie sich schon an die Mentalität der Leute dort gewöhnt?
Ich komme mit den Engländern gut klar und fühle mich dort auch sehr wohl. Ich bin aber nach wie vor auch zu Hause in Emmerich.

Aber jetzt 19 Mal im Jahr aus Oxford zu Rennen wegfliegen zu dürfen, ist schon Ihr Traum gewesen...
Ich habe von der Formel 1 geträumt. Nicht davon, aus Oxford wegzufliegen, sondern Formel-1-Rennfahrer zu sein, ins Auto zu steigen und loszufahren, von den Rennen, der Arbeit im Team, davon, zu versuchen, das Team besser zu machen, mich besser zu machen. Auf diese ganzen Sachen freue ich mich riesig.

Was zeichnet den Rennfahrer Nico Hülkenberg aus?
Leidenschaft!

Freuen Sie sich auf Duelle mit Michael Schumacher?
Wenn es die gibt, auf jeden Fall. Duelle mit ihm sind dann schon ein bisschen spezieller als mit anderen Fahrern.

Man sieht Schumacher dann sicher jetzt auch mit anderen Augen, oder? Als Konkurrenten, und man schaut, wo er vielleicht Schwächen hat...
Ich habe ihn schon vorher kennen gelernt. Im letzten Jahr vor seinem damals geplanten Comeback. Und ich habe ihn dann auch getroffen, als das abgesagt worden war. Ich kenne ihn auf privater Ebene. Das ist schon ein bisschen andere Situation als jetzt, wo man denkt: Hey, der fährt gegen mich.

Wie ist Ihr Kontakt zu den anderen deutschen Fahrern?
Ich komme mit allen gut klar, aber ich habe auch mit ihnen nicht wirklich viel zu tun. Derjeninge, den ich am besten kenne und mit dem ich auch gut klarkomme, ist Timo Glock.

Wie sehen Sie Ihren Teamkollegen Rubens Barrichello? Auch zuerst als Konkurrent? Oder ist er eher ein Partner, mit dem Sie zusammenarbeiten wollen?
Beides. Klar ist er ein Konkurrent, aber er ist auch mein Teamkollege. Wir sollten gut zusammenarbeiten, um das Auto und das Team voranzubringen. Das ist in unser beider Interesse. Aber am Ende des Tages will er mich schlagen und ich ihn schlagen.

Gibt es etwas, was Sie von ihm vielleicht lernen können?
Ich denke, ich kann eine Menge von ihm lernen. Er hat sehr viel Erfahrung und ist ein guter Rennfahrer. Ein Teamkollege ist an einem Rennwochenende für einen immer ein bisschen durchsichtig. Man sieht die Daten, sieht, wie er arbeitet, was er macht, hört, was er sagt. Klar sind da Sachen dabei, von denen ich denke, dass ich sie auch für mich gebrauchen kann.

Sie waren bei Williams auch schon Testfahrer. Aber ist es etwas anderes, jetzt Stammpilot zu sein?
Klar ist es schon anders, als Rennfahrer an der Strecke zu sein und in der Fabrik rumzulaufen als als Testfahrer. Die Leute gucken einen auch anders an. Aber ich fühle mich wohl im Team und auf jeden Fall schon richtig angekommen.

Durch den Aufstieg in die Formel 1 ist das Interesse der Medien noch mal gewachsen. Gibt es irgendetwas, wie Sie sich darauf einstellen? Oder kommt mal ein Punkt, an dem Sie sagen, hier muss ich mal ein bisschen mehr Zeit für mich haben?
Der wird vielleicht kommen. Aber bis jetzt ist noch alles okay.

Gibt es etwas, worauf Sie sich in diesem Jahr ganz besonders freuen?
Auf die Rennen, auf spezielle Rennen: Hockenheim, Singapur, Japan, Spa, richtig schöne Rennstrecken, wo das Fahren noch richtig viel Spaß macht.

Was nimmt man sich für seine erste Formel-1-Saison vor?
Sich zu etablieren, gute Ergebnisse zu holen, konstant zu fahren.

Und dann auch, in die Punkte zu fahren...
Ich komme nicht in die Formel 1, um Zehnter zu werden. Aber man muss immer auch gucken, wie gut ist mein Auto, was kann ich damit machen. Natürlich will ich auch gewinnen, aber das muss man mal abwarten.

Sie haben bisher in jeder Serie, in der Sie angetreten sind, auch gewonnen. Ist das auch das Fernziel in der Formel 1: Weltmeister?
Auf jeden Fall. Weltmeister, das ist das endgültige Ziel. Ich habe allerdings keinen Zeitplan und sage, in drei, vier Jahren muss es soweit sein.

Thomas Straka/SID / SID

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