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Formel 1: Der böse Bube Schumacher

Die Buhmänner vom Hungaroring: Sebastian Vettel und vor allem Michael Schumacher gehen als klare Verlierer aus dem Ungarn-Grand-Prix hervor. Vettel steht wegen seines Anfängerfehlers in der Kritik, Schumacher steht moralisch am Pranger - ohne es selber einzusehen.

Sebastian Vettel der unreife Junge, Michael Schumacher der böse Bube: Die deutschen Formel-1-Stars stehen nach dem Rennen von Budapest am Pranger. Für Fans, Experten und Medien ist Rekordweltmeister Schumacher der moralische, Vettel der sportliche Verlierer des Wochenendes.

Während der siebenmalige Champion Schumacher in seiner wenig zufriedenstellenden Comeback-Saison um seinen Ruf kämpft, droht dem 18 Jahre jüngeren Vettel der größte sportliche Albtraum. Als vermeintliche Nummer eins des augenscheinlich besten Teams muss er am Saisonende möglicherweise ausgerechnet seinem Teamkollegen Mark Webber zum Titel gratulieren.

Einzig die heftige Kritik an seinem sportlichen Idol Schumacher nahm den Red-Bull-Piloten nach der bereits sechsten verschenkten Pole Position dieser Saison und dem letztlich enttäuschenden dritten Rang ein wenig aus der Schusslinie. Als "unakzeptabel, unnötig und unfair" stufte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda das Manöver ein, als Mercedes-Pilot Schumacher seinen ehemaligen Teamkollegen Rubens Barrichello ("Er wollte mich in den Himmel bringen!") beim Kampf um Platz zehn fast gegen die Mauer gerammt hätte.

Schumacher spricht sich von Schuld frei

Schumacher selbst war sich keiner Schuld bewusst. "Es war noch genügend Platz, wir sind hier in der Formel 1 und nicht auf einer Kaffeefahrt", sagte er nach dem Rennen, akzeptierte aber die spätere Strafe der Rennkommissare, die ihm für das nächste Rennen in Spa (29. August) zehn Startplätze abzogen. Doch außenstehende Kollegen verurteilten Schumachers Verhalten. "Er weiß einfach nie, wann es genug ist", sagte David Coulthard, früher Schumachers Gegner in der Formel 1 und heute als Mercedes-DTM-Pilot quasi Markenkollege.

Die italienische Presse, die Schumacher in erfolgreichen Ferrari-Tagen in den Himmel gehoben, ihm den Wechsel zu Mercedes aber übel genommen hatte, brach endgültig mit dem 41-Jährigen. "Schumachers Verhalten ist seiner großartigen Karriere unwürdig", schrieb Tuttosport. Corriere della Sera konstatierte: "Er zerstört mit aggressivem Verhalten sein Image. Von dem alten Schumi ist nur die lästige Gewohnheit geblieben, die Rivalen von der Bahn zu drängen."

In England schrieb die seriöse Times Schumacher "schmutzige Methoden" und "die Gestalt des Bösewichts" zu. Daily Mail forderte gar den Rücktritt des Superstars: "Michael Schumacher, der die Rücksichtslosigkeit seiner Jugend mit der Verzweiflung seiner Altersschwäche vermischte, zeigte einen schrecklichen Auftritt, von dem man nur hoffen kann, dass es der letzte seiner Formel-1-Karriere war."

In seinem Team genießt Schumacher aber Rückendeckung. "Es mag gefährlich gewesen sein, aber es war nicht Michaels Absicht, Rubens zu zerquetschen", sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn, der Schumacher bei Benetton und Ferrari zu all seinen sieben WM-Titel geführt hatte.

Vettels WM-Chancen sinken

Vettel hat da andere Sorgen, obwohl der 23-Jährige bei zehn Punkten Rückstand auf den nun an der WM-Spitze thronenden Webber und sieben ausstehenden Rennen eigentlich noch alle Titel-Chancen hat. Doch nachdem er durch eine unnötige Durchfahrtstrafe wegen zu großen Abstands zum Vordermann beim Neustart nach einer Safety-Car-Phase (maximal zehn Auto-Längen) wieder einen fast sicheren Sieg verschenkt hatte, halten viele Experten Vettel noch zu unreif für den Titel. Lauda sah einen "riesigen Bock", Sky-Experte Marc Surer einen "dummen Fehler", und Ex-Pilot Alexander Wurz lästerte: "Er hätte sich mal das Reglement durchlesen sollen."

Vettel hatte die Strafe als ungerecht empfunden, auch im Vergleich zum Teamorder-Skandal von Ferrari in Hockenheim, der "mit einem Scheck" geahndet worden war. Und sein bockiges Verhalten auf dem Podium sah Teamchef Christian Horner ebenso kritisch wie den an Webber verschenkten Sieg. "Das ist Teil eines Lernprozesses", sagte Horner: "Es war eindeutig sein Fehler. Die Regeln sind klar, da muss man nicht herumreden."

Auch die Erklärung, der Funk sei ausgefallen, lehnte Horner ab: "Die Lichter des Safety Cars zeigen alles an." In der vierwöchigen Sommerpause wird Horner seinen Schützling nun aufbauen müssen. "Von dem stets lächelnden und heiteren Vettel ist keine Spur mehr geblieben", stellte die Gazzetta dello Sport fest.

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SID/dab / SID

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