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Großer Preis von Großbritannien: Vettel bringt Briten zum Jubeln

Es war ein ungefährdeter Start-Ziel-Sieg. Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel zeigte beim Großen Preis von England ein perfektes Rennen und ließ auch Jenson Button bei dessen Heimspiel keine Chance. Die britischen Zuschauer applaudierten dem Deutschen dennoch, denn Vettel brachte einen wichtigen Mann mit aufs Podium.

Von Elmar Brümmer, Silverstone

Wie bringt man 120.000 Briten zum applaudieren, wenn gerade ein Deutscher namens Sebastian Vettel den WM-Spitzenreiter aus Großbritannien, Jenson Button, und den Rest des Formel-1-Feldes beim Großen Preis von Großbritannien in Grund und Boden gefahren hat? Einfach den Vater des Comeback-Erfolges der Red-Bull-Rennwagen mit aufs Podium nehmen!

Mit zugekniffenen Augen stand dort Adrian Newey nach dem doppelten Triumph für Vettel und Mark Webber ganz oben. Der leicht verschrobene Engländer hatte an seinem uralten Zeichenbrett die Grundlage für Vettels zweiten Saisonsieg gelegt. Zum dritten Mal in diesem Jahr ist die rasende Dose von Red Bull von ihm überarbeitet worden. Diesmal mit einer breiten Schnauze und einem neuen Heck - und dieser optimierte Luftfluss hat zusammen mit der diesmal völlig fehlerfreien Leistung des 21 Jahre alten Heppenheimers zwar das langweiligste Rennen der Saison beschert, aber auch die Hoffnung, dass die WM doch noch kippen kann.

25 Punkte Rückstand hat Vettel auf den durch seine Reifen kalt gestellten Spitzenreiter Jenson Button vor dem Heimspiel in drei Wochen auf dem Nürburgring noch. Damit konnte er sieben Zähler auf einen Streich gut machen. Eine Machtdemonstration viel sportlicher als die in den politischen Positionskämpfen um eine Spaltung der Formel 1 im nächsten Jahr. "Ich sollte vielleicht etwas mehr besorgt sein über die Situation", gestand der Sieger, "aber ich denke gerade nur daran, was mit meinem Auto ist und was ich auf der Strecke tun kann."

Schumi-Daumen, Alonso-Fäuste, Verneigung auf dem blau-roten Rennwagen stehend - in Champion-Manier bedankte sich Sebastian Vettel bei dem Fan-Block, der aus dem nahen Milton Keynes angereist war, wo in der Red-Bull-Rennfabrik in letzter Minute die neuen Fahrzeugteile fertig geworden waren. Der dritte Grand-Prix-Sieg insgesamt, der zweite in diesem Jahr, der erste im Trockenen ließ Vettel nur noch in Vokabeln wie "phantastisch" und "unglaublich" schwelgen. Über die 60 Runden von Silverstone hinaus hat der Auftritt der runderneuerten Bullen-Fahrzeuge die Hoffnung geweckt, dass es nach der Button-Mania doch noch zu einer abwechslungsreichen zweiten Saisonhälfte kommen kann: "Unser Auftritt zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und sich das Auto in allen Bereichen verbessert hat. Es würde mich nicht stören, wenn wir so weitermachen könnten", sagte der dominierende Vettel. "Ich musste nach dem Start alles aus dem Auto rausquetschen, was auf dieser Strecke nicht ganz ungefährlich ist. Aber es hat alles funktioniert, es war ein Traum, diesen Wagen zu fahren. Ich hatte stets alles unter Kontrolle, ich wusste genau, wie weit ich gehen konnte." Für Niki Lauda hat der Red Bull RB 5 den Brawn GP 001 als "bestes Auto im Feld" bereits nach dem ersten Auftritt abgelöst.

Das sympathisch wirkende Selbstbewusstsein von Sebastian Vettel wich am bewölkten Nachmittag von Silverstone nur einmal einer gewissen Schüchternheit, als er Auskunft über seine Chancen geben sollte, die Weltmeisterschaft noch zu drehen: "Jenson verdient es absolut, in der Position zu sein, in der er immer noch ist - mit einer komfortablen Führung. Das einzige, was wir jetzt tun können, ist jede einzelne Chance zu nutzen, die wir haben. Es wird sehr, sehr hart. Aber es kann noch viel passieren." Optimistischere Worte für seine Hoffnung findet Red-Bull-Teamchef Christian Horner nach der perfekten Mannschaftsleistung: "Es ist noch ein weiter Weg, um Jenson einzuholen, aber ich kann nur sagen: Achtung, wir kommen!"

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