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Großer Preis von Spanien: Button macht den Gomez, Vettel ist bedient

Jenson Button macht den Gomez auf dem Asphalt und fährt beim Europa-Start in Spanien den vierten Sieg im fünften WM-Lauf ein. Und Shooting Star Vettel? Der war einfach nur enttäuscht. So schnell ändern sich die Verhältnisse - und die Ansprüche.

Von Elmar Brümmer, Barcelona

Der Brawn-Mercedes bleibt das Maß der Dinge, aber die rasende Dose von Red Bull bleibt nah dran. Den Podiumsplatz, den Sebastian Vettel von der ersten Startreihe beim Großen Preis von Spanien aus im Blick hatte, schnappte sich diesmal sein australischer Teamkollege Mark Webber. Vettel hatte sich am Start von Rubens Barrichello und Felipe Massa überholen lassen, und hing dann hinter dem Ferrari fest. Sieger Button hält die neue deutsche Renn-Hoffnung weiterhin für den gefährlichsten Rivalen: "Sebastian macht einen tollen Job. Deshalb müssen wir aggressiv bleiben..."

Seinen Teamkollegen Rubens Barrichello, der sich in der Startkurve an die Spitze gesetzt hatte, scheint der britische Shooting Star offenbar nicht so Ernst zu nehmen. Die Entscheidung der Brawn-Kommandozentrale, Button auf eine Zwei-Stopp-Strategie umzupolen, aber Barrichello auf drei Boxenanfahrten zu belassen, war auch das klare Signal, wer die Nummer eins im Team ist. Die Dementis, die dieser These folgen werden, ändern daran nichts. Button sagt frei heraus, und durchaus doppeldeutig zu interpretieren: "Ein gutes Gefühl, das gibt mir Zuversicht..."

"Mein Auto war gut genug"

Man musste nur ins Gesicht des Brasilianers gucken, der den Film aus seiner Ferrari-Zeit ablaufen sah, als er auf offener Strecke Michael Schumacher passieren lassen musste - bei den "Skandalen" in Österreich hatte ein gewisser Ross Brawn die Taktik gemacht. "Ich weiß nicht, wie ich dieses Rennen verlieren konnte. Wir haben nachher eine Besprechung, vielleicht bekomme ich da die Antwort", sagte er unmittelbar nach dem zweiten Platz, den er als Desaster empfand. Der dienstälteste Formel-1-Pilot beteuerte, als glücklicher Mensch nach Hause zu fahren und neue Energie zu gewinnen. Stallorder? "Sie können mir glauben, ich würde mich weigern", sagte er am Circuit de Catalunya tapfer. Mit dem Glauben in der Formel 1 ist das aber so eine Sache, die Serie funktioniert als reiner Verdrängungsmechanismus. Und Sebastian Vettel? Der war einfach nur enttäuscht. Wohl gemerkt, über einen vierten Platz, so ändern sich die Verhältnisse - und die Ansprüche. "Ich hätte gewinnen können, mein Auto war gut genug dafür", sagte der Heppenheimer. Das ganze Wochenende über waren die neuen Teile einzeln aus der Rennfabrik in Mittelengland eingeflogen und an seinen Red Bull geschraubt worden. Schon in der Qualifikation bedurfte es eines Kraftaktes von Jenson Button in letzter Sekunde, um Vettel von der Pole-Position zu verdrängen.

Bei den Bullen steht der Umbau noch bevor

Der verbummelte Start ruinierte dem WM-Dritten Vettel (jetzt 18 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter) die ganzen 66 Runden. Er hing solange hinter der Spaßbremse Felipe Massa im Ferrari fest, bis dem Brasilianer der Sprit auszugehen drohte, aber da war es zu spät: "Unter normalen Umständen hätte ich ihn nur mit einem Harakiri-Manöver überholen können, aber das wollte ich nicht riskieren." Auf Nummer sicher zu gehen, ist keine schlechte Strategie - denn bei Red Bull steht der große Umbau der Aerodynamik noch bevor... Sich sorgen zu machen, dass er der Mann der Zukunft ist, braucht sich Vettel nicht - er ist 21, Kollege Webber ganze elf Jahre älter.

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