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Kart-Rennen: Schumi verprellt seine Fans

Sogar aus Tschechien waren sie angereist, um ihren Helden im Kart zu bewundern. Zu Gesicht bekamen die Fans ihren Schumi dann aber doch nicht. Der Rekordweltmeister machte sich in seiner alten Heimat ganz rar - mit der üblichen "Bitte um Verständnis".

Sieben Wochen nach seinem Karriereende zog sich Michael Schumacher am Wochenende in Kerpen erstmals wieder einen Rennanzug über, doch seine enttäuschten Fans vor Ort bekamen davon wenig mit. "24 Stunden Kart fahren am Stück, klasse. Das kann ja nur eine große Gaudi werden", ließ der siebenmalige Formel-1-Weltmeister vor der Veranstaltung verlauten. Insgesamt 279 Fahrer stellten sich der Herausforderung, gegen den Rekordchampion anzutreten. "Ich bin mal gespannt, was hier alles so abgehen wird", sagte Schumacher vor dem Rennen in seinem Geburtsort.

Für die rund 50 in der Kälte ausharrenden Fans vor der Halle hielt sich der Spaß allerdings in Grenzen. Denn außer den geladenen Gästen bekam niemand den Superstar zu Gesicht. Selbst als ihr Idol am Samstag um kurz nach 12 Uhr in einer schwarzen Limousine vor seiner Indoorbahn vorfuhr, entschwand er grußlos ins Innere. Stundenlang wartete der harte Kern der Anhänger vor dem Eingang vergeblich auf ein Autogramm. Gerhard Stein aus Köln ärgerte sich: "Bei den paar Leuten hätte er sich mal blicken lassen können." Sogar zwei Tschechen waren angereist.

Auch nicht zur Weihnachtfeier

Nach insgesamt 1440 Minuten ging das Rennen am Sonntag mit einer für den Weltmeister seltenen Erfahrung zu Ende. Das Michael Schumacher Team musste sich mit Rang 12 begnügen. Das tat der guten Laune des prominentesten Teilnehmers keinen Abbruch: "Wir waren zwar nicht die Schnellsten, dafür aber die Lustigsten. Das hat super Spaß gemacht", erklärte Schumacher in einer Pressemitteilung.

"Das ist natürlich schade. Aber damit habe ich auch gerechnet», sagte Reiner Ferling vom Michael-Schumacher-Fanclub, der durch seine selbst gebastelten 'Schumacher-Zylinder' unter den Ferraristi zur Kultfigur wurde. Jahrelang hatte der 54 Jahre alte Taxifahrer den Superstar hautnah bei unzähligen Grand-Prix-Rennen verfolgt. Verschiedene Aktionen seien geplant gewesen, doch als die reservierte Einstellung Schumachers bekannt wurde, blies man alles ab. "Aber wir hoffen, dass er heute Abend wenigstens bei unserer Weihnachtsfeier im Restaurant hereinschaut", sagte Ferling. Auch dieser Wunsch sollte unerfüllt bleiben.

"Ernst, aber nicht tiefernst"

Kartbahn-Geschäftsführer Joachim Reuter bat um Verständnis: Es handle sich um eine "private Veranstaltung", außerdem sei die Anlage einfach zu klein. Sogar die zahlreichen Medienvertreter aus aller Welt hatten keinen Zugang bekommen. Ebenfalls abgesagt wurde ein Empfang bei Bürgermeisterin Marlis Sieburg (SPD). Erst vor wenigen Wochen war entschieden worden, dem 37 Jahre alten Schumacher die Ehrenbürgerschaft Kerpens nicht zu verleihen.

In der Halle konzentrierten sich die Fahrer der 18 Teams auf ihre 8,5 PS starken Karts. Neben dem Formel-1-Star, der das erste Mal im Alter von vier Jahren solch einen Flitzer um die Kurven lenkte, gehörten unter anderen die DTM-Piloten Timo Scheider und Pierre Kaffer zu den Startern. Zudem leistete Ferrari-Testfahrer Luca Badoer seinem ehemaligen Kollegen Schützenhilfe. "Wir nehmen das Rennen ernst, aber nicht tiefernst", unterstrich Schumachers Freund und Teamchef Peter Kaiser den Spaß-Faktor des Rennens.

DPA/kbe

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