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Schumacher-Comeback: "Er konnte nicht Nein sagen"

Für Ferrari ist das Schumacher-Comeback ein fetter PR-Coup - genau zur rechten Zeit. Wie überhaupt für die ganze Formel 1. Für Gutmensch "Schumi" geht es aber um mehr, ihm geht es um das Team. Wenn er gerufen wird, dann folgt er. Obwohl sein Manager Willi Weber ihm "eigentlich abgeraten" hat.

Von Elmar Brümmer

Es ist die Frage, die eine ganze Renn-Nation bewegt: Warum tut sich Michael Schumacher das noch einmal an? Sein Manager Willi Weber hatte ihm "eigentlich abgeraten", die Erwartungshaltung der Menschen sei zu hoch. Wenn Schumacher in einen Wagen steige, dann wollten sie ihn auch siegen sehen. Doch, so Weber im "Tagesspiegel": "Ferrari hat ihn gebeten, es zu machen, und er konnte nicht Nein sagen."

Warum auch? Das Jahrhundert-Comeback ist perfekt, in drei Wochen beim Großen Preis von Europa in Valencia springt der Rekord-Weltmeister nach zweieinhalb Jahren Renn-Rentnerdasein für den verletzten Felipe Massa wieder ins Cockpit.

Schon am Samstagabend nach dem Horror-Unfall in Ungarn hätten Wetten darauf abgeschlossen werden können, dass Schumi dem Ruf von Ferrari folgt. Aber das Team wollte erst die fortschreitende Genesung des Brasilianers abwarten. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo persönlich setzte Massa von der Krankheits-Vertretung in Kenntnis. Was soll man auch sagen, wenn einen ein siebenfacher Champion vertreten soll?

Fetter PR-Coup für Ferrari

Schumi, der Gutmensch. Wenn Ferrari ruft, dann folgt er. Das ist nicht sarkastisch gemeint, so ist er nämlich. Ein Teamplayer. Zumal für die Mannschaft, die er selbst geformt hat: "Ich werde mich darauf vorbereiten, für Felipe einzuspringen. Obwohl das Thema Formel 1 für mich seit langem und komplett abgeschlossen war, kann ich aus Verbundenheit zum Team diese unglückliche Situation nicht ignorieren. Als Wettkämpfer, der ich nun mal bin, freue ich mich aber auch auf diese Herausforderung." Das klingt wie auswendig gelernt, aber so isser. Wirklich.

Für Ferrari ist es natürlich ein fetter PR-Coup, genau zur rechten Zeit. Wie überhaupt für die ganze Formel 1. Die Frage, ob er mit 40 noch fit genug ist, ins Cockpit zu springen, stellt sich trotz seines heftigen Sturzes vom Motorrad nicht. Was er macht, macht er richtig. Und außer Sport macht er seit seiner Pensionierung nicht viel. Die Alternativen Luca Badoer (35) und Marc Gene (38) wären auch nicht jugendlicher. Aber sie haben weniger Erfahrung. Das größte Risiko für Ferrari ist jetzt: Was, wenn der Altmeister erfolgreich ist? Besser als das Stammpersonal Massa/Räikkönen?

Von Leichtigkeit keine Spur

Schumi hat auch noch eine Rechnung offen, als er nach dem verkorksten Saisonstart von Ferrari als Spesenritter verhöhnt wurde, ein Berater, der nicht mal die Wetterkarte lesen kann und falsche Reifen aufziehen lässt. Das entbehrte zwar der Wahrheit, war aber eine gute Grundlage, den Ex-Champion zu diskreditieren. Der hat sich durch seine konsequente Art nicht überall Freunde gemacht, da wurden alte Rechnungen beglichen. Auch Luca di Montezemolo galt zum Schluss nicht mehr als sein bester Freund. Aber der Markgraf ist mindestens so ehrgeizig wie sein populärster Chauffeur. Den Formel-1-Führerschein zu bekommen, die sogenannte Super-Lizenz, ist ein Klacks. Schumacher firmiert immer schon als offizieller Ferrari-Ersatzpilot. Aus dem Spaß wird jetzt Ernst.

Und man kann schon wieder wetten: Wie Ernst er den Aushilfsjob nehmen wird. Von Leichtigkeit keine Spur, denn das wäre gleichbedeutend mit Leichtsinn. Und über die Gefahren ist er sich bewusst. Zumindest die im Rennwagen. Was das Image angeht? Das war ihm immer schon herzlich egal. Er tut sich die Formel 1 noch einmal an, nicht weil er muss. Sondern weil er kann. Vielleicht auch, weil er einfach nicht anders kann.

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