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Schumacher-Comeback: "Mein Genick müssen wir in den Griff kriegen"

Der Countdown läuft: Michael Schumacher schuftet wie besessen für sein sensationelles Formel-1-Comeback im Ferrari. Auch wenn die ersten drei Kilo schon runter sind, der verletzte Nacken bereitet weiterhin Probleme. Die Gesundheit gehe vor, "das ist die klare Absprache, auch mit meiner Frau", betonte Schumacher.

Unfallopfer Felipe Massa erholt sich, sein "Ersatzmann" Michael Schumacher schwitzt unterdessen für das Sensations-Comeback. "Ich bin mit Vollgas dabei, mich auf meinen Einsatz vorzubereiten. Die ersten drei Kilo sind schon weg, dabei geht es mir ja auch um Muskelaufbau", berichtete der Rekordweltmeister am Dienstag auf seiner Internetseite von seinem Aufbauprogramm für seinen ersten Formel-1-Einsatz seit drei Jahren.

Das Training laufe sehr gut, "nur mein Genick zwickt zugegebenermaßen etwas. Das müssen wir noch in den Griff kriegen", schrieb der siebenmalige Champion. Die Gesundheit gehe vor, "das ist die klare Absprache mit Ferrari, und übrigens auch mit meiner Frau", betonte der 40-Jährige, der vor einem halben Jahr bei Testfahrten mit einem Motorrad gestürzt war und sich verletzt hatte.

Zweieinhalb Wochen Zeit für die Top-Form

Zweieinhalb Wochen bleiben dem Kerpener noch. Dann steigt er beim Großen Preis von Europa am 23. August in Valencia für seinen verunglückten Freund Massa in den Ferrari. An dieser Woche wird Schumacher nach Angaben seiner Sprecherin Sabine Kehm nicht mehr im Rennauto sitzen, sondern sich körperlich in Top-Form bringen, um auch von den Ärzten Grünes Licht für einen Start zu bekommen.

Am Freitag hatte der 91-malige Grand-Prix-Gewinner in einem Rennwagen Baujahr 2007 erstmals seit April 2008 wieder Runden auf der Ferrari-Teststrecke in Mugello gedreht, da Testfahrten mit dem aktuellen Modell verboten sind. Gegen eine von Ferrari beantragte Ausnahmegenehmigung hatten das britische Williams-Team, für das Landsmann Nico Rosberg startet, und Sebastian Vettels Red-Bull- Rennstall ihr Veto eingelegt. "Damit muss er zurechtkommen. Und das wird er auch", meinte Sprecherin Kehm.

Während Schumacher intensiv trainiert, kehrte Massa am Montagabend (Ortszeit) in seine Heimat zurück. Er war sichtlich erleichtert, wieder in Brasilien zu sein. Beide Daumen streckte der Formel-1-Pilot nach oben bei seiner Ankunft im Albert-Einstein-Krankenhaus in São Paulo in die Kameras. Seine Botschaft: Alles wird gut. Ansonsten gab sich der 28-Jährige, der am 25. Juli in Budapest in der Qualifikation zum Großen Preis von Ungarn schwer verunglückt war, nach seiner rund zwölfstündigen Rückreise aus der ungarischen Hauptstadt wortkarg: "Später rede ich, jetzt muss ich mich erholen."

An Bord des Ambulanzflugzeuges vom Typ "Bombardier Challenger 60" waren auch seine im sechsten Monat schwangere Frau Raffaela sowie sein Leibarzt Dino Altmann. Massa ging ohne Probleme und lächelte, als er das Krankenhaus betrat. Fans waren nicht erschienen, es war eine "stille Ankunft", ganz im Sinne des ruhebedürftigen Patienten.

Nur das geschwollene linke Auge und die große Narbe erinnerten an den Horror-Crash, als der Ferrari-Pilot mit 190 Stundenkilometern frontal in einen Reifenstapel krachte. Neun Tage verbrachte er im Militärhospital von Budapest, zwei Tage davon im künstlichen Koma. Erstaunlich, wie schnell Massa wieder auf den Beinen ist. Sein Ziel: So schnell wie möglich wieder "auf die Piste und ans Lenkrad des Ferrari".

Ticket-Absatz enorm gestiegen

Solange Massa Patient statt Pilot ist, steuert sein einstiger "Fahrlehrer" Schumacher den roten Boliden. Außer für die TV-Stationen ist auch für die Organisatoren des Grand Prix in Valencia die vorübergehende Rückkehr des Super-Stars in die Formel 1 ein Geschenk des Himmels. Der Absatz der Tickets sei seit Schumachers Ankündigung, noch einmal in sein einstiges "PS-Reich" zurückzukehren, um 50 Prozent angestiegen, teilten sie mit. In den bisherigen Rennen der Saison hatten die meisten Streckenbetreiber schwindenen Zuschauerzuspruch zu verzeichnen.

Formel-1-Rechtemitinhaber Bernie Ecclestone äußerte sich erneut begeistert über das Wiederauftauchen des erfolgreichsten Steuer-Artisten in seinem Rennzirkus. Dies "ist fantastisch für die ganze Formel 1". "Aber ich bin sicher, er würde dieses Comeback nicht machen, wenn er nicht überzeugt wäre, dass er die Leistung bringen kann. Einmal Rennfahrer, immer Rennfahrer", meinte der 78-Jährige.

Schumacher selbst gab sich auf seiner Internetseite (www.michael-schumacher.de) ein wenig verwundert über das gewaltige Echo auf sein Comeback, und bedankte sich bei seinen Fans: "Es ist unglaublich, wie viel Zuspruch ich in diesen Tagen von überall auf der Welt erfahre. Es ist, als bräche ein Schwall positiver Energie über mich herein. Ein dickes Kompliment an euch alle!" Er habe die Herausforderung angenommen, "und wie ihr wisst, liebe ich Herausforderungen".

Claas Hennig und Helmut Reuter/DPA / DPA

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