1860 München Hoeneß sieht die "Löwen" vor dem Untergang


Uli Hoeneß macht sich Sorgen um den Lokalrivalen: Nach der Machtübernahme bei 1860 München durch den neuen Manager Miroslav Stevic und einer Investorengruppe sieht Hoeneß die Löwen dem Untergang geweiht.

Nach dem spektakulären Machtwechsel beim Fußball-Zweitligisten 1860 München sieht Bayern Münchens Manager Uli Hoeneß den "Anfang vom Ende" für den Stadtrivalen gekommen. "Mein Bauch sagt mir, dass das, was da zurzeit passiert, der Anfang vom Ende für 1860 München ist", sagte Hoeneß. Am Dienstag war der bisherige Geschäftsführer Stefan Reuter bei den Löwen beurlaubt, ein privater Investor präsentiert und Miroslav Stevic als Sportdirektor installiert worden.

Dass der Ex-Profi Stevic und der Investor Nicolai Schwarzer, ein Berliner Immobilien-Unternehmer, den finanziell schwer angeschlagenen Verein wieder auf eine solide Basis stellen, glaubt Hoeneß nicht. "Solche Investoren, die kein, wirklich keinerlei Herz in so einer Sache haben, bedeuten den Anfang vom Ende", sagte der Manager: "Sechzig hat ja immer von den Emotionen gelebt, von seinen Fans, von der tiefen Verwurzelung des Vereins in der Stadt und im Land. Wenn jetzt Geschäftemacher kommen, um sich einzukaufen, dann sagt mir mein Bauch: Das ist der Anfang vom Ende. In ein paar Jahren werden wir uns wieder sprechen."

Hoeneß: Kein Herzblut drin

Auch an Stevic, der von 1994 bis 1998 für die Löwen 104 Bundesligaspiele absolvierte, ließ Hoeneß kein gutes Haar: "Ich glaube nicht, dass der jetzt gerade Herzblut da drin hat. Der hat eher ein paar Euro-Zeichen im Herzen."

Dass der Verein, der derzeit in der 2. Bundesliga auf Platz elf steht und nur fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz hat, die ambitionierten Aufstiegspläne bis 2010 realisieren kann, zweifelt Hoeneß an. "Ob die mit dieser Maßnahme irgendwann aufsteigen, ist doch sehr, sehr, sehr fragwürdig", meinte der 57-Jährige.

Investor Schwarzer erklärte unterdessen, dass er zwar den Fußball möge, sein Engagement bei 1860 allerdings auf Rendite angelegt sei. "Ich hoffe aber vor allem, damit Geld zu verdienen", sagte der 35-Jährige der Tageszeitung "Die Welt." Über die Vertragslaufzeit, aber auch die Höhe der Investitionen wollten sich die Löwen nicht äußern. Spekuliert wurde zuletzt über rund sieben Millionen Euro.

Rummenigge nimmt Reuter in Schutz

Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge nahm unterdessen den düpierten Reuter in Schutz. "Für Stefan Reuter tut es mir leid, er kann nichts dafür. Er hätte sicher gern den einen oder anderen Transfer gemacht, aber wenn nichts zum Investieren da ist, ist nichts da. Die Situation ist kein Versagen von Stefan Reuter, sondern ein Versagen der Vergangenheit, die den Verein in diese finanzielle Problematik getrieben hat."

Der 42 Jahre alte Reuter, Weltmeister von 1990, sollte nach der Inthronisierung von Stevic zum Sponsoren-Beauftragten degradiert werden. Das kam für Reuter aber nicht in Frage. Dass damit die Personalrochaden bei den Sechzigern beendet sind, ist allerdings unsicher. Denn Trainer Marco Kurz arbeitet zunächst auf Probe.

"Aus dem jetzigen Blickwinkel ist es schwer zu beurteilen, wie er bisher gearbeitet hat, weil ich nicht die Möglichkeit hatte, ihn im Tagesgeschäft zu beobachten. Ich werde deshalb erst mein Urteil abgeben, wenn ich das selbst gesehen habe und weiß, ob die Eigenschaften da sind, die wir jetzt bei 1860 brauchen", erklärte Stevic im DSF. Er schätze Kurz als Mensch aber sehr. Zu Spekulationen um mögliche Nachfolger wollte sich der Serbe nicht näher äußern.

Kurz ging am Mittwoch gelassen mit dem Druck auf seine Person um. "Das ist ganz normal in dem Geschäft. Die Leidenschaft muss am Sonntag erkennbar sein, sonst greifen die normalen Mechanismen auch beim Trainer", sagte der Coach am Rande der Vorstellung der bis zum Saisonende ausgeliehenen Antonio Rukavina vom Bundesligisten Borussia Dortmund und Nikola Gulan vom AC Florenz. Am Sonntag treten die Löwen beim Tabellendritten Mainz 05 an.

Maik Rosner/SID SID

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