HOME

WM-Vergabe 2006: Netzer spielte Vermittler zwischen Dreyfus und WM-Organisationskomitee

Welche Rolle spielte Günter Netzer in der Affäre um die WM 2006? Laut seinem Anwalt will er bloß dem ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Kontakte zu den WM-Organisatoren vermittelt haben.

Laut Theo Zwanziger soll Günter Netzer gewusst haben, dass mit dem Darlehen von Dreyfus WM-Funktionäre bestochen wurden

Laut Theo Zwanziger soll Günter Netzer gewusst haben, dass mit dem Darlehen von Dreyfus WM-Funktionäre bestochen wurden. Er bestreitet das.

Günther Netzer hat dem ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Kontakte zum WM-Organisationskomitee verschafft. Das bestätigte der Anwalt des ehemaligen WM-Botschafters. "Dreyfus kam auf ihn zu mit der Bitte, den Kontakt zu den WM-Machern herzustellen. Er war aber nur ein Mittler, der von dem Anspruch wusste", sagte Netzers Anwalt Lucas Brost gegenüber dem Sport-Informations-Dienst. 

Demnach hat Netzer von Dreyfus' Forderung nach einer Geld-Rückzahlung vom DFB gewusst. Dabei soll es sich um ein Darlehen über 6,7 Millionen Euro gehandelt haben. Wofür der DFB das Darlehen jedoch genutzt hat, soll Netzer der Darstellung seines Anwalts zufolge nicht bekannt gewesen sein. Dem Sport-Informations-Dienst sagte Brost, sein Mandat bestehe darauf, nichts von der Vorgeschichte oder dem vermeintlichen Darlehen gewusst zu haben. "Er sieht sich nicht als Hauptprotagonist an. In diese Rolle wurde er erst von Theo Zwanziger gedrängt."

Zwanziger hatte im "Spiegel" von einem Treffen mit Netzer 2012 in Zürich berichtet. Netzer habe ihm erklärt, mit dem mutmaßlichen Millionendarlehen seien die vier asiatischen Stimmen für die WM-Vergabe im Juli 2000 gekauft worden, so die Darstellung des ehemaligen Präsidenten des DFB. Netzer bestreitet dies vehement und kündigte eine Klage gegen Zwanziger an.

Spuren zu Bin Hammam

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unterdessen berichtet, gibt es konkrete Hinweise, dass Mohamed bin Hammam in die WM-Affäre um ungeklärte Millionenzahlungen verwickelt ist. Der Unternehmer aus Katar und ehemaliges Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees soll in einer handschriftlichen Notiz von Horst R. Schmidt aus dem Jahr 2003 erwähnt worden sein. Und zwar als verantwortlicher Funktionär für eine Zusatzvereinbarung zwischen dem DFB und der Fifa in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken.

Bin Hammam soll sich also bei der Fifa um jene zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) gekümmert haben, die 2002 von der Fifa gefordert und schließlich auch gezahlt worden sein sollen - als Voraussetzung für einen Zuschuss der Fifa in Höhe 170 Millionen Euro für die WM 2006.

ivi
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity