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Bayern-Star Arjen Robben: Der Anti-Ribéry

Bayern-Star Arjen Robben begeistert die ganze Bundesliga. Der Niederländer spielt schnörkellos und trotzdem spektakulär. Im Gegensatz zu Franck Ribéry ist Robben allerdings kein Zirkusfußballer.

Ein Porträt von Stephan David, München

Unkompliziert. Direkt. Ohne Umwege. Wenn man als Reporter Arjen Robben zum Interview trifft, begegnet er einem in etwa so wie seinen Gegenspielern auf dem Platz. Einerseits freundlich, mit offenem Visier. Andererseits hat man immer das Gefühl, der Bayern-Profi verberge noch etwas. Einen Gedanken oder eben eine Finte - wie auf dem Rasen. Irgendetwas hat der Mann doch sicher in Petto. Er könne, wenn er wolle, immer noch einen draufsetzen, noch zulegen. Zu Beginn des Gesprächs, zu Beginn eines Spiels - Robben legt nicht sofort alle Karten auf den Tisch, zeigt nicht alle Tricks.

Man dürfe ihn duzen, weil das einfacher sei im Dialog? Ja, ja, kein Problem, sagt der Niederländer. Man dürfe ihm alle Fragen stellen, selbst über ausgelutschte Holland-Klischees? Kein Problem. Auch über seinen spärlichen Haarwuchs sprechen, seinen merkwürdigen Modetick? Bitte. Nur zu. Unkompliziert eben.

Also gut. Diese Hose! Diese weiße - Robben korrigiert: "graue!" - gut, diese graue Strumpfhose, kombiniert mit dem roten Bayern-Trikot und den neon-grünen Schuhen, das gehe ja gar nicht. Rein optisch. Robben lacht. "Es ist rein funktionell. Ich will damit, wenn es so kalt ist, meine Muskeln warm halten." Von Real Madrid habe er dieses Beinkleid nicht mitgebracht, "die Unterhose ist vom Verein". Keine Show, alles dient dem Zweck.

Robben ist der Anti-Ribéry

Robben ist anders, er ist der Anti-Ribéry. Robben trägt zwar auffallende Schuhe, doch weil es der Sponsor eben will. Bei Franck Ribéry, dem anderen Fußball-Zauberer des FC Bayern, stehen Spaß und Show manchmal mehr im Vordergrund als die Essenz des Spiels, das Ergebnis. Ribéry legt es an auf die riskanten Dribblings, macht gerne die schwierigen Nummern. Er hat etwas Zirkushaftes, braucht den Applaus der Fans. Robben arbeitet Fußball, dies jedoch mit einem gesegneten Schuss Genialität. Eben alles ein Stück pragmatischer. So wie er spricht und erklärt.

Die Haare? Ja, da wird er immer mal wieder drauf angesprochen - seine lichten Stellen, er weiß es. "Die Leute denken immer, ich bin schon über 30 Jahre alt. Dabei fühle ich mich wie 22, 23." Robben ist gerade 26 Jahre alt geworden, verheiratet, Söhnchen Luka (kam im April 2008 zur Welt), seine Frau Bernadine erwartet im Frühling das zweite Kind. Die Strumpfhose, findet seine Frau, eine frühere Grundschul-Lehrerin, sei "komisch, nicht so schön". Er wird nicht auf sie hören - auch nicht in der Partie der Bayern am Samstag gegen Mainz (15.30 Uhr). Es wird kalt sein in der Münchner Allianz Arena.

Robben ist ein Familienmensch. Das ist ihm das Wichtigste. Hobbys? Etwas Spezielles? Gar Verrücktes? Er zuckt mit den Schultern, nein. Er mache gern alle Sportarten, Tennis etwa. Golf, der Zweitsport der Kickerszene, ist nichts für ihn. Er mag eher die Speed-Disziplinen. Kein Wunder.

"Ich habe immer gedribbelt, gedribbelt, gedribbelt"

Denn Robben ist gleich Geschwindigkeit. Kaum einer spielt in der Liga mit solch einer Geradlinigkeit und Direktheit. Der Linksfuß hat wenig Ballkontakte, passt schnell und schnörkellos, manchmal zu schnell für die Mitspieler. Wenn er ins Dribbling geht, in das Duell Mann gegen Mann, setzt er auf seine Schnelligkeit. Für den Knoten in den Beinen der Gegner ist Ribéry zuständig. "Natürlich war ich früher immer mit dem Ball unterwegs, zuhause und auf der Straße", erinnert er sich an seine Tage in seinem Geburtsort Bedum, "auf der Straße habe ich eins gegen eins gespielt, stundenlang. Ich habe immer gedribbelt, gedribbelt, gedribbelt. Mit vier habe ich bei einem Klub angefangen."

Mit 16 debütierte er in der niederländischen Ehrendivisie für den FC Groningen, mit 18 ging es zu Eindhoven, dann zum FC Chelsea, weiter zu Real Madrid, im August 2009 gaben die Bayern 24 Millionen Euro für den Flügelspezialisten aus. "Ich habe nie von einem bestimmten Verein geträumt, hatte kein bestimmtes Ziel als nächsten Schritt im Auge", sagt er. Erst 26 und schon vier große Vereine im Lebenslauf. Robben ist ein Suchender, er weiß, der Profizirkus ist schnelllebig. Heute hier, morgen da. So ist das Geschäft, die Holländer waren ein Volk der Entdecker und Seefahrer.

Er lacht. Ja ja, diese ganzen Vorurteile über Holländer. Es scheint ihm egal zu sein. Überall auf der Welt kenne man die Coffee-Shops in Amsterdam mit den legalen Drogen. Aber das sei ihm egal, er sei ja nicht aus Amsterdam. So ist er. Schnörkellos. Und völlig entspannt. Man hat das Gefühl, ihn mit keiner bestimmten Frage provozieren zu können. Robben ist höflich, zuvorkommend, bleibt so lange sitzen, bis die letzte Antwort gegeben ist.

Robben, der sensible Künstler

Und doch gibt es da noch eine, die verborgene, nur selten herausbrechende Seite des Arjen Robben. Der Mann kann nämlich ziemlich jähzornig sein, aufbrausend, giftig. Nicht bösartig, das nicht, aber doch als Anwalt seiner selbst, ein klarer Fall von Selbstjustiz. Philipp Lahm hat das kürzlich im Training zu spüren bekommen als er den 26-Jährigen zu hart tackelte. Da ist der Künstler Robben sensibel. All zu oft fiel er verletzt aus, machte ihm sein Körper einen Strich durch die Karriere-Rechnung. Wohl deshalb blieb er auch nicht bei Chelsea oder Real Madrid. Immer wieder wurde ihm seine Krankenakte aufgelistet, da ist er empfindlich.

Gerade im WM-Jahr soll nichts passieren, nichts reißen. Also schubste er Lahm um, wies ihn zurück. "Ach, das war gar nichts, ganz normal im Fußball", verteidigt sich Robben. Seinen Jähzorn bekam der Schalker Lukas Schmitz im November nach einer Attacke von hinten in die Beine des Bayern-Profis zu spüren. Der Familienmensch Robben, der smarte Arjen, baute sich vor dem Gegner auf und stieß ihn zu Boden. Die Gelbe Karte war eine milde Gabe.

In drei Ligen ist er bereits Meister geworden, mit Bayern München wäre es der vierte Coup. "Das war von Anfang der Saison an das Ziel", betont er. Die Champions League - ja, die fehle ihm noch. Aber warum nicht mit Bayern? Er hat für vier Jahre unterschrieben. Er sieht Bayern und die Bundesliga nicht als Abstieg, im Gegenteil. Als Ansporn, als Aufstieg. Gemäß seinem Namen: Arjen bedeutet im Holländischen "stolz" oder: "Der, der nach oben kam". In der fast lane eben, auf der Überholspur.

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