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Bundesliga-Check: VfB Stuttgart Kein Leader in Sicht


Sie waren mal die "Jungen Wilden". Jetzt sind die Stuttgarter zwar wieder jung, aber eher nicht wild. Nach dem Weggang von Christian Träsch und der Verletzung von Kapitän Matthieu Delpierre hat die Qualität des Kaders gelitten.
Von Jens Fischer, Stuttgart

Anstrengender kann ein neuer Job kaum sein. Was Fredi Bobic in einem einzigen Jahr als Manager des VfB Stuttgart alles erleiden musste, ist beinahe schon ein Fall für das Arbeitsgericht. Bei seinem Amtsantritt am 27. Juli 2010 traf er auf einen völlig zerrütteten Verein. Viel Stress hatte der frühere Mittelstürmer mit dem damaligen Trainer Christian Gross, dem nach einem guten Einstandsjahr erste Allmachtphantasien überkamen, bevor er seine Koffer packen durfte. Bobic traf auf eine komplett verunsicherte Mannschaft gespickt mit verwöhnten Individualisten und überforderten "Pseudo-Stars". Und nicht zuletzt hatte es der 39-Jährige mit einer Chefetage zu tun, die ganz schwäbisch die Scheinchen ordentlich zusammenhielt. Von den Fans, die zwischenzeitlich am liebsten die Mercedes-Benz-Arena eingerissen hätten, ganz zu schweigen.

Es war kein leichter Start für Bobic, der immer noch als Novize auf seinem Posten gilt. Eine Personalie hat er trotz wenig Erfahrung glänzend gelöst. Trainer Bruno Labbadia hat es nicht nur geschafft, den drohenden Abstieg des VfB zu vermeiden, ihm ist es mittlerweile auch gelungen, und das wiegt bedeutend schwerer, im Verein eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. "Wir wollen eine Mannschaft auf den Platz bringen, die sich leidenschaftlich präsentiert", sagte Labbadia stern.de , "und ganz klar wieder stärker auf den eigenen Nachwuchs setzen."

Was ist neu?

Wenig. Labbadia baut wieder auf jüngere Spieler. holte aus Augsburg den viel versprechenden linken Offensivmann Ibrahima Traore (23). Der bullige Angreifer Julian Schieber (22) wurde aus Nürnberg zurückgeholt und aus Kopenhagen mit dem 26-jährigen Mittelfeldmann William Kvist ein dänischer Nationalspieler verpflichtet, der schon jetzt weit oben in der Hierarchie steht. Einzig der Mexikaner Maza ist mit 29 Jahren ein erfahrener Spieler - mit schwierigem Job: Er soll in der Innenverteidigung den noch länger verletzten Kapitän Matthieu Delpierre ersetzen.

Was ist gut?

Auf der Suche nach einer neuen Philosophie ist der VfB bescheiden geworden. "Wichtig ist es vor allem Kontinuität in den Verein zu bringen, weil ich davon überzeugt bin, dass wir nur damit dauerhaften Erfolg haben werden", sagt Fredi Bobic. Was sich wie eine der üblichen Phrasen anhört, ist ernstzunehmen. Kaum ein Verein hat weniger an seinem Kader gebastelt als der VfB. Die großen Stareinkäufe gehören der Vergangenheit an - sie sorgten eh zuletzt eher für Ärger als für sportlichen Zugewinn.

Und noch etwas stimmt positiv - das Lager der Söldner lichtet sich, der Rumäne Ciprian Marica ist weg. Bleiben Arthur Boka, Pavel Pogrebnyak, Zdravko Kuzmanovic, die der VfB ebenfalls gerne losschlagen würde.

Was ist schlecht?

Die Mannschaft wirkt längst noch nicht eingespielt. Es mangelt an Automatismen. Das Team hat zudem keine Führungsspieler. Matthieu Delpierre fällt vielleicht sogar die gesamte Hinrunde aus, Nationalspieler Christian Träsch wurde nach einem wochenlangen Hick-Hack zum VfL Wolfsburg transferiert. Wer soll jetzt in einer brenzligen Situation das Ruder an sich reißen? Dieses Defizit hat den Schwaben bereits in der vergangenen Saison beinahe die Liga gekostet.

Was ist möglich?

Wenn sich beim VfB ein neuer Mannschaftsgeist entwickelt und vor allem in den Heimspielen der Funke zwischen Spielern und Fans überspringt, ist für die Schwaben ein Platz im gesicherten Mittelfeld möglich. Mehr nicht. Auf der anderen Seite kann es schnell nach unten gehen. Der VfB hat durch Träschs Verkauf und Delpierres langen Ausfall an Qualität verloren - und war schon in der vergangenen Saison lange abstiegsgefährdet.


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