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Bundesliga: Dusel-Bayern stoppen Hoffenheim

Da war er wieder, der berühmte Bayern-Dusel: Als beim Spiel zwischen dem FCB und Hoffenheim alles auf ein Remis hinauslief, schlug in der Nachspielzeit Luca Toni zu. Am Ende siegte der Rekordmeister mit 2:1. Ein Erfolg, der nicht unbedingt verdient war.

Von Klaus Bellstedt

Kleine Überraschung bei der Durchsicht der Teambögen: Bayerns Trainer Jürgen Klinsmann nahm in der bewährten Viererkette auf der Innenverteidigerposition eine entscheidende Änderung vor, Daniel van Buyten nahm den Platz von Martin Demichelis ein. Der Südamerikaner musste auf der Bank Platz nehmen. Hoffenheim betrat den Rasen in gewohnter Aufstellung, also wie immer mit den drei Stürmern Obasi, Ba und Ibisevic. Angst vor den Bayern? Aber nicht doch!

Und so begannen die Kraichgauer auch. Ganz früh, beinahe schon am Strafraum der Bayern, attackierte man die Hausherren und störte so deren Aufbauspiel. Folgerichtig hatte Hoffenheim denn auch die erste Torchance in einer Partie, die von beiden Mannschaften von der ersten Minuten an mit hohem Tempo geführt wurde. Demba Ba war auf der rechten Seite durchgebrochen und zog aus 16-Metern ab, aber Bayern-Keeper Rensing begrub die Kugel sicher unter sich (7.). Der Rekordmeister hatte die passende Antwort beinahe postwendend parat. Eine Flanke von Ze Roberto von links nahm Luca Toni in der Mitte gekonnt an, verzog allerdings im Abschlus ganz knapp links am Tor vorbei (12.). Es entwickelte sich ein rassiges Spiel zweier echter Spitzenteams.

Defensivkunst statt Offensivspektakel

Allein Michael Rensing wollte sich dem hohen Niveau nicht anschließen. Besser gesagt, er konnte es nicht. Sein Fehler, als der Torwart an einem Freistoß vorbeisegelte, ermöglichte Hoffenheims Compper die nächste Großmöglichkeit. Glück für Rensing, dass der aufgerückte Innenverteidiger den Ball nicht richtig traf (15.). Nach etwa 30 Minuten mussten beide Mannschaften ihrem hohen Tempo in der Anfangsphase Tribut zollen. Die Folge: Viele Spielunterbechungen, viele Fouls, kleinere Nicklichkeiten. Diesbezüglich tat sich in erster Linie der Überraschungstabellenführer hervor, der phasenweise sehr rustikal auftrat. Die Bayern zeigten sich von der harten Gangart durchaus beeindruckt. Die Angriffe, meistens von Superstar Ribery eingeleitet, wurden immer seltener bis zum gegnerischen Tor vorgetragen.

Aber auch die Hoffenheimer fanden bis zum Pausenpfiff des guten Schiedrichters Meyer kein rechtes Rezept, ihre optische Überlegenheit in Zählbares, sprich Tore, umzumünzen. So blieb es nach 45 Minuten in der natürlich ausverkauften Allianz Arena bei einem verdienten 0:0-Unentschieden. Statt Offensivspektakel waren es bis hierhin vor allem die Defensivreihen, die dem Match ihren Stempel aufdrückten.

Lahm mit Glückschuss

Was für ein Auftakt dann in der zweiten Hälfte. Die letzten der gut 70.000 Fans im Stadion hatten noch gar nicht wieder auf ihren Sitzen Platz genommen, als der Toptorjäger der Liga zuschlug. Und wie! Eine Flanke von Tobias Weis in den Rücken der Münchener Defensive nahm Vedad Ibisevic an, drehte sich mit dem Ball am Fuß um die eigene Achse und ließ Rensing aus kurzer Distanz nicht den Hauch einer Chance. Hoffenheim ging in der 49. Minute bei den Bayern in Führung. Ein Teffer, der komischerweise nicht etwa die Bayern aufrüttelte. Nein, es war der Spitzenreiter des Tableaus, der nun weiter drückte. Der Rekordmeister wurde hinten regelrecht festgenagelt.

Wie aus dem Nichts fiel dann doch - und ehrlich gesagt zumindest bis zu diesem Zeitpunkt leicht unverdient - das 1:1. Philipp Lahm raffte sich nach gut einer Stunde zu einem seiner gefürchteten Flügelläufe auf, zog in die Mitte und schoß einfach mal aufs Tor. Abgefälscht von Marvin Compper landete das Leder für alle überraschend im linken oberen Toreck. Jetzt endlich wachten die Bayern auf, beide Teams begegneten sich in der Folgezeit mit offenem Visier - mit Vorteilen für den FCB. Luca Toni, der das teaminterne Stürmerduell gegen Miro Klose klar für sich behauptete, hätte in der 68. Minute per Kopf fast die Führung erzielt, aber der Ball segelte knapp links am Tor vorbei ins Aus.

Toni sorgt für Entscheidung

Hoffenheim ging in der Schlussphase mehr und mehr die Luft aus, die Einwechslung von Super-Joker Salihovic (74.) tat der Mannschaft von Ralf Rangnick dann aber noch einmal gut. So war es dann auch jener Salihovic, der in der 87. völlig freistehend vor Rensing die abermalige Führung auf dem Fuß hatte, aber am gut reagierenden Bayern-Goalie scheiterte. Und die Bayern? Die trugen ihre Angriffe fast schon wütend und mit wilder Entschlossenheit vor. Lahm, Ribery und Toni taten sich besonders hervor. Was fehlte, war bis in die Nachspielzeit das letzte Quäntchen Glück. Aber dass die Bayern dieses Glück eben auch wie keine zweite Mannschaft in Deutschland erzwingen können, hatte sich wohl noch nicht bis nach Hoffenheim herumgesprochen. Und so kam es wie es kommen musste. Einen Riesen-Bock von Ibertsberger, der ohne Not einen Rückpass spielen wollte, nahm Luca Toni dankend an und schob ungehindert zum schmeichelhaften 2:1 ein (92.). Dabei blieb es dann auch bis zum Schlusspfiff in einem streckenweise hochklassigen Spiel, das keinen Sieger verdient gehabt hätte.

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