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Bundesliga Pay-TV-Rechte: Arenas geheime Mannschaftsaufstellung

Man erinnert sich, wie der "Frauensender" tm3 innerhalb von Monaten in eine Männer-Fußball-Bier-Abspielstation mutierte. Der Kabelnetzbetreiber Arena braucht Partner, um einen ähnlichen Sprung zu schaffen - das Kartellamt ist nach schon in Hab'-Acht-Stellung.

Georg Kofler, dessen Sender Premiere die Pay-TV-Rechte an der Bundesliga abgeben musste, hat für seinen neuen Konkurrenten nur Spott übrig. Arena sei ein "Nobody", so Kofler auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, die Firma erlebe in Sachen Sportübertragung ihre "Stunde Null".

Tatsächlich muss Arena, ein Zusammenschluss von Kabelnetzbetreibern, innerhalb eines guten halben Jahres einen funktionierenden Sportsender aus dem Hut zaubern - inklusive Technik, Redaktion, Marketing und Kundenbetreuung. Das größte Problem ist die technische Reichweite. Arenas Muttergesellschaft Unity Media hat zwar 7,2 Millionen Kabelkunden, aber die Versorgung muss flächendeckend sein, um möglichst viele Abonnenten zu gewinnen. Also braucht Arena Partner: weitere Kabelnetz- und Satellitenbetreiber. Sobald das Unternehmen Verbündete findet, steht jedoch das Bundeskartellamt auf der Matte. "Im Falle einer Kooperation wird das Kartellamt hellhörig", sagte Behördensprecherin Irene Sewczyk gengenüber stern.de. "Im Moment hat Arena die Rechte. Was sie damit tun oder nicht tun, bleibt abzuwarten."

Redaktion in München

Entsprechend vorsichtig äußerte sich Bernard de Roos, Geschäftsführer der Arena Sport Rechte und Marketing GmbH, auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Deutschen Telekom am Donnerstag in München. Auf die Frage, ob er mit dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG) zusammenarbeiten wollte, sagte de Roos: "Ich gehe davon aus." Auch die Möglichkeit, Sublizenzen an Premiere zu vergeben, mochte Roos nicht ausschließen.

Ähnlich zugeknöpft gab sich Roos im Hinblick auf das neue Programm. Was, wie und von wem zukünftig berichtet wird, wollte er nicht verraten. Nur soviel: "Wir bauen eine eigene neue Redaktion in München auf." Die Reporter von Premiere, die branchenüblich frei arbeiten, scharren dem Vernehmen nach schon mit den Hufen. Aus einem Wechsel zu Arena könnten sie viel Kapital schlagen, vor allem die populären Kommentatoren und Moderatoren. Mehr über seine Mannschaftsaufstellung und sein Programm will Roos erst im Frühjahr verraten.

Geldsegen für Zweitliga-Clubs?

Die DFL hat dagegen schon ihr Schäfchen im Trockenen. Neben dem Imagegewinn bei den Fans - immerhin hat die DFL die ARD-Sportschau gerettet - darf sich der Dachverband über Mehreinnahmen in Höhe von 120 Millionen Euro pro Saison freuen (plus 40 Prozent). Über die Verteilung sagte Christian Pfennig, Sprecher der DFL, im Gespräch mit stern.de: "Wir gehen davon aus, dass wir im Frühjahr über dieses Thema in der Liga sprechen werden. Dabei hoffen wir, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird, sowohl den Spitzenclubs wie dem FC Bayern München, der international konkurrenzfähig bleiben muss, wie auch den Zweitligisten, für die die Fernseheinnahmen einen wichtigen Teil des Etats bilden."

Sollte Arena in der Lage sein, ihr Angebot flächendeckend zu vertreiben, werden auch die Fans profitieren. Arena-Manager Bernard de Roos bestätigte am Donnerstag, dass das Bundesliga-Paket zirka 20 Euro im Monat kosten soll - was mehr als ein Drittel unter dem alten Premiere-Preis liegt. Der Kauf eines neuen Decoders sei für Premiere-Kunden nicht notwendig. Außerdem werden die Fans ein Parallel-Angebot im Internet finden: Die Telekom hat die Online-Rechte an der Bundesliga gekauft und will mit Fußball die Verbreitung von DSL-Anschlüssen vorantreiben. Was genau die Telekom vorhat, verriet Vorstand Walter Raizner auf der Münchner Pressekonferenz nicht. Auch hier heißt es: abwarten.

Verbraucherzentrale in "Hab' Acht"

Problematisch ist die Lage allein für Fans, die in den vergangenen Monaten ein Premiere-Abo gekauft haben - mit einer Laufzeit von zwölf Monaten und mehr. Da die Bundesliga ab Mitte 2006 nicht mehr von Premiere übertragen wird, schauen sie in die Röhre.

Die Stiftung Warentest hat jedoch bereits einen kleinen Leitfaden herausgegeben (siehe Kasten), wie man Premiere-Verträge wieder los wird. Und falls Premiere sich querstellt und die Kündigung verweigert, wollen die Verbraucherzentralen aktiv werden. "Dann sind wir im Spiel", sagte Sprecher Christian Fronczak zu stern.de.

kb,sb,lk/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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