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Bundesliga

6:1-Gala gegen Stuttgart Die Bayern feiern ihre neue Leichtigkeit


Mit einer berauschenden Tor-Gala haben die Bayern die Tabellenführung zurückerobert. Gegner Stuttgart war ohne Chance. Der verschärfte Konkurrenzkampf scheint das Team zu beflügeln.
Von Tim Schulze

Es lief die 51. Minute, als der viel Geplagte auch ein Erfolgserlebnis feierte. Bastian Schweinsteiger erzielte den sechsten Treffer im Spiel gegen Stuttgart per Kopf, das gelingt ihm nur selten. Er hatte genügend Zeit, in Position zu laufen, und den Ball nach einer Flanke von Thomas Müller unbedrängt über die Linie zu nicken. Die Freude über seinen Treffer war Schweinsteiger anzusehen, er grinste entspannt, streckte die Zunge raus und ließ sich von den Mitspielern abklatschen. Die Stuttgarter hatten zu diesem Zeitpunkt längst aufgeben.

Wie auch schon in der ersten Halbzeit fabrizierten die Schwaben hanebüchene Fehler und Ballverluste, die die Bayern konsequent ausnutzten. Stuttgart hatte stark begonnen, war sogar durch Martin Harnik in Führung gegangen, doch die Bayern brauchten nach dem Rückstand nur acht Minuten, um das Spiel durch einen Doppelschlag (Müller, Kroos) zu drehen. Luiz Gustavo erhöhte noch einmal vor dem Halbzeitpfiff, nach der Pause trafen die Bayern fast im Minutentakt (Mandzukic, Müller, Schweinsteiger) und schraubten das Ergebnis auf 6:1 hoch. Die Münchner haben mit dieser Torgala die Tabellenführung von Eintracht Frankfurt zurückerobert. Nur diese beiden Teams haben sechs Punkte, die Bayern aber das bessere Torverhältnis.

Nach dem Spiel herrschte eine allgemeine Seligkeit in den Katakomben der Allianz Arena (außer bei den Stuttgartern, die mit null Punkten und 1:7-Toren auf dem letzten Platz stehen). Schweinsteiger war das Aushängeschild dieser neuen Leichtigkeit, nach dem Spiel gestand er: "Die gesamte Mannschaft hat gut gespielt. Das wichtigste für mich ist, dass ich beschwerdefrei bin, da fühlt man sich anders und tritt auch anders auf", erklärte er. Seit einer Woche trainiere er ohne Schmerzen – das erste Mal seit Februar, fügte er hinzu. Auch dieser Umstand gehört zum perfekten Wochenausklang der Münchner.

Martinez feiert ein kurzes Debüt

Dabei stand der glückliche Schweinsteiger wahrscheinlich nur in der Startelf, weil Arjen Robben kurzfristig wegen eines Infekts passen musste. Jupp Heynckes ließ Müller (zwei Tore) auf der rechten Außenbahn spielen, wo der leichtfüßig wirbelte, genauso wie sein Pendant auf der linken Seite, der wiedergensene Franck Ribéry. Toni Kroos verrichtete seinen Dienst als Spielmacher hinter der Spitze, und bewies erneut, dass es seine Lieblingsposition ist. Im defensiven Mittelfeld fühlt sich Kroos längst nicht so wohl, da schiebt der Rostocker oft nur Dienst nach Vorschrift. Als Freigeist in der offensiven Schaltzentrale spielt er dagegen regelmäßig groß auf.

Doch vielleicht hat die neue Leichtigkeit der Bayern auch mit einem Spieler zu tun, der zunächst auf der Bank saß und an diesem Tag seinen 24. Geburtstag feierte. Javier Martinez, der 40-Millionen-Mann, gab sein Debüt im Bayern-Trikot: In der 77. Minute nahm er den Platz für Schweinsteiger ein. Der Spanier durfte sich noch ein wenig den Münchner Fans zeigen, die ihn mit lauten Sprechchören empfingen. Viel war nicht von ihm zu sehen, aber die Partie war ja auch längst gelaufen.

Insgesamt 70 Millionen Euro haben die Bayern für neue Spieler ausgegeben. Pizarro, Mandzukic, Dante, Shaqiri und Martinez wurden geholt, um die Mannschaft zu verstärken - und um den Konkurrenzkampf im Team anzufeuern. Gerade dieses Vorhaben scheint im Moment hervorragend zu funktionieren, zum Beispiel bei Luiz Gustavo: Der Brasilianer wird voraussichtlich auf der Bank landen, wenn Martinez in die Stammelf neben Schweinsteiger rückt. Der Brasilianer lieferte gegen Stuttgart ein starkes Spiel und hämmerte den Ball aus 30 Metern ins Tor. Das gelingt Gustavo auch nicht alle Tage – die Konkurrenz scheint ihn zu beflügeln, so leicht will Gustavo seinen Platz nicht räumen.

Auch Schweinsteiger ist nicht unantastbar

Und auch Schweinsteiger ist nicht unantastbar, solange er noch körperliche Defizite hat. Die spannende Frage lautet, wie die Integration von Martinez gelingt. Noch kann niemand sagen, ob der Spanier die hohe Ablösesumme wirklich wert ist. Die Mannschaft, die auf dem Platz stand, hat nicht sechs Tore erzielt, um Martinez ein schönes Geburtstaggeschenk zu bereiten. Die neue Leichtigkeit ist Moment auch eine Folge der teuren Frischzellenkur.

Denn auch auf anderen, zentralen Positionen gibt es ein mächtiges Gedrängel. Heynckes hat ja auch auf anderen Positionen mehr Möglichkeiten. Wie wird Mario Gomez auf die verschärfte Konkurrenz reagieren, wenn er wieder fit ist? Was passiert mit dem großartigen Kroos, wenn Robben wieder ins Team rückt und Müller verdrängt, der sich wiederum gern auf der Spielmacherposition sieht? Hier die Balance zu halten, ist die große Herausforderung für Heynckes. Wenn er es schafft, gewinnen die Bayern in dieser Saison mindestens einen Titel.


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