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Bundesliga-Relegationsspiel: So lief das Chaos-Spiel von Düsseldorf

Nach der ersten Minute scheint die Partie so gut wie entschieden, in der 60. Minute bricht das Chaos aus. Das Spiel Düsseldorf gegen Berlin geht in die Geschichte ein - Chronik des Tumults vom Rhein.

So sahen die Randale von der Tribüne aus

1. Minute Schon nach rund 30 Sekunden fällt die Vorentscheidung: Der Düsseldorfer Maximilian Beister setzt sich hinter der Mittellinie ab und trifft aus 25 Metern ins Tor. Die Rheinländer führen mit den Toren aus dem Hinspiel nun 3:1 - die Fans in Rotweiß feiern schon lautstark den Aufstieg.

22. Minute

Hertha BSC muss nun noch mindestens zwei Tore schießen, um eine Chance auf den Verbleib in der Bundesliga zu haben. Berlins Änis Ben-Hatira macht den Anfang und erzielt per Kopf das 1:1.

54. Minute

Wegen eines überharten Einsteigens gegen den Düsseldorfer Adam Bodzek bekommt Ben-Hatira die zweite gelbe Karte in diesem Spiel und muss den Platz verlassen.

59. Minute

Nur fünf Minuten nach der gelb-roten-Karte geht Düsseldorf 2:1 in Führung. Herthas Torwart Kraft springt ein Kopfball von Ranisav Jovanovic vom Fuß ins Tor. Nur wenige Augenblicke später werfen Berliner Fans Dutzende Bengalos in Richtung Spielfeld.

60. Minute

Mehr oder weniger zeitgleich zünden auch Düsseldorfer Fans Bengalos. Minutenlang muss das Spiel unterbrochen werden. Der Böller-"Regen" aus dem Hertha-Block hört nicht auf. Der Düsseldorfer Stadionsprecher ermahnt das Publikum immer wieder, mit dem Zündeln aufzuhören. Auch die Spieler beider Mannschaften versuchen, ihre Fans zum Aufhören zu bewegen. Eine Werbebande fängt Feuer. Vor dem Berliner Block marschieren Polizisten auf.

Schiedsrichter Schiedsrichter Wolfgang Stark macht unmissverständlich klar, dass bei jedem weiteren Bengalo-Einsatz das Spiel abgebrochen werden wird. Nach ungefähr fünf Minuten beruhigt sich die Lage, die Partie geht weiter.

62. Minute

Auch auf dem Platz ist die Stimmung angespannt: Düsseldorfs Verteidiger Assani Lukimya und Herthas Verteidiger Christian Lell geraten ernsthaft aneinander. Später sagt Düsseldorfs Manager Manager Wolf Werner, dass Lukiyma von Lell "böse" beleidigt worden sei. Auch von einer Spuckattacke ist die Rede.

85. Minute

Die nächste Viertelstunde bleibt es ruhig. Erst als Berlins Raffael mit seinem Treffer zum 2:2 sein Team zurück ins Spiel bringt, wird die Partie doch noch spannend: Die Hertha braucht noch einen Treffer, um den Abstieg zu verhindern. Die Fans des Klubs antworten wieder mit Böllern. Obwohl Schiedsrichter Wolfgang Stark für diesen Fall mit einem Spielabbruch gedroht hatte, lässt er die Partie nun weiterlaufen.

90. Minute

Der vierte Schiedsrichter zeigt die Nachspielzeit an: sieben Minuten. Pfiffe der Düsseldorfer Fans. Feierwütige Düsseldorfer drängen bereits in den Innenraum und postieren sich hinter den Werbebanden. Ordner und Polizei bekommen den Andrang nicht unter Kontrolle, doch die Fans sind (noch) diszipliniert.

96. Minute

Das Chaos beginnt: Nach einem Abseitspfiff stürmen Hunderte von Düsseldorfer Fans auf den Rasen. Doch das Spiel ist noch nicht beendet, anderthalb bis zwei Minuten sind noch zu spielen. Die Lage gerät außer Kontrolle: Sowohl Ordner als auch Spieler versuchen, dem Düsseldorfer Anhang die Situation klar zu machen.

Die Fortuna-Spieler herrschen ihren Anhang an. Ganz vorne dabei: Sascha Rösler, der bisher auf der Bank auf seinen Einsatz waretet. Er verweist persönlich die Fans des Platzes.

An einigen Stellen reißen Fortuna-Fans Stücke aus dem Rasen heraus. Ein Mann wird dabei gefilmt, wie er den Elfmeterpunkt ausgräbt und damit glückselig über den Platz läuft.

Der Stadionsprecher versucht, das feiernde Volk vom Platz zu schicken. Die Anzeigentafel klärt die Leute auf, dass das Spiel noch nicht beendet ist. Fortunas Trainer Norbert Meier sein Berliner Kollege Otto Rehhagel beugen sich dem Chaos und gehen in die Katakomben.

Nach rund zehn Minuten kehrt Schiedsrichter Wolfgang Stark wieder zurück auf das Spielfeld und macht sich ein Bild von der Lage. Zahllose Ordner und Polizisten drängen die Fans vom Rasen und bauen sich vor den Rängen auf.

Kurz darauf betreten auch die Düsseldorfer Spieler wieder den Platz. Nur die Berliner Spieler von Hertha BSC bleiben in der Umkleidekabine. Hertha-Manager Michael Preetz soll Schiri Stark gefragt haben, ob er für die Sicherheit seiner Spieler garantieren könne. Nein, habe der Spielleiter geantwortet. Allerdings wolle er das Spiel auf Bitte der Polizei fortsetzen, "nicht wegen des Fußballs, sondern um eine Eskalation - man hat von einem Blutbad gesprochen - zu verhindern", sagt Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt am nächsten Morgen in einem Interview im ZDF. "Gestern ging es nur darum, Schlimmeres für den deutschen Fußball zu verhindern", so der Jurist.

Nach rund 20 Minuten, um

22.46 Uhr

, pfeift Wolfgang Stark die Partie wieder an - und 90 Sekunden später tönt der Schlusspfiff. Die Spieler von Hertha BSC bestürmen den Referee, weil ihrer Ansicht nach das Spiel 30 Sekunden länger dauern müsste. Der Endstand: 2:2.

97. Minute

Wieder stürmen die Düsseldorfer Fans den Rasen. Doch nun ist die Partie auch offiziell beendet, der Verein nach 15 Jahren wieder erstklassig. Allerdings ist nicht klar, ob Hertha BSC Berlin Protest gegen das Spiel einlegt. Bereits während der Unterbrechung machten entsprechende Gerüchte die Runde. Sollte der Klub vor das DFB Sportgericht ziehen, könnte das Ergebnis möglicherweise annulliert werden.

Nacht zu Mittwoch

In Düsseldorf bleibt es friedlich. Allerdings wird ein Sonderzug mit etwa 750 Hertha-Fans nach Angaben der Bundespolizei in Hamm angehalten. Der Zug habe wegen zerschlagener Fensterscheiben für drei Stunden im Bahnhof gestanden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Einer der elf Waggons muss aus Sicherheitsgründen abgehängt und ersetzt werden.

Mittwochmorgen

Der Kontrollausschuss des DFB ermittelt wegen der Fantumulte. Ob Hertha BSC Einspruch gegen die Wertung des Relegationsspiels einlegen wird, ist weiter unklar. Der Verein hat dazu bis Donnerstag Zeit. "Es ist unsere Verantwortung, darüber nachzudenken. Das sind wir auch unseren Fans schuldig", sagt Teammanager Michael Preetz.

nik/DPA/Reuters / DPA / Reuters

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