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Christoph Daum: Nein heißt ja

Fußball-Zweitligist 1. FC Köln hat Christoph Daum als neuen Trainer verpflichtet. Eine solche skurrile Verpflichtung eines Coaches hat es in der Geschichte des deutschen Fußballs noch nicht gegeben.

Von Daniel Theweleit, Köln

Christoph Daum wird jetzt doch Trainer des 1. FC Köln. Das hatte sich am Samstagabend angedeutet, war am Sonntag rund um das erschreckend schwache 1:2 der Kölner gegen 1860 München zur Gewissheit gereift und wurde nach der Partie bestätigt. "Ich darf Ihnen mitteilen, dass Christoph Daum und der FC sich bis zum 30. Juni 2010 auf eine Zusammenarbeit geeinigt haben", verkündete Manager Michael Meier. Der Wunschtrainer soll sein Amt nach der Genesung von seiner Halsoperation am 27. November antreten. Mit seiner Rückkehr nach 16 Jahren geht der große Traum des 1. FC Köln in Erfüllung, und doch ist es den Partnern gelungen, ihrer Verbindung einen bitteren Beigeschmack zu verleihen.

Denn das Hin und Her der vergangenen Tage mit Hanspeter Latours Entlassung, Meiers Krankenbesuch bei Daum, der bizarren Hospitalpressekonferenz, mit der Absage und dem postwendenden "Ich will doch" des Umworbenen kommt einer Posse gleich. Zuerst lieferte sich die Klubführung um Präsident Wolfgang Overath den Launen des Fußballlehrers aus, kassierte einen Korb und wirkte ratlos bei der Trainersuche. Daums Meinungsumschwung nur drei Tage später lässt nun Zweifel an der ohnehin beschädigten Glaubwürdigkeit des Trainers aufkommen.

Eine "Herzensangelegenheit" sei diese Kehrtwende, hieß es am Sonntag am Rande der Zweitligapartie. Wie Manager Meier berichtete, habe Daum ihn am Samstagvormittag angerufen und mitgeteilt, "dass er nicht mit dieser Entscheidung in Harmonie kommen könne". Wilde Spekulationen über die Gründe für Daums plötzliche Zusage konnte Meiers Auftritt nicht verhindern. Gab es etwa Neuigkeiten von den Ärzten über Daums Erkrankung? Hat die heftige Kritik der Kölner Fans und der Medien den Trainer umgestimmt? Daum selbst bittet darum, bis zum ersten Trainingstag von der Öffentlichkeit in Ruhe gelassen zu werden, so ließ er über Meier ausrichten.

Schnell zur Einigung gekommen

Nach Daums Anruf waren die Verhandlungen sofort wieder aufgenommen worden. Am Sonntagvormittag bat der 1. FC Köln in einer Pressemitteilung dann um Verständnis dafür, "dass der Klub die Konzentration ausschließlich auf das Heimspiel gegen 1860 München richtet und am heutigen Tag keine Stellungnahme zum Thema Christoph Daum abgegeben wird". Unmittelbar vor der Partie wollte Meier zwar Fragen zu Daum nicht beantworten, aber seiner Miene war eine gewisse Zufriedenheit anzusehen. Angeblich lag Daum Minuten vor dem Spiel der unterschriftsreife Vertrag vor. Man sei "schnell zu einer Einigung gekommen, weil die Eckpunkte ja schon in der ersten Verhandlungsrunde vereinbart wurden", sagte Meier nach dem Spiel. Das Jahressalär des Trainers soll 2,5 Mio. Euro betragen. Daums Rückkehr in den deutschen Profi-Fußball nach sechsjähriger Abstinenz mag ein Trost für den gebeutelten 1. FC Köln sein, der nach seiner zweiten Heimniederlage in Folge auf Platz zehn der Tabelle abgerutscht ist. Besonders der ins Zentrum der Kritik geratene Wolfgang Overath kann sich nun auf eine ruhigere Jahreshauptversammlung am morgigen Dienstag einstellen. Viele Anhängern haben den einst gefeierten Präsidenten als Hauptschuldigen für die Krise ausgemacht. Die Einigung mit Daum wird die Gemüter ein wenig beruhigen, denn selbst die Flatterhaftigkeit des 53-Jährigen während der vergangenen Tage hat seine Popularität bei den Fans nicht geschmälert. Während des Spiels gegen die Münchner brandeten schon nach wenigen Minuten "Christoph Daum"-Sprechchöre auf.

50 Mio. Euro für dreieinhalb Jahre Daum

Allerdings bedeutet der Trainerwechsel wohl die endgültige Abkehr des FC von der lange propagierten Philosophie des nachhaltigen Wirtschaftens. Als Daum im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem "Kölner Stadtanzeiger" gefragt wurde, unter welchen Umständen er nach Köln käme, sagte er in Anspielung auf die berühmte Kölner Finanzunvernunft den schönen Satz: "Ich gehe doch nicht zu einer Bank."

Geld zu investieren und neue, unter Umständen auch teure Spieler zu verpflichten, dies gehört zu den vereinbarten Eckpunkten zwischen Klub und Trainer. "Er ist ein großer Trainer und wird eine große Mannschaft aus uns machen", sagte Özalan Alpay, der einst unter Daum in Istanbul spielte. Dreieinhalb Jahre Daum werden den 1. FC Köln 50 Mio. Euro kosten, so rechnet man schon in der Domstadt hoch, und damit wäre Manager Meier zurück auf jenem Pfad, den er einst mit Borussia Dortmund gegangen ist. Mit den bekannten Folgen.

FTD

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