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Comeback-Versuch: Ronaldo kehrt heim

Ronaldo ist nicht mehr arbeitslos: Nachdem sein Vertrag mit dem AC Mailand im Sommer ausgelaufen war, hat der dreimalige Weltfußballer jetzt einen neuen Club gefunden. Nach 14 Jahren in Europa kehrt der Brasilianer zurück in die Heimat.

Begeisterung in São Paulo, Wut und Entsetzen in Rio de Janeiro: Einen Tag nach der Bekanntgabe der spektakulären Ronaldo-Verpflichtung gingen in den Corinthians-Fanshops Trikots zu je 56 Euro mit dem Emblem des "Phänomens" über die Ladentheke. Dagegen titulierten wütende Flamengo-Anhänger ihren bisherigen Liebling als "Verräter" und verbrannten rot-schwarze Trikots mit dem Konterfei des Stürmerstars. Die Fans hatten eigens eine Aktion ("Fica, Ronaldo" - "Ronaldo, bleib'") ins Leben gerufen, um Geld für einen Vertrag zu sammeln. Doch die Internet-Seite wurde am Mittwoch abgeschaltet mit dem Hinweis: "Wir danken allen 158 000 Rubro-Negros (Rot-Schwarzen), die Teil dieser Bewegung waren, aber unglücklicherweise ist das Phänomen nicht geblieben."

Die Einigung mit dem SC Corinthians São Paulo war am Dienstag beim Frühstück mit Vereins-Chef Andrés Sanchez, Ronaldo und dessen Agenten Fabiano Farah in Ronaldos Heimatstadt Rio de Janeiro gekommen. Im Januar, spätestens im Februar will der 32 Jahre alte dreimalige Weltfußballer wieder auf dem Platz stehen. Nach 14 Jahren bei Spitzenclubs in Europa läuft Ronaldo erstmals wieder als "Nummer 9" für einen brasilianischen Verein auf. Für den Ausnahmefußballer endet damit die vertragslose Zeit und eine mehrmonatige Leidensgeschichte nach einem Patellasehnenriss im Februar. Es ist vermutlich die letzte Chance für das brasilianische Idol. Mit dem Comeback will er sich auch für die Fußball-WM 2010 in Südafrika ins Gespräch bringen.

In Rio de Janeiro kurierte der Stürmer in den vergangenen Monaten seine Verletzung aus und trainierte mit seinem erklärten Lieblingsclub Flamengo. Dort stieß die Entscheidung Ronaldos für den Rivalen Corinthians auf herbe Enttäuschung bei Fans und Funktionären. Der Stürmer verteidigte aber den Laufpass für seine alte Liebe und den Vorstoß zu Corinthians: "Ich bin von Herzen Flamengo-Fan, aber während der letzten vier Monate Training hier ist nichts passiert - ich habe kein Projekt, keine Idee und kein Angebot bekommen". Die Zeitung "O Globo" und auch Flamengo-Funktionäre sehen das anders. Ronaldo habe sich im rot-schwarzen Fan-Trikot ins Maracanã-Stadion gesetzt und von seiner Präferenz für Flamengo geschwärmt.

Und dann kam - zumindest für Flamengo - wie aus heiterem Himmel der Wechsel nach São Paulo. "Das war eine Enttäuschung", sagt Flamengo-Präsident Màrcio Braga. Über die finanzielle Seite des Vertrages mit der Laufzeit über ein Jahr und der Option auf ein weiteres Jahr wurden zunächst keine konkreten Details mitgeteilt.

Aber die Führung des in diesem Jahr wieder aufgestiegenen viermaligen brasilianischen Meisters Corinthians machte deutlich, worum es vor allem geht: ums Geschäft. "Wir machen keinen Vertrag mit Ronaldo, sondern mit einem Unternehmen", sagte Vereinspräsident Sanchez. "Wenn er (Ronaldo) die Möglichkeit hat, für den Club Einnahmen zu bringen, verdient er es, mehr zu verdienen."

Helmut Reuter, DPA / DPA

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