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DFB-Team: "Wir müssen selbstbewusster auftreten"

Er gehört zu den WM-Hoffnungsträgern von Jürgen Klinsmann: Per Mertesacker ist aus dem Abwehrverbund des DFB-Teams nicht mehr wegzudenken. Vor dem Testspiel gegen die Türkei sprach stern.de mit der "Latte" von Hannover 96.

Per Mertesacker, in der Bundesliga läuft es für Hannover derzeit nicht rund. Tut in so einer Situation eine Luftveränderung mit zwei Länderspielen am Stück vielleicht sogar ganz gut?

Ich bin gerne im Kreis der Nationalmannschaft, wir haben hier ein exzellentes Klima. Dazu kommt, dass man sich über das DFB-Team auch neues Selbstvertrauen erarbeiten kann. In den Testspielen geht das natürlich am besten. Aber das gilt genauso für die Fitnesstests, die wir jetzt hinter uns haben. Wer da mit guten Werten herausgeht, hat einen Vorteil. Insofern tut mir die Luftveränderung wirklich gut.

Vor fast genau einem Jahr haben Sie ihr Länderspieldebüt gefeiert. Mittlerweile gehören Sie zu den Stützen in der Mannschaft von Jürgen Klinsmann. Und das mit gerade mal 21 Jahren. Kommt die WM 2006 eigentlich nicht viel zu früh für Sie?

Eine WM kann gar nicht zu früh kommen, da können Sie jeden Fußballer fragen. Aber ich weiß schon, auf was Ihre Frage abzielt. Meine Entwicklung als Fußballer ist sicherlich noch nicht abgeschlossen, ich lerne gerade auch bei der Nationalmannschaft immer noch viel dazu. Und auch wenn der Prozess bis zur WM vielleicht noch andauert, bin ich überzeugt davon, dass wir junge Spieler dem Erwartungsdruck standhalten werden. Vielleicht sogar besser als die Etablierten.

Das DFB-Team hat zuletzt schwankende Leistungen abgeliefert. Wie erklären Sie sich knapp neun Monate vor Beginn der WM die fehlende Konstanz?

Wir haben beim Confed Cup überzeugt. Das war ein Turnier, das über mehrere Wochen lief. Wir konnten uns einspielen, der Rhythmus war da. Im Moment sind wir etwas aus dem Tritt gekommen. Aber es wird langsam besser. Der Coach setzt im Training die richtigen Reize. Entscheidend wird sein, dass die Mannschaft von Verletzungen verschont bleibt und ab sofort wieder selbstbewusster auftritt.

Christian Wörns, Ihr Partner in der Innenverteidigung, wurde von Jürgen Klinsmann für die kommenden Testspiele nicht berücksichtigt. Wie wichtig ist ein erfahrener Haudegen wie Wörns gerade auch im Hinblick auf ein WM-Turnier?

Christian ist für jede Mannschaft eine Bereicherung, sowohl sportlich als auch menschlich. Für mich ist er immer noch ein wichtiger Ansprechpartner. Und nur weil er jetzt zweimal nicht dabei ist, heißt da ja noch lange nicht, dass der WM-Zug ohne ihn abgefahren ist.

Christoph Metzelder ist nach langer Pause dagegen wieder mit dabei. In Ihrem Alter wurde er 2002 Vizeweltmeister und fiel danach (auch verletzungsbedingt) in ein tiefes Leistungsloch. Haben Sie Angst, dass Ihnen Ähnliches widerfahren könnte?

Ich habe ihn ja jetzt erst kennen gelernt. Er ist ein Kämpfer, der sich diese Chance verdient hat. Und er hat gezeigt, dass man konsequent weiterarbeiten muss, auch wenn es nicht läuft. 'Metze' hat eine Leidenszeit hinter sich, die man sich kaum vorstellen kann. Ich habe keine Angst vor einem Leistungstief, aber vor Verletzungen...ja, das ist das Schlimmste.

Zurück zur Nationalmannschaft: Die Trainingsmethoden von Jürgen Klinsmann werden in der Öffentlichkeit heiß diskutiert. Der Coach hat einen richtigen Betreuerstab um sich geschart, der Sie in vielerlei Hinsicht unterstützt. Selbst ein Mental-Trainer ist im Stab dabei. Haben Sie dessen Hilfe schon mal in Anspruch nehmen müssen?

Ich selbst noch nicht, zumindest nicht im Einzelgespräch. In der Gruppe gab es schon mehrere Treffen. Ich finde es in jedem Fall wichtig, dass wir bei Bedarf einen kompetenten Partner auch aus diesem Bereich hinter uns stehen haben.

Abschließend noch eine Frage: Ihr Vertrag läuft noch bis 2008. Ein Mann mit Ihren Fähigkeiten muss den Anspruch haben, international zu spielen. Das wird mit Hannover 96 mittelfristig nur schwer gelingen. Befinden Sie sich da nicht in einem inneren Konflikt?

Ich bin in Hannover aufgewachsen und hänge an diesem Verein. Ein Wechsel ist für mich kein Thema. Und wer weiß: Vielleicht schaffen wir ja doch irgendwann mal den Sprung ins internationale Geschäft. Daran werde ich alles setzen.

Das Interview führte Klaus Bellstedt

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