HOME

EM 2012: EM 2012 - Roy Hodgson als neuer England-Coach bestätigt

"Gentleman" Roy Hodgson ist für vier Jahre neuer Nationaltrainer Englands, sehr zum Missfallen von Fans, Buchmachern und der wenig zimperlichen Boulevardmedien. Die hatten den hemdsärmeligen Harry Redknapp bevorzugt und spotten jetzt über Hodgsons Sprachfehler und seine mäßige Bilanz.

Fans, Buchmacher und Medien favorisierten Harry Redknapp, doch die englische FA hatte einen anderen Plan. Sie ernannte Roy Hodgson zum neuen Coach der Nationalmannschaft und stattete ihn mit einem langfristigen Vierjahresvertrag bis nach der EM 2016 in Frankreich aus. Erstes Ziel: Mit England eine erfolgreiche EM 2012 spielen.

Aus Wasser habe er damals Wein gemacht, erklärte Roy Hodgson regelmäßig, wenn er auf seine allererste Trainerstation bei Halmstadt BK in Schweden angesprochen wird. 1976 hatte der Engländer den Fast-Absteiger übernommen und gleich im ersten Jahr zur Meisterschaft geführt. Eine ähnliche Leistung erhofft sich der englische Verband 36 Jahre später wohl nun erneut von ihm und betraute ihn mit der Nachfolge des bereits im Februar im Streit zurückgetretenen Fabio Capello.

"Über einen gewissen Zeitraum hatte sich Roy als der herausragende Kandidat verfestigt", erklärte FA-Chef David Berstein auf der Pressekonferenz den Schritt, der sich bereits seit dem Wochenende angedeutet hatte. "Am Montag haben wir uns dann in Wembley getroffen und schnell entschieden, dass Roy der richtige Mann ist, um uns durch die EM zu führen. Die Entscheidung war einstimmig. Zum ersten Mal haben wir einen englischen Trainer verpflichtet, der über internationale Erfahrung verfügt."

Hodgeson: Viel internationale Erfahrung, aber wenig spektakuläre Erfolge

Die hat Hodgson, mittlerweile 64 und noch bis Saisonende bei West Bromwich Albion unter Vertrag, in seiner mittlerweile 36-jährigen Trainerlaufbahn reichlich sammeln können. So arbeitete er bereits als Nationaltrainer der Schweiz, die er 1994 ins WM-Achtelfinale führte, der Vereinigten Arabischen Emirate und Finnlands, trainierte zudem u.a. internationale Clubs wie Inter Mailand und den FC Liverpool. Titel sammelte er allerdings lediglich in den relativ unbedeutenden skandinavischen Ligen.

Mit Halmstadt und Malmö wurde er insgesamt viermal Schwedischer Meister, holte mit Malmö zweimal den Pokal und gewann mit dem FC Kopenhagen je einmal den dänischen Landesmeistertitel und den Supercup. Seine bitterste Stunde erlebte er wohl 2011, als er nach nur 191 Tagen bei Liverpool gefeuert wurde. Dass er West Brom in dieser Saison im Mittelfeld der Premier League etablierte, brachte ihm zwar Anerkennung, geeignet für das Amt des Nationaltrainers halten ihn viele deswegen aber noch lange nicht.

Und genau deshalb reagiert die englische Öffentlichkeit auch mit großer Skepsis auf Hodgson. "Das große Glücksspiel mit Hodgson", titelte die Times. Von einer "schockierenden Wahl" schrieb der Guardian und auf mirror.co.uk wird der neue Nationaltrainer gar als "Hohepriester der Tabellen-Mittelfeld-Mittelmäßigkeit" und wie auf vielen anderen englischen Seiten wegen seiner Ausspracheprobleme mit dem englischen "r" verspottet. Das klinge demnach bei ihm immer mehr wie "w".

Gentleman Hodgson am Ende Redknapp vorgezogen

Die englischen Medien hätten lieber Tottenhams Redknapp auf dem Trainerstuhl gesehen. Viele Nationalspieler, darunter Wayne Rooney hatten sich öffentlich immer wieder für ihn starkgemacht. Doch der, so die weitverbreitete Meinung im Mutterland des Fußballs, passte der nach der Rassismus-Affäre um John Terry auf ihr Image bedachten FA wohl nicht in den Kram.

Zu frisch waren wohl noch die peinlichen Schlagzeilen, für die Redknapp während seines Steuer-Prozess gesorgt hatte, in dem er im Februar freigesprochen worden war. So wurde berichtet, dass er ein Konto in Monaco nach Hund "Rosie" benannte und dass er zugab, "wie ein Zweijähriger" zu schreiben. Allerdings gilt Redknapp auch als ein Querkopf und hätte wohl erst mit vielen Millionen Pfund aus seinem Vertrag bei Tottenham herausgekauft werden müssen.

Hodgson dagegen war ablösefrei zu haben, gilt zudem als "Englishman" mit Stil und damit als das komplette Gegenteil des hemdsärmeligen und etwas prolligen Redknapp. Hodgson ist kultiviert, belesen und gebildet, spricht neben Englisch acht weitere Sprachen nahezu fließend. Zudem wird er von Insidern als ziemlich diplomatisch charakterisiert. Der Daily Mirror drückte es mit "Ja-Sager im Blazer" etwas drastischer aus.

Keine leichte Aufgabe, die der neue Nationalcoach angesichts dieses Gegenwindes zu bewältigen haben wird. Aber dass Hodgson Wasser in Wein verwandeln kann, hatte er ja bereits in seiner Anfangsphase als Coach gezeigt. Vielleicht gelingt es ihm ja auch in der Endphase seiner Karriere. "England erwartet nicht viel, Roy, das sollte dir helfen", machte ihm Torjäger-Legende Alan Shearer Mut.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

Wissenscommunity