HOME

EM 2012: England gewinnt Gruppe, Ukraine scheidet aus

Wayne Rooneys Goldenes Tor beendete nicht nur eine achtjährige Torflaute bei internationalen Turnieren für ihn, sondern auch die Euro 2012 für Gastgeber Ukraine. Beim 0:1 in Donetsk regten sich die Ukrainer allerdings über Schiedsrichter Viktor Kassai auf - nicht ganz zu Unrecht.

Wayne Rooneys erstes Tor in seinem ersten Turnierspiel hat England den Gruppensieg in der Gruppe D gesichert und ein Viertelfinale gegen Italien anberaumt. In einem kampfbetonten Spiel hatten die Briten alle Hände voll zu tun, bis das 1:0 über die Zeit gebracht war. Schiedsrichter Viktor Kassai half mit einer Fehlentscheidung mit, als er ein reguläres Tor von Marko Devic nicht anerkannte.

Oleh Blokhin wechselte seine Offensive komplett aus und brachte für den verletzten Starstürmer Andriy Shevchenko sowie Andriy Voronin und Serhiy Nazarenko Marko Devic, Denys Garmash und Artem Milevskiy. Zudem rückte Yaroslav Rakitskiy für Taras Mikhalik in die Innenverteidigung. Roy Hodgson nahm nur eine Änderung vor und brachte den zuvor gesperrten Wayne Rooney auf Kosten Andy Carrolls in die Startelf.

Wie erwartet agierte England zunächst passiv und ließ die Ukrainer kommen, die von den Fans in Donetsk angefeuert wurden und mit einer unkonventionellen Formation immer wieder Verwirrung in der englischen Defensive erzeugten. Die Gastgeber waren in der ersten Hälfte klar das bessere Team, die beste Chance aber hatte Wayne Rooney für England, als er nach einer perfekten Ashley-Young-Flanke von links seinen Kopfball in frei stehender Position falsch timte und zu früh hochsprang, um Druck hinter den Ball zu bringen.

Terry immer wieder zur Stelle

Die Ukraine hatte durch den starken Andriy Yarmolenko zwei gute Möglichkeiten, einmal nach einem famosen Solo noch geblockt durch Joleon Lescott, einmal von Joe Hart pariert nach einem Schuss. Auch von der anderen Seite zog Yevhen Konoplyanka einmal gut nach innen und schloss mit perfekter Schusstechnik ab, Hart wäre chancenlos gewesen, aber John Terry, der beste Engländer, blockte exzellent.

So ging es mit 0:0 in beiden Spielen in die Pause, aber kurz nach Wiederanpfiff beendete Rooney seine achtjährige Wartezeit auf ein Turniertor und köpfte nach einem Torwartfehler am langen Pfosten zum 1:0 für England ein. Steven Gerrard hatte von rechts geflankt und damit in allen drei Vorrundenspielen ein Tor vorbereitet. Seine Flanke wurde noch zweimal leicht abgefälscht, aber dennoch hätte der ukrainische Keeper Andriy Pyatov den Ball nicht durchlassen dürfen.

Mitte der zweiten Halbzeit kam die Ukraine, die sich nicht aufgab, zu zwei guten Gelegenheiten, aber es fiel kein Tor, und bei beiden Szenen sahen die Unparteiischen nicht gut aus. Zunächst setzte Artem Milevskiy einen Kopfball aus fünf Metern über die Latte, hatte allerdings bei der perfekten Flanke durch Yarmolenko im Abseits gestanden.

Hinter der Linie gerettet

Milevskiy war es auch, der nach einem Anspiel aus der eigenen Hälfte im Abseits stand, bevor der Ball über (wen sonst?) Yarmolenko zu Devic kam, der ihn zum Ausgleich über die Linie hob - denn das Leder hatte mit vollem Umfang die Linie überquert, ehe John Terry ihn mit großer Rettungstat zurück ins Feld schlug.

Doch der Torrichter führte die Existenz seines ganzen Berufsstandes ad absurdum, als er in der einzigen Vorrundenszene, die seine Expertise wirklich erfordert hätte, genau hinter dem Pfosten stand und nichts sehen konnte.

So blieb es beim 1:0 für England. Blokhin brachte nun doch noch Shevchenko, aber dessen auffälligste Szene war ein völlig übermotiviertes Foul an der Mittellinie gegen Ashley Young, für das er zu Recht verwarnt wurde. Der Ukraine fehlten zwei Tore gegen England, also hätte auch der zu Unrecht verweigerte Treffer nichts am Ausgang geändert - England wäre auch mit einem 1:1 Gruppensieger geworden.

So spielen die Three Lions am Sonntag in Kiew gegen Italien, die Ukraine ist ausgeschieden - als fünfter von sechs Co-Gastgebern in der EM-Geschichte. Doch die Leistungen waren, gemessen an den Möglichkeiten der Mannschaft, völlig OK. In einer Gruppe mit England und Frankreich auszuscheiden, ist bei der ersten EM in der ukrainischen Fußballgeschichte keine Schande.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

Wissenscommunity