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EM-Vision: Wie die Griechen um den Sieg feilschen

Nur ein Gedanke: Die Griechen fliegen gegen die Deutschen raus und weigern sich, die Euro zu verlassen! Stattdessen wollen sie Gegentore vergemeinschaften lassen.

Eine Glosse von Walter Wüllenweber

Was ist das Beste am Fußball? Er ist das Gegenteil von Politik. Wären die Sportsmänner aus Hellas wie ihre Politiker, würde der Euro am Freitag das selbe Schicksal drohen wie dem EURO. Folgendes würde passieren.

Jogis Jungs schlagen die Griechen. Klar. Doch die Verlierer erkennen ihre Niederlage nicht an. Sie verlangen von der Uefa, das Ergebnis nachzuverhandeln. Sie wählen sich eine neue Mannschaft und bestehen darauf, die Partie noch einmal anzupfeifen. Trotz ihres Versagens auf dem Platz weigert sich die griechische Mannschaft, aus der Euro auszuscheiden und nach Hause zu fahren. Ziel des neuen griechischen Trainers sind nicht mehr Tore. Er will einfach mehr Zeit. Es soll so lange gespielt werden, bis Griechenland gewonnen hat.

Für die Tatsache, dass ihre Elf während der regulären Spielzeit so weit in Rückstand geraten ist, sind nach Ansicht der griechischen Öffentlichkeit nicht mangelnde Laufbereitschaft, die defensive Ausrichtung und eine Taktik aus dem letzten Jahrtausend verantwortlich, sondern einzig die Rücksichtslosigkeit der deutschen Mannschaft: Ohne je an die Bedürfnisse der anderen Teams zu denken, rennen die DFB-Spieler 90 Minuten ohne Verschnaufpause, zeigen technische Höchstleistungen und sichern sich gegenseitig ab. Schlimmer noch: Die Auswahl mit dem Adler auf der Brust hat Jahre harten Trainings und Entbehrung hinter sich, nur um die Kicker aus dem sonnigen Süden mit ihrer Kondition niederzukämpfen. Wie unfair!

Gegentore werden vergemeinschaftet

Um gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit im Fußball zu protestieren, drucken die Zeitungen in Athen Fotos von Bundestrainer Joachim Löw künftig nur noch mit Hitlerbärtchen und mit Hackenkreuz-Armbinde.

Nicht nur die Griechen, bald fordern alle europäischen Fußballverbände den DFB zu mehr Hilfe auf. In einer solidarischen Euromeisterschaft soll künftig kein Land mehr mit der unerträglichen Last der Gegentore alleine gelassen werden. Gegentore werden vergemeinschaftet. Sie heißen künftig Euro-Tore. Alle Mannschaften müssen dafür gerade stehen. Wegen ihrer überaus positiven Torbilanz werden den Deutschen massenweise Gegentore anderer Teams in die Tabelle geschrieben. Bundestrainer Löw verweist auf Badstuber, Hummels und Neuer - die deutsche Tor-Bremse - und fordert die anderen Verbände auf, sich in ihren Verfassungen zu ähnlichen Tor-Bremsen zu verpflichten.

Deutschland half den Griechen schon einmal

Sollte der DFB mehr Nachsicht üben? Sollten Gomez, Poldi und Bender ein paar von ihren Toren den Griechen überlassen, damit es auch für sie bei der Euro weiter geht? Schon einmal, 2004, hat Deutschland den Griechen geholfen, als es darum ging, in die Gemeinschaft der Europameister aufgenommen zu werden. Die Deutschen schickten Otto Rehagel, einen ihrer Besten. Die Experten haben damals schon erkannt, dass die Mannschaft trotz Rehagel noch mit Libero spielen musste - die selbe Taktik wie zu Kaisers Zeiten. Obwohl die Griechen nicht fit für den Euro-Titel waren, drückten die anderen Mannschaften beide Augen zu und ließen sie gewinnen.

Hat es sich gelohnt? Ist die Euro dadurch attraktiver geworden? Sind die Griechen näher an das offensive Spielsystem der anderen Mannschaften herangerückt? Nein! Das ganze Land taumelte vor Freude. Acht Jahre lang wurde gefeiert. Noch immer treten sie mit Ottos Uralt-Taktik an. Damit gefährden sie am Freitag sogar das sportliche Weiterkommen der starken Deutschen, ihrer einstigen Gönner und Förderer.

Das ist also der Dank.

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