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Wissenschaftliche Studie: Studie belegt: Es gibt ihn doch, den Bayern-Bonus

Früher sprach man von Bayern-Dusel, heute vom Bayern-Bonus: Unter vielen Fans und Kritikern gilt es als ausgemacht, dass der Rekordweltmeister häufig bevorzugt wird - Wissenschaftler sind dem Verdacht jetzt nachgegangen.

Bayern-Dusel

Spitzenmannschaften wie der FC Bayern werden von Schiedsrichtern oft bevorzugt

Der berühmt-berüchtigte Bayern-Dusel war früher im deutschen Fußball ein gern gebrauchtes (Schimpf-)Wort. Zu oft hatte man das Gefühl, dass da irgendetwas nicht richtig läuft, wenn die Bayern mal wieder ein Spiel in allerletzter Minute gedreht hatten, etwa durch einen fragwürdigen Elfmeter oder ein übersehenes Abseits. Das Wort vom Dusel ist heute etwas aus der Mode gekommen, aktuell sprechen Fans und Kritiker vom Bayern-Bonus, den die Schiedsrichter dem Rekordmeister gefühlt allzu oft gewähren. Etwa wenn sich Trainer Pep Guardiola wie ein Derwisch an der Seitenlinie aufführt und keine Bestrafung durch den Unparteiischen befürchten muss. Oder wenn der gegnerischen Mannschaft einfach kein Elfmeter zugestanden wird.

Aber ist an den Vorwürfen eigentlich etwas Wahres dran? Oder ist es nur der schlichte Neid auf den Erfolg der Münchner, der bei den Kritikern die Wahrnehmung trübt? Das Phänomen wurde jetzt erstmals wissenschaftlich untersucht, und siehe da: Der Bayern-Bonus existiert tatsächlich.

Spitzenmannschaften werden allgemein bevorzugt

"Spielt der FC Bayern München gegen eine Mannschaft, die in der 'ewigen Tabelle' keinen Spitzenplatz einnimmt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Elfmeter dem schwachen Team fälschlicherweise nicht gegeben wird, drei Mal größer als im statischen Mittel", heißt es in einer Studie, die Professor Eberhard Feess (Frankfurt School of Finance & Management), Dr. Helge Müller (Philipps-Universität Marburg) und der Frankfurt-School-Absolvent Paul Bose verfasst haben. Das berichtet die Online-Ausgabe des "Vice-Magazins".

Die Wissenschaftler analysierten Tor- und Elfmeterentscheidungen aus allen 4.248 Bundesliga-Partien zwischen 2000 und 2014. Darunter waren 2000 aberkannte Tore und 666 falsch gegebene Elfmeter. Das Augenmerk der Wissenschaftler lag auf der Analyse der als "falsch" kategorisierten Entscheidungen.

Erfolg ist immer ein Vorteil

Den Vorteil genießen andere Spitzenmannschaften ebenfalls. Schwächeren Teams wird demnach viel seltener ein Strafstoß zugesprochen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Schiedsrichter einem schwachen Team, das gegen ein Top-Team spielt, einen berechtigten Elfmeter verweigern, ist etwa 40 Prozent höher als bei Top Teams", heißt es in der Studie. Zudem profitierten Heimmannschaften und Teams, die für es um viel geht (etwa um den Klassenerhalt), von unbewussten Bevorzugungen durch die Unparteiischen.

Es ist also immer ein Vorteil, Erfolg zu haben. Und den haben die Bayern. Positiv ausgedrückt könnte man eine Phrase des Fußballs bemühen: Die Bayern haben sich ihr Glück, das sie bisweilen haben, durch sportliche Leistungen verdient.

Tim Schulze

Wissenscommunity