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FC Bayern schlägt Gladbach: Ein Sieg mit vielen Unbekannten

Trotz des 3:1 gegen Gladbach versprüht der FC Bayern noch nicht die Dominanz der letzten Saison. Die Idee vom ganzheitlichen Spiel von Pep Guardiola scheint die Mannschaft noch zu überfordern.

Von Mathias Schneider, München

Mit einem Nasenspray in der Hand marschierte Arjen Robben zu später Stunde durch den Bauch der Allianz-Arena, aber es galt wohl wirklich nur eine Erkältung abzuwehren. Entwarnung also an der Dopingfront. Dafür sind die Viren dem Niederländer auf den Fersen, offenbar deutlich hartnäckiger als jene Gladbachern zuvor. Denen war Robben schon in der zwölften Minute entwischt.

Der erste Treffer beim Prolog dieser neuen Bundesliga-Saison seines FC Bayern München gegen die Borussia hatte vorübergehend zur Beruhigung der Hausherren beigetragen, Arjen Robben wäre deshalb ein veritabler Kandidat für die beliebte Rubrik "Man of the match" gewesen, zumal sein Treffer den 3:1-Erfolg einleitete.

Das Fuchteln des Pep Guardiola

Aber die Bundesliga vergibt diesen Preis überraschenderweise noch nicht, und auch sonst ist die feine Leistung dann ein bisschen untergegangen. Neuerdings sind die Augen in der Allianz-Arena nämlich vor allem auf einen Mann gerichtet, der nicht auf dem Rasen seinen Dienst schiebt, sondern daneben, dafür aber nicht minder imposant. Zu seiner Entlastung sei gleich gesagt, dass Pep Guardiola nicht im Ruch steht, ein Selbstdarsteller zu sein. Aber er sieht halt verdammt gut aus für einen Fußballtrainer und dann kam diesmal auch wieder die Garderobe dazu: Titangrauer Anzug, natürlich tailliert geschnitten, dazu nachtschwarze Lackschuhe – Casual war damit in der Vorbereitung, nun, da es endlich ernst wird, kommt der feine Zwirn wieder raus.

Mit ausladenden Gesten begleitete Guardiola die Darbietung seiner Elf, bisweilen musste man befürchten, dass er während der Partie aufs Feld laufen könnte, um einen seiner Jungs zu korrigieren. Hernach, als das Tagwerk verrichtet, der Druck endlich abgefallen war, saß er in der Pressekonferenz, den Blick vor sich auf das Pult gerichtet und wirkte ausgelaugter als mancher seiner aufgeräumten Profis nebenan in der Mixed Zone. "Es ist nie einfach, das erste Spiel mit dem neuen Verein", resümierte er. "Eine neue Mannschaft, mein Deutsch. Wir brauchten ein Ergebnis, um Ruhe zu haben, keinen Druck."

Ein undankbares Spiel für Schweinsteiger

Und der Druck ist beträchtlich, bedenkt man, dass sich da die erfolgreichste Mannschaft Europas mit einem Mann paart, der schon jetzt Woche für Woche damit beschäftigt ist, die Heldenverehrungen auf ein Normalmaß herunter zu dimmen. Also lobte Guardiola auch nach dem Spiel die Elf des Kollegen Favre, als führe der eine hochgefährliche Formation an. Demut als Geschäftsprinzip. Tatsächlich hatten die Gladbacher davor auch munter mitgespielt, sie wurden allerdings auch von einer Münchener Elf dazu ermutigt, welche offenbar noch auf der Suche nach einer Balance ist. Selten hat man sie in der Vorsaison hinten so einladend offen erlebt.

Guardiola hat sich ja nicht weniger vorgenommen, als die so erfolgreichen Bayern im Zenit ihrer Schaffenskraft zu reformieren. Munter wirbelte er seine Elf in der Vorbereitung durcheinander. Als es aber nun zählte, glichen die neuen Bayern dann zunächst doch stark den alten, mit einem kleinen, allerdings durchaus folgenreichen Unterschied: Guardiola stellte diesmal Bastian Schweinsteiger ohne den Spanier Martinez als Partner ins defensive Mittelfeld.

Weil Schweinsteiger aber beim eigenen Spielaufbau seine läuferischen Defizite nach langer Verletzung in den Tiefen der eigenen Viererkette zu verstecken versuchte, wo ihn kein Gegenspieler behelligte, kam das Spiel nur schleppend in Gang. Wagte er sich doch nach vorn, klaffte nach Ballverlust ein riesiger Canyon im Mittelfeld, der zum Schnellangriff einlud und Guardiola vorsichtig mahnen ließ, man müsse bei "Kontern ein bisschen kontrollierter" sein.

Es ist ein undankbares Spiel gewesen für Schweinsteiger, eben zum Fußballer des Jahres gewählt, vom eigenen Sportdirektor zum besten Mittelfeldspieler der Welt geadelt. Es sind nicht Schweinsteigers Stärken, die Guardiolas Ein-Mann-Strategie herausstreichen, eher das Gegenteil ist der Fall.

Wie viel Guardiola verträgt der FC Bayern?

Guardiola hat nach dem Spiel gesagt, er spiele gern mit nur einem Mittelfeldspieler vor der Abwehr, aber das sei keine Doktrin. "Viel-leicht muss ich mich an meine Spieler anpassen." Noch verstehen die nicht immer, was er meint. Bisweilen wirken die stolzen Tripler ein wenig irritiert, wenn Guardiola ihnen gestenreich das kleine Einmaleins des Positionsspiels und Pressings erklärt. Sie murren noch nicht, zu groß ist der Respekt, doch nicht nur der Stürmer Mandzukic scheint manchmal überfordert mit all den taktischen Vorgaben, wo er sich noch vor zwei Monaten schlicht kreuz und quer auf dem Feld ins Getümmel warf.

Pep Guardioala wird sich wohl bald entscheiden müssen, ob er seinen Weg konsequent weitergeht – und sich von manchem verdienten Profi trennt, der weder das taktische noch technische Rüstzeug mitbringt. Oder ob er am Ende die alten Bayern doch lieber sanft und vorsichtig in eine neue Welt führen will, unter Beachtung von Verdiensten und Hierarchien. Die Frage wird sein, wie viel Guardiola dieser FC Bayern verträgt? Und auf wie viel Guardiola der Überzeugungstrainer Guardiola verzichten kann, ohne sich selbst untreu zu werden?

Das erste Spiel ist gewonnen. Und doch stehen diese Bayern mit ihrem Trainer noch ganz am Anfang. In jeder Hinsicht.

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