Fussball "Ich war kein Lobbyist für Kirch"


Karlheinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, über den Zorn auf seinen Klub, das gescheiterte Modell des Pay-per-View und die Geschäfte mit dem Medienhändler

Karlheinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, über den Zorn auf seinen Klub, das gescheiterte Modell des Pay-per-View und die Geschäfte mit dem Medienhändler

Herr Rummenigge, der FC Bayern hat sich durch den geheimen Millionenvertrag mit Kirch viele neue Feinde gemacht. Befürchten Sie am Samstag beim Spiel in Cottbus Hasstiraden gegen ihre Mannschaft?

Die Stimmung wird angeheizt sein, das ist klar. Ich hoffe, dass uns jetzt nicht die blanke Wut entgegenschlägt wie damals, als unser Manager Uli Hoeneß während der Daum-Affäre von den aufgebrachten Zuschauern in Cottbus angespuckt wurde. Ich wünsche mir, dass die Vereinsführung beruhigend auf die Leute einredet und keinen Hass schürt.

Der Zorn ist auch so schon groß genug auf die Bayern. Die Liga wirft ihnen Vertrauensbruch und Betrug vor. Ihr Image als Vorzeigeklub ist dahin.

Unsere Gegner kritisieren uns, ohne zu wissen, was wirklich in dem Kirch-Vertrag stand.

Dann klären Sie doch mal alle auf.

Wir werden diesen Vertrag nicht öffentlich machen. Aber damit dieses Gerede endlich aufhört, wir hätten uns damit unsere Zustimmung für die zentrale Vermarktung abkaufen lassen, erzähle ich mal, was der wesentliche Punkt unserer Vereinbarung war: nämlich unsere Spiele im Pay-per-View zu zeigen.

Zu diesem Geschäft kam es nie.

Als wir mit Kirch den Vertrag aushandelten, war klar, dass die Bundesliga auch im Pay-per-View zu sehen sein sollte. Das heißt, der Zuschauer hätte jedes Live-Spiel seines Lieblingsklubs einzeln bestellen können. 64 Prozent der Einnahmen hätte der Gastgeber erhalten, der Gegner 32 Prozent und der Verband vier Prozent. Wir haben in diesem Land laut Umfragen mehr als zehn Millionen Fans. Wenn es uns gemeinsam mit Kirch gelungen wäre, nur fünf Prozent davon dazu zu bewegen, unsere Spiele zu buchen, dann hätte man bei einem Preis von fünf Euro pro Begegnung am Ende einer Saison 51 Millionen Euro eingenommen. Die Leute von Kirch sind nicht blöd, die wussten ganz genau, warum sie mit uns den Vertrag gemacht haben. Das wäre ein Riesengeschäft gewesen.

Warum wurde Pay-per-View dann doch nicht eingeführt?

Der Verband stellte schnell fest, dass vor allem Bayern München davon profitieren würde, da die meisten eben uns sehen wollen und nicht andere Klubs. Die Befürchtung war, dass wir dadurch den anderen Vereinen finanziell noch mehr enteilen würden.

Von dem Vertrag mit Kirch wusste die Deutsche Fußball-Liga, die DFL, nichts. Sie ist der Meinung, er hätte vorgelegt werden müssen. Der FC Bayern wird nach unseren Informationen deshalb eine hohe Geldbuße zahlen müssen. Werden Sie so eine Strafe akzeptieren?

Da möchte ich nichts vorwegnehmen, die DFL prüft ja gerade den Vertrag. Aber eines ist jetzt schon zu erkennen: Die DFL steht nach dem Sturm der Empörung sehr stark unter Zugzwang. Ich kann nur hoffen, dass sie noch wertfrei urteilen kann und sie sich nicht dem Druck der öffentlichen Macht beugt und eine populistische Entscheidung trifft.

Nicht nur der FC Bayern steht am Pranger. Auch Ihnen wird vorgeworfen, Sie hätten Lobbyarbeit für Kirch geleistet. Noch als dessen Imperium am Zusammenbrechen war, betonten Sie immer wieder: "Wir müssen zu unserem Partner stehen."

Alle in der Liga hatten ein Interesse daran, dass Kirch nicht Pleite geht. Meine Aussagen jetzt so zu interpretieren, dass ich Lobbyarbeit für Kirch betrieben habe, ist absurd. Ich hatte und habe nie eine persönliche Vereinbarung mit ihm und seinen Firmen getroffen. Nochmals: Ich war kein Lobbyist für Kirch.

Interview: Giuseppe Di Grazia


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