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FUSSBALL: Bahn ärgert Fußball-Fans

Die Bundesliga-Saison hat noch nicht begonnen und schon stehen die ersten Verlierer fest: die Fußball-Fans.

Die Bundesliga-Saison hat noch nicht begonnen und schon stehen die ersten Verlierer fest: Es sind die treuen Fußball-Fans, die ihre Clubs auch in die Stadien der Gegner begleiten wollen. Die neuen Tarife der Deutschen Bahn wird nach Ansicht der Anhänger die Reisen zu den Auswärts-Partien erheblich verteuern und den organisierten Fahrten ein Ende bereiten. Der Unmut ist groß, sogar ein Boykott der Bahn wird diskutiert.

Keine Sonderverträge

»Wir haben versucht, von der Bahn einen neuen Sondervertrag zu bekommen, aber keine Chance«, berichtete Matthias Steinke vom Bochumer Fan-Express B.O.Z., der bislang Fahrten für rund 200 Fans pro Spiel organisiert hat. Jetzt fürchten auch die Fan-Beauftragten anderer Vereine, dass alle Zug-Projekte das Aus ereilt.

Bahn unnachgiebig

Mit eigenen Ordnern in den Zügen hatten die Organisatoren für Ruhe gesorgt und sehr erfolgreich Vandalismus und Schäden am Bahn-Eigentum in den vergangenen Jahren erheblich vermindert. Doch bei einem Krisengespräch der Fan-Beauftragten mit Bahn-Verantwortlichen in Bochum vor einigen Tagen zeigten sich die Eisenbahner unnachgiebig:

Keine Sonderverträge mehr für Fan-Projekte. »Ein Unding«, schimpft Rolf Rojek, Vorsitzender des Verbandes von 1035 Schalke-Fanclubs. »Wir haben das Gefühl, die wollen uns nicht mehr in ihren Zügen«, argwöhnt Rojek. Bislang sei es möglich gewesen, auch mal für 250 Fans einen Sonderzug zu bekommen. Jetzt laufe unter 450 Personen nichts mehr.

Züge verstopfen

Wenn nicht schon 14 Tage vor den Auswärtsspielen die Fahrkarten verbindlich abgenommen werden, sind sie weg, berichtet Rojek. Und manchmal gebe es auch gar keine. Schon beim ersten Spiel des FC Schalke 04 in München sei das Theater groß: »Wir haben von der Bahn keine Tickets bekommen. Jetzt rufen die Fans ständig hier an.« Ihnen rät Rojek inzwischen: »Besorgt euch als Gruppe Wochenendtickets und verstopft alle Züge oder nehmt einen Bus.«

Störer rausgeworfen

Die neue Politik der Bahn versteht Rojek nicht: »Die schneiden sich doch ins eigene Fleisch. Jetzt haben sie viele singende und Bier trinkende Fangruppen in vielen Zügen. Die anderen Reisenden werden sich freuen, besonders, wenn sie mittendrin reserviert haben.« Bislang habe man der Bahn viel Arbeit abgenommen: Komplett abgerechnet, Ordner gestellt, Ruhestörer rausgeworfen und manchmal auch den Dreck weggeräumt.

»Wir haben versucht, sechs Wochen vor der Reise ein Gruppenticket nach Dresden zu bekommen - alle vergriffen«, sagte Steinke. Von den Frühbucher-Rabatten, die die Bahn ab Herbst nächsten Jahres gewähren will, habe der Fußball-Fan ohnehin nichts. Da die genauen Spieltermine auf Grund der internationalen Spiele und Fernseh-Übertragungen oft sehr kurzfristig festgelegt werden, könne nicht früh gebucht werden.

Bahn unschuldig?

»Nicht die Bahn, sondern DFB und Kirch-Gruppe führen die Fans aufs Abstellgleis«, wies Bahn-Sprecher Manfred Pietschmann die Vorwürfe der Fan-Gruppen zurück. »Wir können doch wirklich nichts dafür, wenn der DFB den Fans erst in letzter Sekunde sagt, wann gespielt wird. Wir müssen unsere Züge gut und gleichmäßig voll bekommen.« Extrawürste für die Bundesliga werde es daher nicht mehr geben. Die Bahn wolle auch im Interesse der anderen Reisenden zwei Wochen vorher wissen, wenn große Gruppen die Züge belegen. Und die Kontingente für die stark verbilligten Gruppentickets seien künftig begrenzt.

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