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Schalke-Boss Tönnies: "Die Stimmung ist nicht in Ordnung"

Seit der Absetzung des Fanbeauftragten Rolf Rojek liegen die Schalker Fans auf Konfrontationskurs zum machtbewussten Felix Magath. Der Trainer hat den massiven Widerstand so nicht erwartet. Schalke-Boss Tönnies ist in Sorge.

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga ist noch sehr jung, doch "auf Schalke" herrscht bereits Ärger: Trainer-Manager Felix Magath liegt im Clinch mit den Anhängern der "Königsblauen". Die Streithähne sollen sich schnell wieder vertragen, der Schalker Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies will, wahrscheinlich an diesem Donnerstag, ein Treffen zwischen Magath und führenden Fan-Vertretern persönlich moderieren. Tönnies stellte eines vorab klar: "Unsere Fans sind unser höchstes Gut ­ an die lassen wir nichts heran."

Tönnies ist beunruhigt: "Die Stimmung hier ist derzeit nicht in Ordnung. Vor einem Jahr haben wir uns große Sorgen um Schalke 04 gemacht, waren in akuter Not und Bedrängnis." Der Traditionsclub sah sich gezwungen, "eine Person zu holen, die den Karren aus dem Dreck zieht". In Magath habe man diese Person gefunden, "in seiner gesamten Form. Ihn haben wir mit der Macht ausgestattet, die er braucht, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen", blickte Tönnies zurück.

Magath habe einen autoritären Führungsstil. Tönnies: "Das hat aber nichts mit Diktatur zu tun. Es ist albern, so etwas zu behaupten." Was die Fans aber taten. Die Abberufung des Schalker Fanbeauftragten Rolf Rojek, die den massiven Unmut der Schalke-Anhänger hervorrief, habe ihre triftigen Gründe. Es sei aber "völlig überzogen", dies als Attacke auf die Fan-Szene zu interpretieren, fügte Tönnies an.

Kommunikation muss verbessert werden

Der Konflikt wurde spätestens am Samstag offenbar. Mit dem 1:2 zum Saisonauftakt beim Hamburger SV verschärfte er sich sogar: Nach dem Abpfiff warfen die nahezu komplett in Weiß erschienenen Anhänger der "Königsblauen" den vor ihrer Kurve applaudierenden Spielern T-Shirts mit einer klaren Aussage zu: "Kleine Gruppe" war auf den Textilien zu lesen - eine Anspielung auf Magath. Denn Magath hatte diejenigen, die seinen Kurs der Umstrukturierung nicht zu 100 Prozent mittragen wollen, als "kleine Gruppe" bezeichnet. Die Profis aus Gelsenkirchen wurden mit dem Überstreifen der T-Shirts zu prominenten Trägern einer Botschaft, die sich gegen den eigenen Chef richtete.

Fakt ist: Seit der Absetzung des seit 1988 tätigen Fanbeauftragten Rojek liegen die führenden Fan-Organisationen des über 87 000 Mitglieder zählenden Clubs auf Konfrontationskurs zu Magath. Der hatte den massiven Widerstand so nicht erwartet. Aber "ich stehe dazu, dass es ein Fehler war, Rojek die Entscheidung nicht persönlich mitzuteilen", räumte er ein. Ein Vereinssprecher hatte dem mittlerweile zurückgetretenen Rojek die Botschaft telefonisch zukommen lassen. "Bei der Maßnahme an sich sehe ich kein großes Problem. Deshalb irgendwo einen Aufstand zu inszenieren, halte ich für zu hoch gegriffen", reagierte Magath. "Ich habe der Position des Fanbeauftragten nicht so eine Macht zugemessen", sagte er der "Bild"-Zeitung (Dienstag).

Die Kluft zwischen dem Trainer und den Fans war schon am 10. Mai größer geworden, trotz aller Euphorie nach der direkten Qualifikation für die Champions League. Auf der Jahreshauptversammlung hatten die Schalke-Mitglieder eine Satzungsänderung verhindert, die Magath bei Transfers finanziell weitgehend freie Hand gelassen hätte - die Kommunikation zwischen dem Coach und dem "höchsten Gut", den Fans, war danach nahezu zum Erliegen gekommen.

DPA/dab / DPA

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