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Fußball-Bundesliga: Zerfall auf Schalke

Das Team ohne Leben, der Trainer auf Abruf, der Vorstand auf Tauchstation und der Aufsichtsrat auf Managersuche: Beim FC Schalke 04 hat der Selbstzerstörungs-Prozess ein rasantes Tempo erreicht. Nach Medienberichten ist auch die Ablösung von Trainer Fred Rutten beschlossene Sache. Aber wie es weiter gehen soll, weiß keiner.

Um den Bundesliga-Patienten Schalke 04 wiederzubeleben, bedarf es wohl eher eines Wunderheilers als eines sportlichen Leiters. Selbst der resignierend wirkende Chefcoach Fred Rutten, von dem keiner so genau weiß, wie lange er noch "auf Schalke" arbeiten darf, mahnte nach der erneut desaströsen Vorstellung seiner Elf beim 1:2 gegen den Hamburger SV an, das nach dem Rausschmiss von Andreas Müller wachsende Vakuum in der Führungsetage bald zu füllen: "Das Beste wäre, so schnell wie möglich eine Wahl zu treffen. Aber mit Verstand, damit Schalke in den nächsten Jahren sportlich weiterkommt."

Ob Rutten vielleicht das nächste Opfer der personellen Aufräumarbeiten auf Schalke wird, dazu wollte sich der Club nicht äußern: "Wir werden das in aller Ruhe nicht kommentieren, sondern wir werden arbeiten", sagte Schalke-Geschäftsführer Peter Peters am Dienstag. Ein für Dienstag vereinbartes Gespräch der Schalker Verantwortlichen mit dem Niederländer Rutten bezeichnete Peters als "Routine wie nach jedem Bundesliga-Spiel". Am Sonntag hatte der Tabellen-Achte Schalke gegen den Hamburger SV 1:2 verloren.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll der 46 Jahre alte Rutten noch in dieser Woche von seinen Aufgaben entbunden werden. Es existiere ein Notplan mit den ehemaligen Schalke-Profis Youri Mulder und Mike Büskens, die das Team wie im Vorjahr nach der Trennung von dem damaligen Trainer Mirko Slomka bis zum Saisonende betreuen sollen. Rutten hatte nach dem 1:2 gegen Hamburg erklärt, nur noch "von Woche zu Woche" zu planen und zu arbeiten. Erst vor zwei Wochen hatte sich der Gelsenkirchener Verein von Manager Andreas Müller getrennt.

Der Schalker Aufsichtsrats-Vorsitzende Clemens Tönnies, der in der Manager-Frage noch in dieser Woche eine Lösung präsentieren will, hatte vereinsinterne Diskussionen über den Trainer abgestritten. Rutten, der erst zu Saisonbeginn neuer Chefcoach des letztjährigen Champions-League-Viertelfinalisten geworden war, hat bei den Schalkern noch einen Vertrag bis 30. Juni 2010. Peters betonte im Gespräch, er und die anderen Verantwortlichen des Vereins würden sich durch Medien- Veröffentlichungen "nicht treiben lassen". Einen über die Manager-Frage hinausgehenden Zeitplan gebe es nicht.

Immer deutlicher wird, dass dem nach Ansicht vieler Experten zweifellos fähigen niederländischen Fußballlehrer der Nährboden für eine gedeihliche Arbeit durch die chaotischen Verhältnisse beim Revierclub inzwischen vollkommen entzogen wurde. "Man hat gesehen, dass das Selbstvertrauen der Mannschaft nicht groß ist. Es passieren immer wieder Sachen auf Schalke. Und das hat doch Einfluss", meinte Rutten, der nur noch "von Woche zu Woche" plant und arbeitet.

Fast neidisch klang der 46-Jährige, als er meinte: "Viele Spieler sind jetzt erstmal bei ihren Nationalmannschaften. Manchmal ist es gut für die Köpfe, wenn man mal eine Woche weg ist von Schalke." Unglücklicherweise kann Rutten sich selbst keine Auszeit nehmen, weil er (noch) alle Hände voll zu tun hat. Zwar ist die Saison kaum noch zu retten und es werde nach "dem richtigen Schlag" ganz schwer, die internationalen Plätze noch zu erreichen. "Aber wir haben noch neun Bundesligaspiele. Die können wir nicht wegwerfen", betonte Rutten.

DPA/tis / DPA

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