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Fußball-Presseschau: "Bayern sind doppelt peinlich"

Die Journaille verneigt sich vor den Künstlern von ManU und Milan. Hochgradige Stillosigkeit wird dagegen den Bayern wegen ihres Geheimtreffens mit Miro Klose vorgeworfen. stern.de und indirekter-freistoss.de blicken in die Gazetten.

Christian Zaschke (SZ) beschreibt das Match zwischen Chelsea und Liverpool als Tanz von zwei Kräften um eine Mitte: "Es war zu sehen, warum englischer Fußball aufregend und langweilig zugleich sein kann. Einerseits spielten beide, Chelsea wie Liverpool, 'one-touch-football' - jeder Mann nach Möglichkeit mit nur einer Ballberührung. Das ist Risikofußball. Andererseits hatten beide Teams für diese Form des Fußballs nur einen Teil des Platzes vorgesehen, den Bereich um die Mittellinie. Der Rest des Feldes war mit Spielern so voll gestellt, dass man kaum das Grün des Rasens sah. Man blickte also auf schwer arbeitende, rennende und grätschende Männer, es war alles da, was Fußball braucht: Dynamik, Tempo, Körpereinsatz, Fairness – und doch geschah nichts. Was Chelsea und Liverpool bei ihren zahlreichen Aufeinandertreffen bieten, ist ein Paradoxon: Sie spielen spektakulären Sicherheitsfußball. Um diese Form des Fußballs zur Vollendung zu führen, müsste man noch die Tore abschrauben."

Christian Eichler (FAZ) schildert Chelseas unerbittliche Art, zum Erfolg zu kommen: "Begeisternd spielt der FC Chelsea fast nie, zufriedenstellend fast immer. Denn die teuerste Fußballmannschaft der Welt hat klare Prioritäten: Sie will nicht inspirieren, sondern frustrieren. Chelsea ist der unangenehmste Gegner der Welt. Tore sind im Weltbild des Trainers José Mourinho nichts, was man erspielt, sondern erzwingt, ein Produkt der Schwäche, das man aus Gegnern herauspreßt."

Dank für das Champions-League-Spektakel

Die Journalisten fallen vor Manchester United und dem AC Mailand aus Dank für ihr Spektakel auf die Knie. Christian Eichler (FAZ) schildert seine Begeisterung und streicht das Alleinstellungsmerkmal der Champions League heraus: "Es war eine Darbietung von Tempo, Flair und Leidenschaft, wie deutsche Fans sie durch den FC Bayern gegen denselben Gegner in einer ähnlichen Konstellation im Viertelfinale völlig vermisst hatten – in einen Wettbewerb, der anders als zumeist Welt- und Europameisterschaften dazu neigt, mit seiner Fortdauer immer besseren Fußball zu produzieren. 2005 gab es das unvergessliche Finale, das Liverpool nach 0:3-Rückstand gegen Milan noch gewann, 2006 brillierten Barcelona und Arsenal mit Offensivfußball in der K.o.-Phase, und diesmal bot Manchester nach der 7:1-Gala gegen Rom einen weiteren fabelhaften Champions-League-Abend. Zu ihm trugen auch die Italiener bei, die entgegen dem üblichen Vorurteil nicht durch Zeitspiel, Lamentieren, Nickligkeiten auffielen, sondern durch fairen, attraktiven Fußball. Auf diesem Niveau sah man wohl seit dem WM-Halbfinale Deutschland gegen Italien kein besseres, schnelleres und intensiveres Spiel - nur dass es diesmal viel mehr Torszenen und Tore gab."

Wenn Ronaldo und Kaka spielen, hört Richard Williams (Guardian) Geigen und Trompeten: "Ronaldo und Kaka sind die Art Spieler, die Vergleiche mit anderen Kunstformen nahe legen: Kaka spielt ein permanentes andante cantabile, mit einer süßlich fließenden Anmut und verheerenden Sprints voll gelassener Schönheit; den Kopf nach vorne gelehnt wie Zidane, der Körper wiegend wie das Schilfgras im Wind, während jede Richtungsänderung fließend in die nächste übergeht. Ronaldos Spiel dagegen ist ein allegro vivace, mit einem deutlichen Hang zur Stakkato-Phrasierung mit seinen flinken Füßen. Sein unorthodoxes Spiel führt in der Hitze des Gefechts dazu, dass er furchtlos neue technische Finessen einführt, die andere – auch wenn sie dazu fähig wären – höchstens im Training zum Amüsement ihrer Kameraden aufführen würden."

Bayerns Vorgehen ist doppelt peinlich

Wildern die Bayern in Bremen und Hamburg? Matti Lieske (Berliner Zeitung) geht mit gutem Gedächtnis auf dieses Gerücht ein und rügt die Bayern-Führung: "Einen privaten Kooperationsvertrag mit dem Medienimperium des Leo Kirch hatten sie einst ebenso verschwiegen wie eine heimliche Zahlung von 20 Millionen Mark auf das Konto von Sebastian Deisler, als dieser noch bei Hertha BSC unter Vertrag stand. In diese Tradition hochgradiger Stillosigkeit passen nun auch die Meldungen über klandestine Treffen mit Miroslav Klose und dem Berater von Rafael van der Vaart. Sollten diese stattgefunden haben, verstoßen sie nicht nur gegen den guten Geschmack, sondern auch gegen Regeln der DFL und der Fifa. Diese sehen vor, dass solche Gespräche nur nach vorheriger schriftlicher Benachrichtigung des jeweiligen Klubs stattfinden dürfen. Für einen Verein, der gerade bei der Europäischen Union für Maßnahmen gegen den Raubkapitalismus im Fußball wirbt, ist ein solch unmoralisches Vorgehen doppelt peinlich."

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