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Fußball-Presseschau: Alle lieben Ottmar

Ottmar Hitzfeld ist der Bellheim der Bundesliga, Werder zeigt nur noch Kartentricks und Dortmund wurde von der Presse zum "Meister der Planlosigkeit" gekürt. stern.de und indirekter-freistoss.de blicken in die Gazetten.

Ottmar Hitzfeld genießt den Respekt und die Zuneigung der Presse. Michael Horeni (FAZ) freut sich über die äußerst gelungene Rückkehr Ottmar Hitzfelds und dessen Offenheit gegenüber beruflicher Weiterbildung: "Hitzfeld, der sich vor knapp drei Jahren ausgebrannt in die Berge zurückzog, ist ein grandioses Comeback gelungen, das ihm und damit auch den Bayern große Sympathien eingebracht hat. Es ist die Bellheim-Story der Bundesliga. Hitzfeld gehörte schon, man darf das so hart sagen, zum alten Eisen, zu den Leuten, die nicht mehr gebraucht wurden. Obwohl er der erfolgreichste Vereinstrainer des Landes war, genügten knapp drei Jahre, um ihn weithin als Modell von gestern erscheinen zu lassen, unbrauchbar für die heutigen Aufgaben.

Das sagt aber mehr über die verbreiteten Vorurteile, wie Menschen nicht nur in Führungsfunktionen zu funktionieren haben: ohne Pause, immer auf Höchstleistung. Und es sagt auch etwas über die irrige Vorstellung, wie Menschen unweit des Rentenalters ihrer Arbeit nachgehen: wie früher, ohne Interesse und die Fähigkeit, neue Entwicklungen in ihren großen Erfahrungsschatz zu integrieren.

Der alte Hitzfeld, den nicht nur die Spieler erwartet hatten, kam mit neuen Ideen und neuen Methoden an. Er hat an ganz prominenter Stelle gezeigt, was es mit der Chiffre vom lebenslangen Lernen auf sich hat und welche bisher viel zu oft verschwendeten Potentiale in einer alternden, aber auf Jugendlichkeit fixierten Gesellschaft liegen."

Bei Werder nach schwebender Jungfrau nur noch Kartentricks

Ralf Wiegand (SZ) begründet, warum sich die verwöhnten Werder-Fans nicht mehr mit profanen Siegen, wie dem 2:0 gegen Celta Vigo, zufrieden geben: "Weil das Bremer Publikum noch immer nicht vergessen will, wie viel seine Elf mal konnte und wie wenig sie jetzt zeigt - die Spanne ist etwa so groß wie der Grand Canyon tief -, kommt es häufiger zu Spannungen, die sich in Pfiffen entladen.

So ist das halt mit verzauberten Zuschauern: Wer mal die schwebende Jungfrau gesehen hat, kann über Kartentricks nicht mehr staunen. Tatsächlich ist es peinlich, gegen Spanier auf Zweitliganiveau so viel Glück bemühen zu müssen. (...) Irgendwie scheint auch der Uefa-Cup nicht geeignet zu sein, die Form für den Meisterschaftsendspurt wiederzufinden. Der Wettbewerb, gespickt mit Größen wie Alkmaar, Osasuna oder Donezk, gleicht einem Marsch durch die Wüste, der entweder in eine blühende Oase führt (Titel!) oder an einen giftigen Tümpel (Bayer Leverkusen!)."

Georg Bucher (NZZ) ist nicht gut auf den Schiedsrichter zu sprechen und sucht, weil er bereits das Hinspiel verdächtig fand, nach Erklärungen: "Ein Spiel mit gezinkten Karten? Nicht nur Anhänger von Celta de Vigo beschlichen ungute Gefühle. Auch neutrale Beobachter wähnten sich im falschen Film und sahen zu, wie die galicische Mannschaft verschaukelt wurde.

Nachhaltig war der Eindruck insofern, als Werder schon das Hinspiel durch einen Offside-Treffer gewonnen hatte. Unterstellt man dem Schiedsrichter keine unlauteren Absichten, gäbe es allenfalls psychologische Erklärungen für seinen Auftritt: die Verinnerlichung einer hierarchischen Ordnung, in der die Hanseaten mehrere Stufen über Celta stehen. Von Unparteilichkeit konnte jedenfalls so lange nicht die Rede sein, bis Fritz das 2:0 erzielt und den Sack zugebunden hatte. Krasse Fehlentscheide manipulierten die Spielentwicklung - und das Resultat."

Neuer, alter Trainer bei Bielefeld

Jan Christian Müller (FR) traut dem neuen, alten Bielefelder Coach den Klassenerhalt zu: "Die Chancen, dass sich die Arminen den Klassenerhalt noch sichern, sind sicher gestiegen. Denn Ernst Middendorp ist zurück. Der ehemalige Berufsschullehrer mag ein impulsiver Typ mit Hang zur Cholerik sein. Aber Middendorp ist, so hört man, mit den Jahren weniger aufbrausend geworden, deshalb aber gewiss nicht weniger charismatisch, fleißig und detailbesessen. Nächtelange Videoanalysen inklusive."

Die Presse rügt die Dortmunder Trainersuche als konzeptlos. Peter Stolterfoht (Stuttgarter Zeitung) stellt erneut Beliebigkeit in den Auswahlkriterien fest: "Zumindest ein Titel ist Borussia Dortmund in dieser Saison sicher: Meister der Planlosigkeit. Schon zum zweiten Mal in dieser Spielzeit ist der Bundesligist auf Trainersuche gegangen und hat zum zweiten Mal ohne jegliches Konzept agiert. Offensichtlich weiß die Vereinsführung am allerwenigsten, was für einen Trainer sie will. Der Begriff Stellenprofil scheint bei der Borussia ein Fremdwort zu sein. Und so regiert der Zufall. Sollten die Dortmunder absteigen, hätte das wiederum nichts mit Zufall zu tun."

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