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Fußball-Presseschau: Autoritäre Regime und Champagner-Lust

Der Cottbusser Misserfolg kommt dem Präsidenten ganz gelegen, in Bremen entkorken sie tausende Champagnerflaschen und in Berlin rettet ein Schweizer Lawinenhund verschüttete Fußballopfer - stern.de und indirekter-freistoss blicken in die Gazetten.

Claudio Catuogno (SZ) beleuchtet und kritisiert das Herrschaftsprinzip des Cottbuser Präsidenten Ulrich Lepsch, der Trainer Petrik Sander nach dem 1:2 gegen Wolfsburg entlassen hat: "Was ist eigentlich Ursache und was ist Wirkung in der Geschichte dieser ersten Trainerentlassung der Bundesligasaison? Ist der Misserfolg die Ursache, wie nun alle Beteiligten (bis auf Sander natürlich) zu schwören bereit sind? Oder kommt er manchen sogar ganz gelegen, der Misserfolg? Der Missbrauch des Misserfolgs für eigene Zwecke ist ein Stilmittel der Macht, dessen sich vor allem autoritäre Regime gerne bedienen. Seht her, sagen sie ihren Untertanen (im Fußballgeschäft Fans genannt), die Lage ist aussichtslos, deshalb bedarf es unserer Führung. Warum die Lage so aussichtslos ist, und wem das womöglich nutzt, diese Frage geht dann häufig im lärmenden Aktionismus unter.

Seit Monaten ist es ein offenes Geheimnis, dass Lepsch nur auf den geeigneten Moment wartet, um den von den Fans geschätzten, von ihm selbst jedoch ungeliebten Trainer loszuwerden. Geeignet ist dabei im Sinne von legitim zu verstehen - ohne die eigene Autorität zu beschädigen. Im Fußball ist das ein gefährliches Spiel. Weil man den angeblich geeigneten Moment geradezu heraufbeschwört, indem man eine von der Transferpolitik geschwächte Mannschaft durch permanente Scharmützel zusätzlich verunsichert. Und weil einem die schönste Legitimation für einen Rauswurf nichts nutzt, wenn man sich bereits mitten im selbstverschuldeten Abwärtssog befindet. Wenn also am Ende zwar die eigene Autorität nicht zu sehr infrage steht - aber der Erfolg der gemeinsamen Sache."

Cottbus ist das Kassengift für alle Schatzmeister

Peter Ahrens (Spiegel Online) ergänzt bitter und stellt sich auf Sanders Seite: "Cottbus wird sich in der kommenden Saison in der Zweiten Liga wiederfinden, wo das Team - ganz ehrlich und nur ganz leise gesagt - auch hingehört. Das Kassengift für alle Schatzmeister der Bundesliga ist Energie immer schon gewesen. Aber jetzt haben sie auch noch den letzten Rettungsanker gehievt, den sie hatten. Sander wird man wahrscheinlich bei dem einen oder anderen Ost-Club wieder treffen, weil die westlichen Erstligavereine sich immer noch eher die Hand abbeißen, als einem Trainer aus dem Osten, der so ostig ist wie Sander, eine echte Chance zu geben. Aber man wird ihn wiedersehen. Energie Cottbus in der Bundesliga dagegen nicht mehr."

Als ein "Fußball-Spektakel der Extraklasse" bezeichnet Roland Zorn (FAZ) das 4:1 Werder Bremens gegen den VfB Stuttgart; die Vertragsverlängerung Diegos, vor dem Spiel bekannt gegeben, sei die Initialzündung des Bremer Spiels gewesen: "Als wären Tausende Champagnerflaschen gleichzeitig entkorkt worden, schäumte die Atmosphäre unter den 39.000 Zuschauern hoch. Die Bremer behalten ihren Fußballzauberer noch lange, wenn das signierte Arbeitspapier nicht nur geduldig sein soll. Sie sonnten sich in dem frisch auflebenden Stolz, längst auch wer im nationalen und internationalen Quervergleich zu sein.

Schnellster Doppelpack der Bundesliga-Geschichte

Und Diego? Der Regisseur norddeutscher Spielkunst bereitete Werders Wirkungstreffer gleich zu Beginn vor, gekrönt durch den frühesten (3. und 4. Minute) sowie schnellsten (44 Sekunden) Doppelpack der Bundesliga-Geschichte. Für die Vollendung sorgte Diegos portugiesischer Freund Hugo Almeida. Eine ganze Elf verletzter und gesperrter Spieler fehlte, und doch begeisterten die Bremer mit ihrem angriffslustigen und selbstbewussten Arbeitsethos. Nach dem mit allerlei Misstönen untermalten Abschied von Miroslav Klose schien die alte Werder-Familie vereint im Stolz auf Mannschaft, Verein und dessen Protagonisten. So griff ein lange nicht erlebtes Wir-Gefühl vom Rasen auf die Ränge und wieder zurück um sich, das eine tonisierende Wirkung verströmte."

3:2 gegen Dortmund - Jan Christian Müller (FR) würdigt Arbeit und Verstand des Berliner Trainers, will sich aber auf eine Saisonprognose nicht festlegen: "Die Halbwertszeit von Fußballwahrheiten geht inzwischen offenbar gegen Null. Deshalb kann Hertha BSC Berlin am Ende der Saison wieder nur Zehnter werden. Wahrscheinlich ist das jetzt aber nicht mehr. Denn dass Lucien Favre Fußball versteht wie kaum ein anderer, hat ihm sogar der beurlaubte Innenverteidiger Dick van Burik ausdrücklich beschieden. Und dass Favres Personalführung offenbar auch nicht so schlecht sein kann, lässt die wundersame Wandlung des Marko Pantelic vom Ego-Star zum Teamplayer zumindest vermuten. Ohne jedwede Gewähr natürlich."

Gerettete Lawinenopfer in Berlin

Claudio Catuogno (SZ) malt einen Hertha-Comic: "Vielleicht passt dieses Bild ja ganz gut: Lucien Favre mit einem Fass um den Hals, einer Schweizer Fahne auf dem Rücken, wie er verschüttete Stadtmenschen wieder rausbuddelt. Die geretteten Lawinenopfer sind dann Dieter Hoeneß und sein ambitioniertes Hauptstadtprojekt. Hatte man nicht bis vor kurzem den Eindruck, sie taumelten in selbstproduziertem Chaos dem Abgrund entgegen? Nun schüttelten sie sich kurz, kaum traumatisiert, und kündigten prompt neue Großtaten an. In einem Jahr wollen sie es zurück ins Mittelgebirge (genannt: Uefa-Cup) schaffen, ein Jahr später dann die hochalpinen Regionen namens Champions League erreichen."

Christian Zaschke (SZ) hält Bibiana Steinhaus, der ersten Schiedsrichterin im deutschen Profifußball, die Tür auf: "Fundamentalisten wenden ein, dass Frauen keine Fußballspiele leiten sollten, und zwar, weil Frauen keine Fußballspiele leiten sollten. Fundamentalisten sagen, dass Frauen ja das leiten könnten, was andere Frauen in China gerade unter dem irreführenden Begriff 'Fußball'-WM ausspielen. Aber das sind die Fundamentalisten, und Fundamentalisten - ach, man muss sie nicht so ernst nehmen. Frau Steinhaus sei an dieser Stelle im Kreis der Schiedsrichter für Berufsfußballer herzlich willkommen geheißen."

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Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.