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FUSSBALL: Völler verlangt Risiko: »Keiner wird erschossen«

Die Mannschaftsaufstellung als »Staatsgeheimnis«, enorme Anspannung beim Teamchef: 24 Stunden vor dem Spiel gegen Griechenland macht die deutsche Nationalmannschaft keinen gefestigten Eindruck.

Die Mannschaftsaufstellung als »Staatsgeheimnis«, Isolation für die Mannschaft, enorme Anspannung beim Teamchef: 24 Stunden vor dem WM-Qualifikationsspiel beim krisengeschüttelten Tabellen-Schlusslicht Griechenland macht die deutsche Nationalmannschaft einen alles andere als gefestigten Eindruck. Nie zuvor in der Ära von Rudi Völler wurden die bereits seit Montagmittag vor der Außenwelt »geschützten« Nationalspieler vor einem Spiel morgen im Athener Olympiastadion.

Dabei gibt es für einen Gegner wohl kaum einen besseren Zeitpunkt für ein Kräftemessen mit den »Hellenen«, bei denen angesichts permanenter Skandale in der Meisterschaft und der Erfolglosigkeit der Nationalteams der große Fußball-Frust ausgebrochen ist.

Gespräche als Therapieansatz

Mit zahlreichen Gesprächen im abgelegenen Trainingsquartier vor den Toren Athens versuchte Rudi Völler, die Verunsicherung im eigenen Lager zu bekämpfen. »Es wird beim Fußball keiner erschossen, wenn etwas daneben geht. Man muss etwas riskieren«, lautete seine Botschaft an die Spieler.

Zur Therapie zählte auch, die öffentliche Kritik vom Team fern zu halten. »Es gibt keine Zeitungen, auch der Videotext funktioniert nicht«, berichtete Carsten Jancker. Der Münchner gehörte zu den wenigen »Privilegierten«, die bereits von ihrer Aufstellung wussten und - wie auch Jörg Heinrich - zur Pressekonferenz vorgeführt wurde. Weiteren Anfragen und Bitten, unter anderem auch die nach Interims- Kapitän Oliver Kahn, wurden nicht erfüllt. Der Münchner Torhüter wolle in seiner Konzentration auf das Spiel nicht gestört werden, hieß es aus dem DFB-Lager.

Angeschlagene Spieler

»Im Groben habe ich die Formation im Kopf«, sagte Völler, an dem die vergangenen Tage nicht spurlos vorüber gegangen sind. Mehr oder weniger großen Fragezeichen stünden aber noch hinter Sebastian Deisler, Oliver Neuville und Marco Bode, die die Strapazen des Albanien-Spiels noch nicht völlig verdaut hätten.

Unterdessen setzt Die Reizfigur der deutschen Nationalmannschaft in Athen ganz neue Zeichen. Trotz der Ankündigung von Rudi Völler, gegen Griechenland Carsten Jancker für Kapitän Oliver Bierhoff als Angriffs-»Brecher« auf den Rasen zu schicken, hielt sich der Münchner Stürmer mit Äußerungen oder gar Jubel-Gefühlen zurück. Die Frage nach Bierhoffs Vorzügen wollte er nicht beantworten: »Jeder Fußballer weiß, was er jetzt durchmacht«, fühlte Jancker mit dem stark schwächelnden Spielführer - und stärkte seinem Konkurrenten sogar den Rücken: »Ich bin der Meinung, dass Olli Kapitän bleiben sollte.«

Neue Frisur gegen Skin-Vorwürfe

Überhaupt möchte Jancker, in der laufenden Saison für eine verbale Entgleisung gegen Berti Vogts, den falsch verstandenen Trikot-Wurf von Paris und Wirbel um seinen Hausbau erneut arg kritisiert, in Zukunft nur nach dem beurteilt werden, was er auf dem Feld leistet. »Das schlechte Image haben einige gebildet, ich habe etwas dazu beigetragen«, räumte der gebürtige Mecklenburger zwar ein, betonte aber: »Das habe ich klar gestellt.« In einem TV-Auftritt hatte er sich speziell dagegen verwahrt, in eine rechtsradikale Ecke gestellt zu werden. »Ich habe keinen Kontakt zu denen und werde auch nie Kontakt zu solchen Gruppen haben«, unterstrich Jancker. Sprachs und präsentierte sich in Athen wieder mit einem blonden Stoppel-Haarschnitt.

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