HOME

Geburtstag: Die Bundesliga wird 40

Lang wurde um sie gerungen, am 24. August 1963 war es soweit: Die erste Bundesligasaison wurde angepfiffen. Beginn von Helden und Triumpfen.

Bereits 1932 wurde mit dem Gedanken gespielt, jahrzehntelange Diskussionen folgten. Am 24. August 1963 durfte sie starten: die Fußball-Bundesliga. Im gemeinsamen Fußball-Oberhaus wurde von nun an der beste deutsche Verein ermittelt. Es war der Beginn einer großen Liebe. Millionen von Fans fiebern seitdem Spieltag für Spieltag mit ihren Teams, feiern Siege und beweinen Niederlagen. Große Spieler wurden geboren und Vereine schrieben Geschichte. Eine Erfolgsgeschichte voller Emotionen. Seit 40 Jahren.

60erJahre: Kölner Dominanz

Die Liga zog sofort die deutschen Fans in ihren Bann. Am ersten Spieltag lockten acht Partien 327.000 Zuschauer in die Stadien. Sie bewunderten Fußballkünste von Mannschaften, die heute im Spitzenfußball keine Rolle mehr spielen: Alemannia Aachen gehörte ebenso zu den Gründungsmitgliedern wie Preußen Münster oder der 1. FC Saarbrücken. Der Erfolgsverein der ersten Jahre war der 1. FC Köln. Der erste Deutsche Meister war bereits damals ein professionell geführter Verein – Präsident Franz Kremer hatte maßgeblich die Einführung der Bundesliga forciert. Ende der 60erJahre traten dann zwei Teams in den Vordergrund, die fast ein Jahrzehnt den deutschen Fußball beherrschen sollten: Bayern München und Borussia Mönchengladbach.

70er Jahre: Bayern gegen Gladbach

Die effiziente, erfolgsorientierte Spielweise der Bayern um die Weltstars Maier, Müller und Beckenbauer gegen die leidenschaftliche, offensive Spielweise der Gladbacher um den genialen Spielerrebell Netzer: Das Duell polarisierte die Fußballöffentlichkeit. Der deutsche Fußball insgesamt profitierte von der Rivalität der beiden Mannschaften, die fast zehn Jahre den Bundesligatitel unter sich ausmachten. 1972 wurde Deutschland Europameister und zwei Jahre später Weltmeister. Bayern und Gladbach stellten fast alle Spieler der Nationalmannschaft.

80er Jahre: Nord gegen Süd

Die Rolle des Bayern-Jäger übernahm Ende der 70erJahre der Hamburger SV. Der noble Klub aus dem Norden wurde mit Meistertrainer Happel und den Stars um Kopfballwunder Horst Hrubesch zum großen Rivalen des erfolgsverwöhnten Südlichts. Die Bayern hatten den Abgang von Beckenbauer und Müller gut überstanden. Die neuen Erfolgsgaranten hießen nun Breitner und Rummenigge, die sich ab Mitte der 80er Jahre einem neuen Kontrahenten aus dem Norden zu erwehren hatten: Werder Bremen. Mit Otto Rehhagel als Alleinherrscher ärgerten die Nord-Kicker ein ums andere Mal die Bayern und holten 1988 verdient die Meisterschale.

90er Jahre: Boomzeit

Es begann die goldene Zeit des Fußballs: Die Zuschauerzahlen stiegen unaufhörlich, Rekordgelder flossen, Fußball wurde durch das Fernsehen zur alltäglich verfügbaren Unterhaltung. Der FC Bayern blieb die dominante Elf. Auch wenn Borussia Dortmund durch mutige Einkaufspolitik inzwischen zu einem dauerhaften Konkurrenten aufstieg. Im Mittelpunkt der Gefühlswelt der Fußballfans: die Verlierer. Schalke 04 wurde als unglücklichster Zweiter aller Zeiten zum „Meister der Herzen“ gekürt, das Drama um den „Ewigen Zweiten“ Leverkusen brachte dem einst verspotteten Werksverein viele Sympathien, aber keine Titel.

Durch das Ende des Medienbooms ist inzwischen auch die Bundesliga in eine finanzielle Krise geschlittert. Doch die Zuschauer lieben immer noch das Spektakel auf dem grünen Rasen. Auch diese Saison wird wieder geflucht, verdammt, gefeiert und geweint werden. Wie immer seit 40 Jahren.

Christoph Marx
Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity