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Der Dauergewinner: Der Erfolgreiche: FC Bayern München

Geliebt, gehasst, unersetzlich: Der FC Bayern spaltet seit jeher die Fußballnation in zwei Lager. Vor 40 Jahren war das noch ganz anders.

Die Bayern: Der Verein ist ein einziger Superlativ. Er ist der beliebteste, verhassteste, mitgliederstärkste, erfolgreichste, umstrittendste und finanzstärkste Fußballklub in Deutschland. Das Aushängeschild des deutschen Fußballs mit Fans in der ganzen Welt. Um die gewonnenen Titel zusammenzuaddieren, benutzt man am besten den Taschenrechner: 18mal Deutscher Meister, 11mal DFB-Pokalsieger, 4mal Ligacup-Gewinner, zweimal Supercup-Gewinner dazu 4-maliger Champions-League-Sieger, und jeweils ein Gewinn des UEFA- und des Europacups der Pokalsieger stehen auf der Habenliste. Seit Februar 2002 ist der Verein eine Aktiengesellschaft. Sein Wert wurde Ende 2001 auf 1, 5 Milliarden Mark taxiert. Selbst Bayern-Kritiker kommen heute nicht an der Tatsache vorbei: Der Verein, der im Februar 1900 von 18 Kickern in einem Münchner Wirtshaus ins Leben gerufen wurde, ist heute ein Global Player im internationalen Fußballgeschäft. Auf einer Stufe mit Manchester United oder Real Madrid.

Am Anfang ohne Bayern

Das war beim Start der Bundesliga anders. Die Bayern waren in der ersten Saison nicht dabei. Sie waren zu schlecht. In der Oberliga belegten sie 1963 nur den dritten Platz. Zu wenig für die Qualifikation. 1860 München hieß damals der Münchner Top-Club. Die Bayern galten nur als der kleine Bruder aus dem vornehmen Stadtteil Harlaching.

Wird Bayern auch in dieser Saison wieder Meister?

Erst 1965 gelang der Sprung ins Oberhaus des Fußballs. Die Mannschaft erreichte auf Anhieb den dritten Platz. Im Team standen bereits die Spieler, die im nächsten Jahrzehnt den Ruhm des großen FC Bayern begründen sollten: Im Mittelfeld spielte ein gewisser Franz Beckenbauer einen gepflegten Ball, hinter ihm im Kasten stand ein junger Torverhinderer namens Sepp Maier und vorne wirbelte ein rundlicher Mittelstürmer den gegnerischen Strafraum durcheinander. Cajkovski taufte seinen erfolgreichen Strafraumwühler zärtlich "kleines dickes Müller". Und der sollte es ihm noch lange danken: Gerd Müller hatte am Ende seiner Bundesligakarriere 365 Tore geschossen – ein bis heute unerreichter Erfolg.

Mit Beckenbauer an die Weltspitze

Die 70er-Jahre waren die goldenen Jahre des Vereins. Auf nationaler Ebene entwickelten sich die Bayern zum Maß aller Dinge. Von 1972 bis 1974 konnte die Meisterschale an die Isar geholt werden. 1972 sammelte die Mannschaft sogar 55:13 Zähler – bis heute ein Bundesligarekord. Wichtiger war der europäische Ruhm, den die Mannschaft unter der Regie von Udo Lattek in diesen Jahren erlangte: Dreimal hintereinander (1974-1976) wurde der Europapokal der Landesmeister gewonnen. Ein Kunststück, das sonst nur Größen wie Real Madrid oder Ajax Amsterdam gelang.

Franz Beckenbauer, Uli Hoeness, Sepp Maier, Gerd Müller, Paul Breitner: Die Spieler dieser legendären Mannschaft sind heute fast vollständig in die Führung des Vereins eingebunden und stehen für den ehrgeizigen Anspruch des Vereins: Immer und überall als Erster über die Ziellinie zu gehen. Größenwahn als Programm.

Nationale Dominanz, internationales Mittelmaß

Es dauerte gut 25 Jahren, bis der Verein wieder an der Spitze war. Deutscher Meister wurde der FC Bayern in den 80er und 90er Jahren in schöner Regelmäßigkeit. Egal welche Starspieler oder auch Startrainer verpflichtet wurden, im europäischen Meisterwettbewerb war spätestens im Halbfinale Schluß. Bis Ottmar Hitzfeld vom Borussia Dortmund 1999 an das Klubgelände an der Säbener Straße wechselte.

Messias Hitzfeld

Mit ihm kam der Bayern-Express auch in Europa wieder auf Touren. In seinem ersten Jahr gelang dem neu formierten Team um Effenberg und Kahn der Einzug ins Champions-League-Finale. In dem Match gegen Manchester United erlitt die Mannschaft die "Mutter aller Niederlagen". Zwei Gegentore in der Nachspielzeit vermasselten den sicher geglaubten Sieg. Selbst Niederlagen müssen bei den Bayern immer groß sein – spotteten damals die Kritiker. Soviel Pech die Bayern gegen Manchester hatten, so sehr begünstigte der Fußballgott die Hitzfeld-Schützlinge zwei Jahre später. Im Elfmeterschießen wurde das Finale gegen Valencia gewonnen.

Nach 25 Jahren konnte wieder ein Bayern-Kapitän die überdimensionale Silberschüssel in den Himmel recken. Ottmar Hitzfeld hatte endlich das erreicht, woran die namhaften Trainer vor ihm gescheitert waren.

Meisterschaft rettete Hitzfelds Job

Doch vergangene Triumpfe zählen nicht im schnelllebigen Fußballgeschäft. Besonders nicht bei den Bayern, wo der Trainer zum ewigen Erfolg verdammt ist. Die Feiertage von 2001 waren längst vergessen, als letztes Jahr die Mannschaft sang- und klanglos in der Vorrunde der europäischen Meisterliga ausschied. Hitzfeld stand plötzlich zur Disposition. Nur der souveräne Durchmarsch in der Bundesliga konnte seinen Arbeitsplatz retten. Aus verwöhnten Fußballstars, verehrt wie Popidolen, ein homogenes Team zu bauen und zum Ruhme des Vereins ewig zu siegen - der Trainerjob bei den Bayern ist wahrscheinlich der härteste, den die Branche zu vergeben hat. Für den Betroffenen nicht immer erfreulich. Aber eben wieder ein Superlativ.

Christoph Marx

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