HOME

Holstein Kiel: Verein wirft alle Fußballerinnen raus – sie protestieren auf ihre eigene Weise

Der Zweitliga-Verein Holstein Kiel schmeißt die Frauenabteilung aus dem Verein, weil er sich nur noch auf den Männerfußball konzentrieren will. Die Fußballerinnen nehmen das nicht so einfach hin und protestieren.

Von Linda Göttner

Video der Protestaktion der zweiten Damenmannschaft von Holstein Kiel #aufstehenfürvielfalt auch die Zuschauer und die Gegnerinnen vom ATSV Stockelsdorf Frauenfussball zeigten sich solidarisch. #kiel

Gepostet von Textkombüse am Sonntag, 29. April 2018

Für die Männer des Fußballclubs Holstein Kiel könnte es derzeit nicht besser laufen. Die Mannschaft befindet sich momentan auf dem dritten Platz der zweiten Liga und gewann am Sonntag erst 5:1 gegen den FC Ingolstadt. Damit können sich die "Störche", die erst in diesem Jahr aufgestiegen sind, große Hoffnungen auf den Durchmarsch in die Bundesliga machen.

Doch der anhaltende Erfolg führte für den Verein zu einem gravierenden Entschluss: Er trennt sich von seiner Frauenabteilung. Das Präsidium des Vereins habe sich dazu entschieden, "die Kräfte zu bündeln, um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen". Am vergangen Freitag wurden die Frauen von der Vereinsführung darüber informiert, dass sie den Verein verlassen müssen.

Die Frauen von Holstein Kiel setzen ein Zeichen

Dass die Entscheidung über ihren Kopf hinweg getroffen wurde, wollen die Frauen nicht einfach hinnehmen. Bei einem Spiel in der Landesliga am Wochenende setzten sie ein deutliches Zeichen: Nach Anpfiff blieb die zweite Damenmannschaft demonstrativ stehen und ließ die gegnerische Mannschaft einfach passieren. Nach einem Tor der Gegner setzten sich die Fußballerinnen in den Mittelkreis zu einer Sitzblockade auf den Boden, der Rest der Mannschaft tat es ihnen am Spielfeldrand gleich. Das Spiel wurde anschließend abgebrochen.

Screenshot eines Videos: Frauenfußballerinnen von Holstein Kiel setzen sich während des Spiels in den Mittelkreis

Die zweite Frauenmannschaft von Holstein Kiel protestierte gegen den Rausschmiss aus dem Verein


Die Protestaktion wurde laut Jaensch, der Abteilungsleiterin der "Holstein Women", von der Mannschaft selbst verabredet, um ihre Wut und Enttäuschung gegenüber dem Verein auszudrücken. Die erste Mannschaft bekennt sich ebenfalls nicht mehr zum Verein, indem sie in der Regionalliga ohne das Vereinslogo auf dem Trikot spielt.

Die Frauenfußball-Abteilung des KSV Holstein wird nun beim VfB Kiel eingegliedert, auf dessen Platz die drei Frauenmannschaften bereits seit der Saison 2010/11 ihre Heimspiele austragen. Holstein Kiel hatte einen sechsstelligen Betrag in die Sanierung der dortigen Kabinen investiert. Für die Frauen geht es aber gar nicht so sehr um eine völlige Umgewöhnung, sondern ums Prinzip. Denn sie seien nicht in den Plan eingeweiht gewesen, wie Jaensch dem NDR sagte. Der Schritt stünde für sie noch nicht fest. Zwar könne sie den Entschluss rein wirtschaftlich verstehen, emotional seien sie jedoch überrumpelt worden. 

Kritik auf politischer Ebene

Und nicht nur die Fußballerinnen sind verärgert, auch die gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Aminata Touré, sowie die sport- und gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen-Ratsfraktion Kiel, Lydia Rudow, verurteilen die Entscheidung: "Öffentliche Fördergelder beanspruchen, aber Gleichstellungspolitik aus dem vorletzten Jahrhundert praktizieren – das passt nicht zusammen", schreiben sie in ihrer Stellungnahme auf Facebook. Es sei ein Armutszeugnis für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Fußball. Die Männer würden ihren Erfolg auf dem Rücken der Frauen austragen. Die Stadt fördert den Ausbau des Holstein-Stadions mit 1,7 Millionen Euro, das Land übernimmt 7 Millionen Euro. Nach Meinung von Touré und Rudow dürfe das Geld aber keineswegs nur den Männern zugute kommen und es müsse überprüft werden, ob die Grundlagen für die Förderung bei solch ungleicher Behandlung überhaupt noch gegeben wären.

Es scheint, als würde der Zweitligist mit dem Erfolg seiner ersten Herrenmannschaft ein wenig übermütig. So nachvollziehbar die Bündelung der Ressourcen auf den Männerfußball und die möglicherweise aufsteigende erste Mannschaft sein mag – mit dem Entschluss zeigt der Verein eindeutig, dass ihm Gleichberechtigung und Vielfalt im Fußball weniger wert sind als Erfolg. Und schießt sich damit selbst ein Eigentor.

Zierliche Flugbegleiterin: Stewardess überrascht beim Bodybuilding - und drückt mehr als mancher Mann



Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity