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Hoyzer-Prozess: Ante S. gesteht Manipulation

Am ersten Verhandlungstag im Prozess gegen Robert Hoyzer hat ein Komplize des Ex-Schiedsrichters bereits Tatvorwürfe eingeworfen. Hoyzer selber soll in elf Fällen direkt beteiligt sein.

Der Prozess gegen den früheren Schiedsrichter Robert Hoyzer um manipulierte Fußballspiele hat am Dienstag mit dem Geständnis eines der fünf Mitangeklagten begonnen. "Zu den Vorwürfen möchte ich sagen, dass sie im Wesentlichen zutreffen", sagte der als Drahtzieher der Wettaffäre geltende Ante S. vor dem Berliner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft ordnet dem 29-jährigen Kroaten 42 Taten und eine "herausragende Position" in der mutmaßlichen Bande zu. Der 26-jährige Hoyzer muss sich für elf Fälle verantworten, in denen er direkt oder indirekt an Schiebereien beteiligt gewesen sein soll. Hoyzer, der ehemalige Schiedsrichter Dominik Marks, Ex-Bundesliga-Profi Steffen Karl sowie die drei Brüder Ante, Milan und Filip Sapina sind wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs angeklagt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft.

In der Anklage werden 23 Spiele aufgelistet, deren Verlauf durch Schiedsrichter oder Spieler manipuliert worden sein soll oder bei denen zumindest versucht wurde, auf ein gewünschtes Ergebnis hinzuarbeiten. Ante S. soll hohe Wettgewinne aus manipulierten Spielen erzielt haben. Wettanbietern sei dabei ein Schaden von rund zwei Millionen Euro entstanden, hieß es in der Anklageschrift. Allein beim Zweitligaspiel zwischen dem Karlsruher SC und dem MSV Duisburg am 3. Dezember 2004 habe Ante S. bei einem Einsatz von 240.000 Euro rund 870.000 Euro gewonnen.

Größte Affäre seit mehr als 30 Jahren

Der mutmaßliche Drahtzieher der Affäre sagte im Prozess, er habe als 16-Jähriger mit Sportwetten begonnen. Das Wetten auf Tennis-, Basketball- oder Fußballspiele sei zu einer Leidenschaft geworden. Es sei für ihn immer darum gegangen, "dass die Quote stimmt". Seine Anwälte sagten am Rande des Prozesses, ihr Mandant sei immer stärker von einer Spielleidenschaft eingenommen worden. Auf die angeklagten Schiebereien mit Schiedsrichtern und Spielern wird Ante S. voraussichtlich am zweiten Prozesstag am Donnerstag eingehen.

Hoyzer und Marks sind bislang die einzigen deutschen Schiedsrichter, die sich wegen Spielmanipulationen vor Gericht verantworten müssen. Die im Januar bekannt gewordene Affäre gilt als die größte im deutschen Fußball seit mehr als 30 Jahren. Kommentarlos hatte Hoyzer 20 Minuten vor Beginn der Verhandlung den Gerichtssaal betreten. Dort saßen er, Marks und Karl, die laut Anklage den aktiven Part der Schiebereien auf dem Spielfeld übernommen hatten, auf der einen Seite des Saales, die Kroaten als ihre mutmaßlichen Hintermänner auf der anderen.

67.000 Euro und ein Plasma-Bildschirm

Die Anklage fußt zu großen Teilen auf Angaben Hoyzers. Er hatte unter anderem eingeräumt, das DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV am 21. August 2004 manipuliert zu haben. Ante S. habe auf Paderborn gesetzt und Hoyzer im Falle eines Sieges 18.000 Euro versprochen, hieß es in der Anklage. Hoyzer habe daraufhin zwei Elfmeter für die Ostwestfalen gepfiffen, "die er bei neutraler Spielführung nicht gegeben hätte". Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die an den unmittelbaren Spielmanipulation beteiligten Schiedsrichter und Spieler zwar von hohen Sportwetten gewusst hatten, in Einzelheiten aber nicht eingeweiht waren.

Hoyzer hatte während des Ermittlungsverfahrens ausgesagt, er habe für die Manipulation von Spielen zwischen April und Dezember 2004 insgesamt 67.000 Euro sowie einen Plasma-Bildschirm von den Kroaten erhalten. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Hoyzer im April auf Lebenszeit gesperrt. An dem vorerst bis Ende Dezember geplanten Prozess nehmen auch Beobachter des DFB und des staatlichen Wettanbieters Oddset teil, der laut Anklage Hauptgeschädigter ist.

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