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Hoyzer-Aussage: Manipulationsverdacht schockt Österreich

Nach der Bundesliga ist nun auch der österreichische Fußball unter Manipulationsverdacht geraten. In der Alpenrepublik reagierte man geschockt auf die Vorwürfe von Schiedsrichter Hoyzer.

Der Fußball-Wettskandal bekommt nun offenbar auch eine internationale Dimension. Deutsche Medienberichte, wonach Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer auch über eine mögliche Verwicklung des österreichischen Erstligisten Casino Schwarz-Weiß Bregenz in mögliche Spielmanipulationen ausgesagt haben soll, wurden in der Alpenrepublik empört zurückgewiesen. Derweil berichteten mehrere österreichische Medien von einem weiteren Verdachtsfall.

Die österreichische Nachrichtenagentur APA zitiert die Zeitungen "Standard" und "Kurier", wonach es Ungereimtheiten bei der Partie Grazer AK - Admira Wien (Ergebnis 5:2) am 8. Dezember des vergangenen Jahres gegeben habe. "Auffällig hohe Summen wurden auf genau dieses Resultat gesetzt, behaupten Leute aus der Wettszene, ohne freilich Beweise zu liefern", hieß es.

"Nichts Verdächtiges aufgefallen"

Der österreichische FIFA-Referee Fritz Stuchlik hatte diese Partie geleitet und war dabei nach eigenen Angaben nicht misstrauisch geworden. "Mir ist nichts Verdächtiges aufgefallen, ein ganz normales Match", wurde er im "Standard" zitiert.

Hoyzer soll bei einem Verhör durch die Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, dass seine drei mutmaßlichen Komplizen, Ante, Milan und Filip S., auch in anderen europäischen Ligen ihr System des Spielbetrugs durchgeführt haben. Das berichtet "Spiegel Online". Konkret habe Hoyzer geschildert, dass der inzwischen inhaftierte Filip S. enge Kontakte zu Casino Schwarz-Weiß Bregenz unterhalten habe, insbesondere zu einem Torhüter des Vereins. Den Namen des Torwarts nannte Hoyzer laut dem Bericht allerdings nicht, da er ihn angeblich nicht kenne.

Almir Tolja, der aktuelle Bregenzer Torhüter, sagte APA, dass er in keine Spielabsprachen involviert und nie mit Filip S. in Kontakt gewesen sei. "Ich kenne niemanden mit diesem Namen", erklärte der bosnische Torhüter.

ÖFB beantragt Akteneinsicht

Der österreichische Fußball-Bund (ÖFB) und die österreichische Bundesliga haben inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Berlin um umgehende Akteneinsicht gebeten. "Diese Akteneinsicht dient als Basis für eventuelle weitere Schritte", hieß es laut APA in einer Pressemitteilung. Es gebe derzeit kein Indiz gibt, "dass diese im Raum stehenden Vorwürfe belegt und den österreichischen Fußball im Zusammenhang mit der deutschen Wett-Affäre bringt".

Der österreichische Schiedsrichter-Chef Gerhard Kapl wies die Vorwürfe über mögliche Manipulationen der beiden Spiele zurück. "Es hat in diesen Spielen keine einzige zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung gegeben. Eine Überprüfung hat ergeben, dass es lediglich zwei Spiele waren, wo exorbitant hoch gewettet worden ist", sagte er am Montagabend laut APA in der ORF-Sendung "Zeit im Bild 2". Weder eine gegebene oder nicht gegeben Rote Karte sowie ein zweifelhafter Elfmeter sei gepfiffen worden. "Die Spiele sind völlig problemlos abgelaufen", sagte Kapl.

Weitere Zeugenvernehmungen geplant

Während es sich in Österreich bislang noch um Spekulationen über mögliche Spielmanipulationen handelt, will das DFB-Sportgericht am kommenden Freitag klären, wie mit den nachweislich manipulierten Spielen im deutschen Fußball verfahren wird. Zuvor will der DFB allerdings in den nächsten Tagen neben Duisburgs Torhüter Georg Koch noch weitere Zeugen vernehmen. Die Identität und die Zahl der neuen Zeugen wollte DFB-Sprecher Harald Stenger aber nicht preisgeben. Im Zuge der Affäre hat der DFB-Kontrollausschuss bisher 14 Zeugen vernommen.

Der Hauptbeschuldigte, Schiedsrichter Robert Hoyzer, soll ebenfalls noch vor der Sportgerichtsverhandlung zum von ihm manipulierten Poklaspiel zwischen Paderborn und dem HSV (4:2) vernommen werden. Ein Termin für diese Anhörung steht aber noch nicht fest.

Entgegen ursprünglichen Angaben hat der Dresdner Ersatztorhüter Ignjac Kresic wiederholte Kontakte zu mindestens einem der inzwischen inhaftierten Verdächtigen eingeräumt. Er habe seinen kroatischen Landsmann Ante S. bereits vor einigen Jahren bei einem Heimaturlaub kennen gelernt, sagte Kresic der Zeitschrift "Super Illu". Mit Spielmanipulationen habe er jedoch nichts zu tun. Kresic soll nach einem Sieg 15.000 Euro von einem ominösen Geschäftsmann erhalten und an die Mannschaft weitergegeben haben.

Ante S. habe ihn unter anderem vor einem Spiel gegen Chemnitz im September 2003 angerufen und nach einem Tipp gefragt. Kresic habe auf ein Unentschieden getippt und sei damit falsch gelegen, weil sein Team das Spiel gewann. Daraufhin habe es das laut Kresic bislang letzte Treffen mit seinem Landsmann in einem Dresdner Cafe gegeben.

Kontakt ja, Manipulation nein

"Ante redete gemeinsam mit einem seiner Brüder bei dem Treffen auf mich ein. Da machte ich ihm klar, dass der deutsche Fußball meiner Meinung nach nicht manipulierbar ist. Die deutschen Fußballer verdienen genug Geld mit ehrlichem Fußball", sagte Kresic über das Treffen.

Auch danach sei man in Kontakt geblieben. Ante S. habe ihm erzählt, dass er wette und "ein paar Insider-Tipps" brauche. Dass sei völlig normal. "Viele Kroaten in Deutschland wissen, dass ich mich in der 2. Liga und im Osten auskenne und rufen mich wegen eines Tipps an", so Kresic.

AP/DPA / AP / DPA

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