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Videobeweis: Manipulationsverdacht gegen Hellmut Krug: DFB wusste angeblich Bescheid

Immer Ärger mit dem Videobeweis in der Fußball-Bundesliga: Nun gibt es sogar Manipulationsvorwürfe gegen Hellmut Krug, den Chef der Video-Schiris. Der DFB soll davon gewusst haben, ohne Konsequenzen zu ziehen.

Hellmut Krug, Chef der Video-Schiedsrichter, sieht sich Manipulationsvorwürfen ausgesetzt

Sieht sich Manipulationsvorwürfen ausgesetzt: Hellmut Krug, Chef der Video-Schiedsrichter, die derzeit in der Bundesliga eingesetzt werden.

Die Fußball-Bundesliga und der Videobeweis - was als Schritt zu mehr Gerechtigkeit und Verlässlichkeit sein sollte, entpuppt zunehmend als Farce. Es wird fast mehr über Schiedsrichter-Entscheidungen diskutiert als zuvor. Und nun auch noch das: Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll der Chef der Video-Schiedsrichter, der renommierte Ex-Unparteiische, Hellmut Krug, Einfluss auf die Video-Entscheidungen genommen haben. Und wie es nun weiter heißt, waren dem diese Vorwürfe bereits seit längere Zeit bekannt.

Was genau soll geschehen sein? Krug soll, so berichtete die "Bild am Sonntag", in seiner Funktion als Projektleiter Videobeweis und Supervisor an einem Bundesliga-Spieltag zweimal in die Entscheidung des zuständigen Video-Assistenten eingegriffen haben. Beide Entscheidungen kamen im Spiel gegen Wolfsburg dem FC Schalke 04 zu Gute - einmal soll er als Supervisor dafür gesorgt haben, dass die Knappen einen Elfer bekommen, im anderen Fall soll er einen Strafstoß gegen Schalke, den der Video-Schiri geben wollte, verhindert haben. Wie der Traditionsklub kommt auch der der frühere Fifa-Referee aus Gelsenkirchen.


Hellmut Krug soll sogar am freien Tag Einfluss genommen haben

Krug und auch der beteiligte Video-Assistent Marco Fritz wiesen das umgehend zurück. "Bei allen Spielsituationen, die im Review Center in Köln gecheckt werden, liegt die Entscheidung, ob ein Eingriff erfolgt oder nicht, beim Video-Assistenten. Dies war auch in den besagten Szenen der Partie Schalke gegen Wolfsburg so", sagte Fritz am Sonntag in einer vom DFB verbreiteten Erklärung. Ob sich auch tatsächlich daran gehalten hat, ist aus der Stellungnahme nicht zu entnehmen.

Was nun noch hinzukommt: Der DFB hat offenbar von Krugs Gebaren gewusst. Denn laut der "Bild"-Zeitung war das Verhalten Krugs bereits bei Anhörungen zu Mobbing-Vorwürfen gegen Krug und den Schiedsrichter-Chef Herbert Fandel in der Frankfurter DFB-Zentrale ein Thema. Dort soll Bundesliga-Schiedsrichter Dr. Felix Brych bereits am 17. Oktober berichtet haben, dass Krug in Entscheidungen des Video-Schiedsrichters eingreifen würde. Dies sei mindestens in einem Fall sogar geschehen sein, als Krug gar nicht im Dienst war; und zwar am 30. September während der Bundesligapartie Borussia Mönchengladbach gegen Hannover 96 (2:1). Wie genau der 61-Jährige in diesem Fall eingegriffen habe, wird nicht berichtet.

Die DFB-Gremien hielten es offenbar nicht für nötig, den Hinweisen nachzugehen oder anderweitig zu reagieren, so dass es später zu den angeblichen Vorfällen während des Spiels - Schalke kam. Ob der Verband nun reagieren will, bleibt abzuwarten. Die Bundesliga befindet sich derzeit in der Länderspielpause.


dho mit/DPA

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