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International: Barcelonas Neuzugänge demontieren Villarreal

Mit ganz neuem System (3-4-3) und neuen Spielern (Cesc Fabregas, Alexis Sanchez, Thiago) trat Barcelona zu seinem ersten Ligaspiel gegen Villarreal an. Doch sowohl die Spielanlage (mehr als 70 Prozent Ballbesitz) als auch das Ergebnis (5:0) erinnerten fatal an die Vorsaison.

Von wegen immer das Gleiche - Ohne Xavi, David Villa, Daniel Alves, Gerard Piqué und Carles Puyol und mit neuer Dreierkette in der Abwehr spielte Barcelona schon wieder unfassbar dominant und gewann gegen Champions League-Teilnehmer Villarreal sein erstes Punktspiel der Saison mit 5:0.

Der überragende Thiago Alcantara erzielte das 1:0 und bereitete zwei weitere Treffer vor, die Neuzugänge Cesc Fabregas und Alexis Sanchez erhöhten auf 3:0, ehe als Reminiszenz an das Barcelona der letzten Jahre dann auch Lionel Messi noch zwei Tore markierte.

Im Nou Camp blieb Barcelona so nur ein Tor hinter dem Vortagesergebnis von Real Madrid zurück, das die Madrilenen allerdings beim Abstiegskandidaten Real Saragossa erzielt hatten - und nicht gegen den Tabellenvierten der Vorsaison.

Durch Dreierkette noch mehr Dominanz im Mittelfeld

Pep Guardiola änderte seine Elf gegenüber dem Super Cup-Spiel auf vier Positionen. Die Außenverteidiger Dani Alves und Adriano waren nicht dabei, so dass Sergio Busquets, Javier Mascherano und Eric Abidal eine Dreierkette bildeten. Im Mittelfeld spielten Cesc Fabregas und Thiago Alcantara, nur Andres Iniesta blieb in der Mannschaft, da Xavi nicht spielen konnte. Und vorne bekam Neuzugang Alexis Sanchez den Vorzug vor David Villa.

Juan Carlos Garrido vertraute im Wesentlichen der Elf, die unter der Woche mit einem 3:0 gegen Odense die Gruppenphase der Champions League erreicht hatte, brachte aber mit Gonzalo einen zusätzlichen Verteidiger für Javier Camunas, so dass die Aufstellung des Gelben U-Boots wieder das aus der Vorsaison gewohnte 4-4-2 (oder 4-2-2-2) ergab statt des offensiv orientierten 3-4-3 gegen die Dänen. Im zentralen Mittelfeld spielte zudem Carlos Marchena in der Doppelsechs an Stelle von Marcos Senna.

Auch mit ungewohnter Formation dominierten die Blaugrana das Spiel in gewohnter Weise. Sehr tief stehende Gäste erlaubten Barcelona 70 Prozent Ballbesitz, schafften es aber nicht, Torabschlüsse zu verhindern. Sieben Torchancen erspielte sich Barcelona in furiosen 20 Anfangsminuten, deren beste Lionel Messi und Sergio Busquets hatten. Dem Argentinier wurde von Villarreal-Keeper Diego López der Ball gerade noch vom Fuß gefischt, der Defensivspieler traf mit einem Kopfball die Querlatte.

Thiago gegen vier Musketiere: 1:0

Sah der langhaarige Kapitän Gonzalo noch gut aus, als er in höchster Not vor Fabregas klären konnte, war der Argentinier in der 25. Minute einer von vier Gästespielern, die wie die Phagen auf Thiago zustürmten, der ein Solo aus der eigenen Spielhälfte nach vorne geführt hatte. Auch die vier Musketiere konnten ihn aber nicht daran hindern, anstatt des erwarteten Passes auf den links gestarteten Messi einfach selbst einen präzisen Linksschuss aus 20 Metern in die rechte Torecke zu setzen und Barcelona in Führung zu bringen.

Immerhin veranlasste das 1:0 die Gäste nun, sich selbst offensiv ins Spiel einzubringen. Die beste Gelegenheit für die kurzfristig gut mitspielende Elf von Juan Carlos Garrido hatte der bis dahin fast unsichtbare Giuseppe Rossi, dessen Schuss aus zehn Metern Victor Valdes an die Unterkante der Latte lenken konnte - allerdings hatte Schiedsrichter Turienzo Alvarez zuvor schon auf Abseits entschieden und Villarreal so seine praktisch einzige Chance des ganzen Spiels genommen. 

Unmittelbar vor der Pause erhöhte Fabregas nach wunderschönem Pass durch die Schnittstelle der Viererkette von Messi auf 2:0. Der Neuzugang aus London umkurvte den chancenlosen Diego López und traf aus spitzem Winkel. Direkt nach der Pause erhöhte dann mit Alexis ein weiterer Neuer sogar auf 3:0. Ein wunderschöner gelupfter Ball über die in diesem Fall ausnahmsweise hoch aufgerückte Viererkette wurde vom Chilenen erlaufen, der dann aus gar nicht so einfacher Position clever in die lange Ecke vollstreckte.

Garridos letztes Aufbäumen

Game over, ohne Frage. Das hatte allerdings noch niemand Garrido erzielt, oder der Trainer wollte seinen schon vorbereiteten Wechsel nicht mehr zurücknehmen und brachte so mit Camunas einen dritten Stürmer für Borja Valero. Zwei Minuten später überzeugte den Coach dann aber Messis 4:0. Nach Pass von Andres Iniesta, der seinerseits zuvor einen Doppelpass mit Fabregas vorausgehen ließ, überlupfte der Weltfußballer Diego López.

Garrido erkannte nun immerhin, was die Stunde geschlagen hatte, und brachte mit Marcos Senna und Wakaso Mubarak zwei defensive Mittelfeldspieler. Gegen das so entstehende 4-5-1 ließ Barcelona etwas die Zügel schleifen, was das 5:0 aber auch nicht verhindern konnte. Messi spielte den Ball nach rechts auf Thiago, der den Ball nahe des Fünfmeterraumecks sogar stoppen konnte, bevor er ihn zurück zu Messi passte, der inzwischen seinem vorherigen Bewacher Gonzalo entwischt war und aus fünf Metern zentral vollstreckte, während Keeper Diego López schon die Embryonalstellung angenommen hatte und nur noch vergessen wollte.

Bei diesem Resultat blieb es immerhin. Was allen Gegnern in Europa für die neue Saison Angst machen muss, ist aber die Aussicht, dass sich das neue 3-4-3 so gut einspielen könnte, dass Barcelona im Mittelfeld noch einen weiteren Spieler aufbieten kann, um seinen Würgegriff um den Hals des europäischen Fußballs noch zu verstärken. Da kann man den Wunsch von Diego López, im Boden zu versinken, nur zu gut verstehen.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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