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International Liverpool und Tottenham erkämpfen Unentschieden


Eine Katze unterbrach das Spiel, Luis Suárez wurde nach Rassismus-Sperre eingewechselt, Tottenhams Neuzugang Louis Saha gab sein Debüt, Gareth Bale wurde nach Schwalbe zu Recht verwarnt, Bale wurde brutal gefoult, Suarez und Bale vergaben Riesenchancen. Und Tore? Ach so, Tore wollten Sie? Missverständnis, tut uns Leid.

Einen Tag nach dem turbulenten 3:3 zwischen Chelsea und Manchester United endete auch das Topspiel zwischen Liverpool und Tottenham Hotspur unentschieden - aber an der Anfield Road dominierten die Abwehrreihen, so dass die eingewechselten Rückkehrer Luis Suárez und Louis Saha nicht die erhofften Siegtore beisteuern konnten.

Bestnoten verdiente sich hingegen eine laufstarke Katze, die in einer Minute in Brad Friedels Strafraum mehr Platz fand als Andy Carroll in 90 Minuten. Die Spurs, deren Manager Harry Redknapp wegen eines Flugzeugdefekts nicht im Stadion war, bleiben so sieben Punkte hinter Platz eins, Liverpool verpasste die Chance, an Arsenal vorbeizuziehen.

Kenny Dalglish, der seit seiner Rückkehr nach Liverpool vor einem Jahr gegen die Spurs seine einzige Heimniederlage erlitt, änderte seine Startelf auf zwei Positionen gegenüber dem 3:0-Sieg in Wolverhampton unter der Woche. Martin Kelly kam für den verletzten José Enrique in die Viererkette, spielte aber rechts, dafür rückte Glen Johnson auf die Linksverteidigerposition. Im Mittelfeld kehrte Steven Gerrard an Stelle von Jordan Henderson zurück ins Team.

Spurs ohne Redknapp

Auch die Gäste aus London nahmen zwangsläufig zwei Änderungen vor. Die verletzten Rafael van der Vaart und Younes Kaboul wurden durch Jake Livermore und Michael Dawson vertreten. Auch Jermain Defoe, Aaron Lennon und William Gallas fehlten den Gästen. Der auffälligste Ausfall war aber Manager Harry Redknapp, dessen Flug aus London nach Liverpool wegen technischer Probleme nicht starten konnte, so dass der Trainer, der gerade wegen eines mutmaßlichen Steuervergehens in der Hauptstadt vor Gericht steht, das Spiel seiner Mannschaft nicht an der Seitenlinie verfolgen konnte.

Die Reds, die zuletzt Manchester City aus dem Ligapokal und United aus dem FA Cup geworfen hatten, sahen auch gegen den dritten Titelkandidaten, der innerhalb von zwei Wochen nach Anfield kam, wie das bessere Team aus. Tottenham vermochte es nicht wie gewohnt, sein Angriffsspiel aufzuziehen. Über die rechte Seite fehlte Lennons Tempo, das vom zwar vielseitigeren, aber weniger direkten Niko Kranjcar nicht kompensiert werden konnte, auf der linken Seite arbeitete Dirk Kuijt exzellent gegen Gareth Bale mit.

Überhaupt hatte Liverpool auf großen Teilen der Spielfläche das Geschehen im Griff, mit einer sehr fleißigen und disziplinierten Mannschaftsleistung. Tottenhams Abwehr indes stand auch gut und diese Konstellation ruft die bekannten Taktikfreunde auf den Plan, aber nicht unbedingt Otto Normalfan, der auch nichts gegen ein paar Strafraumszenen hat.

Katze machte guten Eindruck

Im Highlightfilm der ersten Halbzeit war nicht viel zu finden außer dem, wofür das Internet Gerüchten zufolge ohnehin erfunden worden ist: ein Katzenvideo. Eine nette, wenn auch etwas übergewichtige Hauskatze hatte irgendwie ihren Weg auf den Rasen und in den Strafraum von Brad Friedel gefunden. Erst nach einer Spielunterbrechung gelang es einem Ordner das Tier in Sicherheit zu bringen.

Das war es aber auch an Höhepunkten vor der Pause und auch nach Wiederanpfiff waren es weniger sportliche Szenen, die für Aufsehen sorgten. Gareth Bale, der weiterhin kaum ins Spiel fand, ging in einem Laufduell mit Daniel Agger ohne Kontakt zu Boden und sah für diese Unsportlichkeit zu Recht Gelb vom 26 Jahre jungen, aber sehr guten Schiedsrichter Michael Oliver.

Dann wurde Mitte der zweiten Hälfte Luis Suárez eingewechselt, zum ersten Mal nach seiner Sperre von acht Wochen wegen seiner rassistischen Beschimpfung von Patrice Evra. Er kam für den ausgepowerten Kuijt. Auch bei den Spurs gab es einen interessanten Wechsel, als Winterneuzugang Louis Saha, von Liverpools Lokalrivalen Everton gekommen, für Adebayor eingewechselt wurde.

Drei Minuten Spielzeit = Gelb gegen Suárez

Nur drei Minuten nach seiner Hereinnahme sah Suarez schon Gelb, als er im gegnerischen Strafraum mit einem wilden, aber wohl unabsichtlichen Tritt Scott Parker im Unterleib traf. Gelb gab es auch für Martin Skrtel, der mit einem brutalen Tackling auf Kniehöhe Bale verletzte. Warum sich Manager Dalglish in dieser Szene noch beschwerte, bleibt wohl sein Geheimnis, aber die Fans waren, vielleicht noch wegen Bales Schwalbe, ebenfalls gar nicht zu beruhigen.

Und Fußball? Ach ja, Fußball. Suárez traf per Kopf (beachtlich, dass er sich in dieser Szene gegen den ansonsten tadellosen Ledley King durchgesetzt hatte) aus fünf Metern genau in die Arme von Brad Friedel und Bale scheiterte im Eins-gegen-eins-Duell an Pepe Reina. Liverpool war insgesamt die offensivere Mannschaft und hätte einen knappen Sieg durchaus verdient gehabt - doch die Spurs zeigten ihrerseits, dass sie nicht nur mit begeisterndem Offensivfußball unglücklich verlieren können, wie kürzlich bei Manchester City, sondern auch mal unter Druck einen Punkt zu verteidigen wissen.

Daniel Raecke

sportal.de sportal

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