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Interview mit Jürgen Klopp: "Bayern ist Meisterschaft nicht zu nehmen"

Für Borussia Dortmund ist die Titelverteidigung in weite Ferne gerückt. Dennoch hält Trainer Jürgen Klopp die Strategie des Clubs für alternativlos. Investitionen wie bei Bayern sind nicht geplant.

Für Jürgen Klopp ist der Titelkampf in der Bundesliga bereits vor dem Start in die Rückrunde so gut wie entschieden. "Den Bayern ist die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Sie können sie nur selber hergeben. Und ich befürchte, das werden sie nicht tun", sagte der Trainer von Borussia Dortmund der DPA in einem Interview.

Mit seinem Team, das im vergangenen Jahr das Double gewann, strebt der Fußball-Lehrer die direkte Qualifikation für die Champions League an. "Platz zwei wäre super, Platz drei mehr als in Ordnung. Danach geht es in Bereiche, in denen wir uns nicht mehr so richtig wohl fühlen."

Angeblicher 40-Millionen-Konter ist Unsinn

Trotz der Rückkehr der seit zwei Jahren titellosen Bayern an die Tabellenspitze, will der BVB-Trainer seiner Linie treubleiben. Um mit dem Branchenführer halbwegs mithalten zu können, müsse die Borussia ungeachtet ihrer gewachsenen wirtschaftlichen Kraft nicht ähnlich viel Geld für Neuzugänge ausgeben wie die Münchner: "Irgendwo habe ich gelesen, dass wir einen 40-Millionen-Konter planen. Das werden wir jedoch nicht tun. Keine Frage, wir müssen uns weiterentwickeln - aber nicht wie der FC Bayern. Das wäre der falsche Weg."

Klopp setzt andere Prioritäten: "An der generellen Herangehensweise wird sich bei uns nichts ändern - weil es für uns sinnvoller und freudvoller ist, zu beobachten, wie 19-Jährige Double-Sieger werden. Das kommt nicht so häufig vor."

Mit ihren sportlichen Erfolgen hat die Borussia laut Klopp in einem hohen Maß dazu beigetragen, dass der FC Bayern seinen Kader aufgerüstet hat: "Die Vorrunde hat gezeigt, dass wir - mehr noch als Matthias Sammer - dafür gesorgt haben, dass die Münchner komplett unter Strom stehen. Dass wir so erfolgreich waren, hat beim FC Bayern die Sinne geschärft. Da haben sie noch einmal nachgelegt."

Gewachsenes Selbstvertrauen

Erleichtert kommentierte Klopp die Entscheidung von Sven Bender und Neven Subotic, ihre Verträge beim BVB langfristig zu verlängern. Das sei ein Indiz für die gewachsene Attraktivität der Borussia. "Spieler wie Götze, Reus, Hummels, Blaszczykowski, Gündogan, Subotic und Bender sind für die ganze Welt interessant, entscheiden sich dennoch bewusst für uns. Jedes Mal, wenn einer dieser Kerle bei uns verlängert, ist das für mich wie ein zweiter Geburtstag."

Deutlich schwieriger als bei Bender und Subotic gestalten sich die Verhandlungen mit Robert Lewandowski. Der Torjäger liebäugelt mit einem Wechsel im Sommer zu Manchester United. "Wer großartige Spieler zur Verfügung hat, muss damit leben, dass auch andere das erkennen und Angebote unterbreiten", kommentierte Klopp wenig optimistisch. "Manchmal trennt man sich. Sobald es für mich irgendwelche Zeichen gibt, dass es nicht weitergeht, werden wir uns intensiv damit beschäftigen. Doch das ist im Moment nicht der Fall."

Heinz Büse/DPA / DPA

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