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Joachim Löw im stern: Abschied von den Feuerwehrmännern

Weg mit dem Sechser: Bundestrainer Joachim Löw will mit der Nationalmannschaft für die EM ein neues Spielsystem einstudieren. Wie sich der Trainer die Taktik vorstellt, die das Team zum Europameister machen soll, skizziert er im stern.

Das ist eine Überraschung: Mit klaren Worten hat Joachim Löw im neuen stern seine zukünftige Taktik im Mittelfeld skizziert. Der Bundestrainer will anders als die meisten Bundesligisten auf den klassischen Abräumer vor der Abwehr verzichten: "Ich denke im Mittelfeld nicht in den Stereotypen offensiv und defensiv. Ich möchte nicht mehr ein oder zwei Feuerwehrmänner vor der Abwehr aufbieten, die ihre Position nicht verlassen. Ich möchte drei Spieler im Zentrum haben, die flexibel sind, die ihre Rolle sowohl defensiv als auch offensiv ausüben und die ständig anspielbereit sind", so Löw. Die Voraussetzung dafür: Diese Spieler müssten "technisch sehr versiert" sein.

Löw fürchtet nicht, dass das Spiel seiner Mannschaft ohne einen klassischen Sechser zu offensiv werden könnte: "Wir wollen nicht mehr das Spiel des Gegners verhindern. Wir wollen gestalten. Dazu gehört, dass wir den Gegner schon in seiner Hälfte attackieren, wenn wir dort den Ball verlieren. Und nicht immer erst zurückweichen."

Der Coach will die neue Taktik im Trainingslager vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine, die am 8. Juni beginnt, einstudieren. "Das Weghalten des Gegners von unserer Abwehr ist verbesserungsfähig. Deshalb wird das ein Schwerpunkt in der Vorbereitung sein. Ein frühes Pressing muss in Fleisch und Blut übergehen, sonst ergeben sich riesige Lücken. Das braucht viel Zeit und Übung."

"Guter Dinge" für die EM

Mit der Entwicklung seines Team ist Löw ansonsten sehr zufrieden. "Wir sind ein Team, das für gewisse Werte steht, auch deshalb identifizieren sich die Menschen mit uns. Das macht mich sehr stolz", sagt er - und nennt auch gleich die Werte: "Disziplin, Ehrgeiz, Leidenschaft, Spielfreude. Und eine gewisse Leichtigkeit, die wir alle auch unter dem Druck eines Turniers bewahren sollten. Manche Spiele sahen zuletzt aus, als wären sie die einfachste Übung der Welt - dabei wurden sie auf höchstem Wettkampfniveau gespielt. Daran soll unser Spiel zu erkennen sein, das ist mir wichtig."

Für die EM gibt sich Löw optimistisch. Er sei "guter Dinge", dass Deutschland den Titel gewinnen könne. Der Bundestrainer blickt aber auch über das Turnier hinaus: "Es wird der Tag kommen, da es einen Besseren als mich gibt. Das ist völlig in Ordnung und macht mir nicht die geringste Angst." Die Zeit für einen Abschied sei aber erst gekommen, "wenn ich den Spielern nichts mehr vermitteln kann, ich keine Ideen mehr habe, mir Begeisterung und Motivation fehlen. Dann macht es keinen Sinn mehr."

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