Kämpferischer Völler "Jetzt geht es ans Eingemachte"


Die Ungarn-Pleite wirkt nach: Völler verschärft nach Ankunft in Portugal das Trainingstempo und stellt nicht nur seine Stammkräfte in Frage. Eine Rückkehr zur altbackenen Dreier-Abwehrkette ist nicht mehr ausgeschlossen.

Mit dem Umzug ins sonnige Quartier an der Algarve begann für die Nationalkicker nach zwei Tagen Heimaturlaub die unmittelbare EM-Vorbereitung. Mit einer Standpauke stimmte Teamchef Rudi Völler sein Personal noch in Frankfurt darauf ein, dass nach dem Ungarn-Debakel der Konkurrenzkampf um die Plätze zum EM-Start gegen die Niederlande offener denn je sei.

"Ich muss das Zeichen spüren: Bitte Trainer, stell’ mich auf, ich bin genau der Richtige", lautete sein Appell an die Spieler. Er drohte: "Wenn das nicht so ist, haben wir genügend andere, die die Lücke gerne schließen werden."

Unmittelbar nach der Ankunft am frühen Abend im "Ria Park Garden" ließ Völler seine Spieler zu einer zusätzlichen Trainingseinheit antreten, nachdem bereits kurz vor dem Abflug in Frankfurt trainiert wurde. Jetzt gehe es "ans Eingemachte", erklärte Völler kämpferisch.

In erster Linie an Miroslav Klose, Torsten Frings, Fredi Bobic und Jens Nowotny richteten sich die Worte des Teamchefs. Vor allem von diesem Quartett erwartet Völler in den kommenden Übungseinheiten auf dem Privat-Trainingsplatz der portugesischen Luxusresidenz mehr Engagement. "Ich werde im Training und in Gesprächen die Spieler genau beobachten, ob das Ungarn-Spiel ein einmaliger Ausrutscher war oder ob ich den Eindruck habe, dass das noch einmal passieren kann", sagte Völler.

Rückkehr zur Dreier-Abwehrkette?

Nicht scheint mehr undenkbar. Völler schließt sogar eine Rückkehr von der modernen Vierkette zur Dreier-Abwehrkette nicht mehr aus. Mit dieser altbackenen Verteidigungsformation war die DFB-Auswahl Vize-Weltmeister geworden. "Ich weiß, dass wir die Viererkette spielen können. Aber das hängt auch von der körperlichen und mentalen Fitness der Spieler ab", sagte Völler. Auch bei den Spielern wird offen über die beste Form der Verteidigung diskutiert. "Man muss flexibel sein und dies davon abhängig machen, mit wie vielen Spitzen der Gegner agiert", sprach sich Christian Wörns gegen das starre Festhalten an der Viererkette aus.

Kein blinder "Aktionismus"

Vor Panikmache warnt Völler allerdings auch. Die Mannschaft komplett umzukrempeln, wäre blinder "Aktionismus". Demonstrativ versuchte er Zuversicht zu verspüren: "Meine Gemütslage ist sehr, sehr gut." Daran änderte auch der Umstand nichts, dass noch immer fast die Hälfte des Personals mit Transfer- und Vertragsfragen beschäftigt ist. Lediglich der zuletzt vereinslose Christian Ziege präsentierte von den Spekulationsobjekten mit dem Zwei-Jahres-Vertrag bei Borussia Mönchengladbach geregelte Verhältnisse.

Allen rief Völler in Erinnerung, dass das vom DFB komplett bis zum Finale gebuchte Vier-Sterne-Quartier Tabuzone für Manager und Spielerberater sei. "Natürlich wird weiterhin über Transfers spekuliert werden, aber in unserer Gruppe wird das kein Thema mehr sein", prohepezeite Völler.

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Oliver Hartmann und Jens Mende

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